Armin Laschet

Scholz vor Laschet

SPD gewinnt Bundestagswahl vor Union

Teilen

Laschet und Scholz erheben beide Kanzler-Anspruch.

Berlin. Die SPD hat die deutsche Bundestagswahl gewonnen. Nach dem Auszählungsergebnis aller Wahlkreise wurde die SPD mit Olaf Scholz am Sonntag stärkste Partei. Die CDU/CSU stürzte nach 16 Jahren Regierung von Kanzlerin Angela Merkel mit Armin Laschet auf ein Rekordtief. Trotzdem reklamierte nicht nur Scholz, sondern auch Laschet den Auftrag zur Regierungsbildung für sich. Beide streben eine Koalition mit Grünen und FDP an. Die wollen jetzt erst einmal untereinander reden.

Nach dem Ergebnis der Auszählung aller Wahlkreise verbessert sich die SPD auf 25,7 Prozent (2017: 20,5). Sie schafft damit einen steilen Aufschwung, noch im Frühsommer hatte sie in Umfragen mit rund 15 Prozent auf Platz drei gelegen. Die Union dagegen erlebt ein historisches Debakel, sie kommt nur noch auf 24,1 Prozent (32,9). Die Grünen erzielen mit Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock ihr bisher bestes Ergebnis im Bund, bleiben mit 14,8 Prozent (8,9) aber hinter den Erwartungen zurück. Die FDP verbessert sich auf 11,5 Prozent (10,7).

Die AfD, bisher auf Platz drei, kommt nur noch auf 10,3 Prozent (12,6). In Thüringen und Sachsen wird sie aber stärkste Partei. In beiden Ländern steht die AfD im Visier des Landesverfassungsschutzes, in Thüringen wird sie als "gesichert extremistisch" eingestuft und seit dem Frühjahr beobachtet. Die Linke rutscht auf 4,9 Prozent ab (9,2). Da sie aber drei ihrer zuletzt fünf Direktmandate verteidigt, kann sie trotzdem wieder entsprechend ihrem Zweitstimmenergebnis in den Bundestag einziehen. Das legt die Grundmandatsklausel fest.

Video zum Thema: Deutschland: SPD gewinnt Bundestagswahl vor Union

Mehrheitsverhältnisse im Bundestag ändern sich

Die Mehrheitsverhältnisse im Bundestag ändern sich damit erheblich. Die Sitzverteilung wurde zunächst noch nicht bekanntgegeben und könnte nach den letzten Hochrechnungen von ARD und ZDF so aussehen: SPD 205 bis 209 (2017: 153), CDU/CSU 194 bis 196 (2017: 246), Grüne 116 bis 118 (67), FDP 91 bis 93 (80), AfD 84 (94), Linke 39 bis 40 (69). Die Wahlbeteiligung lag mit 76,6 Prozent auf dem Niveau der vergangenen Wahl (76,2).

Deutschland steht nun vor einer schwierigen Regierungsbildung. Einzig mögliches Zweierbündnis wäre eine neue Große Koalition, die aber weder SPD noch Union wollen. Deshalb dürfte es zum ersten Mal seit den 50er Jahren ein Dreierbündnis im Bund geben.

Scholz: "Ich bin sehr dankbar"

Scholz sieht einen klaren Auftrag für die SPD. Viele Wähler hätten deutlich gemacht, dass sie einen "Wechsel in der Regierung" wollten und der nächste Kanzler Olaf Scholz heißen solle, sagte er. Und mit Blick auf die Union: Einige Parteien hätten Zuwächse erzielt - andere nicht. "Auch das ist eine Botschaft." Es gilt als wahrscheinlich, dass der bisherige Vizekanzler und Finanzminister ein Ampel-Bündnis mit Grünen und FDP anstrebt, wie es in Rheinland-Pfalz seit 2016 regiert.

Aber auch Laschet will trotz seiner Niederlage versuchen, sich mit Grünen und FDP auf eine Koalition zu verständigen. Die CDU/CSU werde alles daran setzen, eine Regierung unter ihrer Führung zu bilden, sagte der CDU-Chef. "Deutschland braucht jetzt eine Zukunftskoalition, die unser Land modernisiert." CSU-Chef Markus Söder sagte: "Wir glauben fest an die Idee eines Jamaika-Bündnisses." Im Wahlkampf hatte er noch massive Bedenken dagegen geäußert, dass die Union wieder den Regierungsanspruch erhebt, wenn sie nicht stärkste Kraft wird. Nun sagte er: "Wir wollen gemeinsam in diese Gespräche gehen mit dem klaren Ziel, den Führungsauftrag für die Union zu definieren, dass Armin Laschet dann der Kanzler der Bundesrepublik Deutschland wird."

FDP-Chef Christian Lindner bekräftigte am Abend seine Präferenz für eine Koalition mit Union und Grünen. "Die inhaltliche Nähe zwischen Union und FDP ist die größte", sagte er. Zugleich betonte er, demokratische Parteien sollten Gespräche nie ausschließen.

Koalition zuletzt an FDP gescheitert

Die Bildung eines Jamaika-Bündnisses, wie es in Schleswig-Holstein regiert, war 2017 im Bund an der FDP gescheitert. Diesmal dürften eher die Grünen bremsen. Vor allem in der Finanz-und der Klimapolitik sind die Differenzen zwischen Grünen und FDP groß.

Lindner schlug vor, dass sich die Liberalen mit den Grünen treffen, um Schnittmengen und Streitpunkte auszuloten. Grünen-Chef Robert Habeck hielt seiner Partei alle Optionen offen. Man habe "gute Chancen, stark in die nächste Regierung zu gehen", sagte er. "Wir wollen regieren." Baerbock sagte: "Es geht ja nicht um die Mittel, sondern es geht um das Ziel, was am Ende erreicht werden muss."

Normalerweise lädt die stärkste Partei zu Gesprächen ein. In der Geschichte der Bundesrepublik gab es aber auch Fälle, dass die zweistärkste Partei den Kanzler stellte. Willy Brandt wurde 1969 Kanzler einer sozialliberalen Koalition, obwohl die SPD nur auf Platz zwei gelandet war. Genauso war es bei Helmut Schmidt 1976 und 1980.

Für die Union ist das Ergebnis zum Ende der Ära Merkel ein schwerer Schlag - auch für Söder, der sich im April einem heftigen Machtkampf mit Laschet um die Kanzlerkandidatur geliefert hatte. Nach Auszählung aller Wahlkreise stürzt die CSU auf ihr schlechtestes Ergebnis seit 1949 bei einer Bundestagswahl. Sie erreicht in Bayern nur noch 31,7 Prozent (2017: 38,8), das entspricht 5,2 Prozent bundesweit.

Video zum Thema: Analyse der Bundestagswahl in Deutschland

 

+++ Der oe24-LIVE-Ticker zum Nachlesen HIER +++

Fehler im Artikel gefunden? Jetzt melden.
 00:15

Ramelow: Linke muss sich nach Denkzettel erneuern

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) sieht in dem schlechten Abschneiden seiner Partei bei der Bundestagswahl einen Denkzettel, nach dem sich die Partei erneuern sollte. "Das Wahlergebnis ist ein Denkzettel, aber es ist auch ein Ansporn, uns zu sortieren und festzulegen", sagte er der Zeitung "Welt". Die Partei müsse sich bei ihren Themen fokussieren, sagte Ramelow weiter.

"Was sind die Themen, die wir bundesweit massiv spielen müssen?" Das sei vor allem der soziale Zusammenhalt, der in den vergangenen Jahren massiv verletzt worden sei. Die Menschen im Osten trauten aufgrund von Erfahrungen mit politischen Versprechen auch der Linkspartei nicht zu, ihre Interessen durchzusetzen.

Ramelow sprach sich aber gegen eine Personaldebatte über Fraktions- und Parteiführung aus und stellte sich vor die Parteivorsitzenden Susanne Hennig-Wellsow und Janine Wissler sowie Fraktionschef Dietmar Bartsch: "Dieses Spitzenpersonal hat unter großem Druck gut zusammengearbeitet.

 22:58

Beteiligung an Bundestagswahl ähnlich hoch wie 2017

Mit 76 bis 77 Prozent machten bei dieser Bundestagswahl anteilig ähnlich viele Menschen von ihrem Stimmrecht Gebrauch wie bei der vorangegangen (2017: 76,2). Das geht aus Hochrechnungen hervor.

Von der ersten Bundestagswahl 1949 bis in die 1980er Jahre hinein lag die Wahlbeteiligung regelmäßig bei mehr als 85 Prozent. Mit der ersten gesamtdeutschen Wahl 1990 ging die Quote deutlich zurück. Nur 1998 erreichte sie noch einmal über 80 Prozent. Der bisherige Tiefststand wurde im Jahr 2009 mit 70,8 Prozent verzeichnet.

 21:49

Wie geht es weiter?

Der neue deutsche Bundestag muss sich binnen 30 Tagen konstituieren. Er wählt auch den neuen Bundeskanzler. Die Kanzlerwahl kann aber erst nach Abschluss von Koalitionsverhandlungen stattfinden. So lange bleibt Kanzlerin Angela Merkel geschäftsführend im Amt. Die 67-Jährige regiert Deutschland seit November 2005. Sie hatte schon Ende 2018 erklärt, bei dieser Wahl nicht mehr kandidieren und sich danach aus der aktiven Politik zurückziehen zu wollen.

In Deutschland wird der Kandidat der stärksten Partei nicht automatisch Bundeskanzler. Nötig ist, dass der Bewerber die sogenannte "Kanzlermehrheit", also die Mehrheit der Mitglieder des Bundestages, hinter sich bekommt. Zuletzt wurde Deutschland von einer schwarz-roten Koalition aus CDU/CSU und SPD regiert.

 21:34

Wiens Bürgermeister Ludwig gratuliert den deutschen Parteifreunden

 20:31

Umfrage: Welche Partei sollte nächste Regierung führen?

 20:09

Hochrechnung: Grüne und SPD bei Berlin-Wahl fast gleichauf

Bei der Abgeordnetenhauswahl in Berlin zeichnet sich nach der ersten Hochrechnung kein klarer Sieger ab. Die Grünen erreichten demnach 22,5 Prozent, die SPD lag in den Zahlen des RBB bei 21,9 Prozent, wie der Sender am Abend berichtete. Für ein Zweierbündnis von SPD und Grünen würde es demnach nicht reichen, nur Dreierbündnisse wären möglich.

 19:46

ARD-Hochrechnung – SPD kann Vorsprung leicht ausbauen

In der neuesten Hochrechnung der ARD kommt die SPD auf 25,2 und die CDU auf 24,6.

wahl-grafik_oe24.jpg

 19:44

Meuthen sieht AfD trotz Verlusten stabilisiert

Der AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen sieht seine Partei bei der Bundestagswahl trotz ihrer Verluste "stabilisiert". Die AfD sei deutlich zweistellig, sagte er in Berlin. "Das ist kein großer Sieg, es ist aber auch keine fundamentale Niederlage." Die Ursachen für die Verluste müsse man sich in einer Nachwahlanalyse genau anschauen. Nach den ersten Hochrechnungen kam die AfD auf 10,7 bis 11,1 Prozent - nach 12,6 Prozent vor vier Jahren.

 19:39

Lindner betont Gemeinsamkeit: FDP und Grüne haben zugelegt

Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner hat zu einem politischen Aufbruch in Deutschland aufgerufen. Dabei betonte er in der FDP-Parteizentrale in Berlin Gemeinsamkeit mit den Grünen, die wie die FDP zugelegt hätten.

"Grüne und FDP verbindet, dass beide einen eigenständigen Wahlkampf geführt haben. Beide haben sich - aus unterschiedlicher Perspektive - gegen den Status quo der großen Koalition gewandt", sagte Lindner. "Die Parteien der großen Koalition dagegen haben in der Summe nicht gegenüber der letzten Wahl gewonnen. Und deshalb kann es in Deutschland kein Weiter so geben. Jetzt ist die Zeit für einen neuen Aufbruch."

 19:17

Baerbock lobt "historisch bestes Ergebnis"

rünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock hat das mutmaßliche Abschneiden ihrer Partei als das "historische beste Ergebnis" gelobt. Nach Hochrechnungen vom frühen Abend können die Grünen mit fast 15 Prozent der Stimmen rechnen. Das bisher beste Ergebnis bei einer Bundestagswahl erreichte die Ökopartei 2009 mit 10,7 Prozent.

 19:16

Scholz: "Das ist ein großer Erfolg"

SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz hat sich hocherfreut über das Abschneiden seiner Partei bei der Bundestagswahl geäußert. "Natürlich freue ich mich über das Wahlergebnis", sagte Scholz in Berlin. "Das ist ein großer Erfolg." Viele Wählerinnen und Wähler hätten deutlich gemacht, dass sie einen "Wechsel in der Regierung" wollten und dass der nächste Kanzler Olaf Scholz heißen solle.

 19:11

Laschet will unionsgeführte Regierung bilden

Der CDU/CSU-Kanzlerkandidat Armin Laschet will trotz des schwachen Abschneidens bei der deutschen Bundestagswahl versuchen, eine unionsgeführte Regierung zu bilden. "Eine Stimme für die Union ist eine Stimme gegen eine linksgeführte Bundesregierung. Und deshalb werden wir alles daran setzen, eine Bundesregierung unter Führung der Union zu bilden", sagte Laschet am Sonntagabend in Berlin.

"Deutschland braucht jetzt eine Zukunftskoalition, die unser Land modernisiert." In einer solchen Koalition müsse sich jeder Partner wiederfinden mit seinen Schwerpunkten. Zugleich sagte Laschet: "Mit dem Ergebnis können wir nicht zufrieden sein." Der Ausgang sei jedoch völlig unklar. "Es wird ein langer Abend."

Die deutsche Union hat laut ersten Prognosen und Hochrechnungen deutliche Verluste von rund sieben Prozentpunkten erlitten. Die mitregierende SPD konnte hingegen rund fünf Prozentpunkte zulegen. Laut den Hochrechnungen lagen beide Parteien Kopf an Kopf, eventuell mit leichter Führung der Sozialdemokraten, die Vizekanzler Olaf Scholz als Kanzlerkandidat aufgestellt hatten.

 18:49

Die erste Hochrechnung

SPD führt knapp vor CDU/CSU

Unbenannt.JPG

 18:39

Freude bei SPD-Anhängern – Lange Gesichter bei CDU/CSU

ea26a7ba50ffb51f859289b6dee5c6a85add8e9a819d7185547e434637e0d4e7.jpg © APA/dpa

24c3e526e0dbafedd0397959fc3f67bfefd666840408c84b73031b3d055dd2f0.jpg © APA/dpa

 18:36

AfD-Fraktionsvorsitzende Weidel: "Sehr solides" Ergebnis

Die Co-Fraktionsvorsitzende der AfD im Bundestag, Alice Weidel, hat das Abschneiden ihrer Partei bei der Bundestagswahl als "sehr solides" Ergebnis gewertet. Die AfD habe zweistellig abgeschnitten und sei allen Unkenrufen zum Trotz nicht aus dem Bundestag heraus gewählt worden, sagte Weidel in der ARD. "Um uns wird man nicht mehr drumherumkommen", sagte sie.

 18:36

Linke enttäuscht

Die Linke hat sich enttäuscht über den Ausgang der Wahl gezeigt. "Das ist ein schwerer Schlag für uns", sagte die Parteivorsitzende Susanne Hennig-Wellsow. "Wir haben durchaus schwer verloren." Die Linke liegt nach den Prognosen von ARD und ZDF bei nur 5 Prozent und muss ein Scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde befürchten. "Wir haben viele Fehler gemacht", gestand Hennig-Wellsow ein. Diese seien nicht erst im Wahlkampf passiert, sondern schon in den vergangenen Jahren.

 18:33

FDP-Vize Kubicki: "Wir freuen uns riesig"

er stellvertretende FDP-Vorsitzende Wolfgang Kubicki hat sich sehr zufrieden über das Abschneiden seiner Partei geäußert. "Heute Abend feiern wir zunächst einmal, weil das das erste Mal in der Geschichte unseres Landes ist, dass die FDP bei einer Bundestagswahl zwei Mal in Folge zweistellig wird", sagte Kubicki im ARD-Wahlstudio. "Wir freuen uns riesig." Was Koalitionsmöglichkeiten betreffe, müsse man jetzt erst einmal abwarten. Die FDP wolle mitregieren. "Rot-Grün-Rot wird wahrscheinlich nicht funktionieren."

 18:30

Zahlen für CSU "nicht zufriedenstellend"

n der CSU löst das mutmaßlich schlechteste Abschneiden der Partei bei Bundestagswahlen seit mehreren Jahrzehnten Enttäuschung aus. "Was das CSU-Ergebnis betrifft, so sind das natürlich Zahlen, die können in absoluter Höhe nicht zufriedenstellen", sagte CSU-Generalsekretär Markus Blume im Bayerischen Fernsehen.

Nach der Prognose des Senders lag die CSU bei 33 Prozent - schlechter abgeschnitten hatte die Partei lediglich bei der allerersten Bundestagswahl 1949. Blume betonte jedoch, dass manche Umfrage im Vorfeld nun "eines Besseren belehrt" worden sei. Ein Linksrutsch in Deutschland habe "in diesem Ausmaß" nicht stattgefunden.

 18:25

Kurz vor 18 Uhr noch lange Schlangen vor Berliner Wahllokalen

Kurz vor offizieller Schließung der Wahllokale in Berlin haben vielerorts noch Wählerinnen und Wähler Schlange gestanden, um ihr Kreuz zu machen.

"Hier stehen noch mindestens 100 Leute. Bei anderen Wahllokalen ist es genau das Gleiche, höre ich von Kollegen", sagte die Leiterin eines Wahllokals in Pankow. Erst jetzt habe das Lokal wieder Stimmzettel für die deutsche Bundestagswahl bekommen, diese seien schon am Nachmittag aus gewesen. Die Wartezeit betrage ungefähr eine Stunde.

Viele Wartende seien wütend, weil sie nicht verstehen könnten, wie es zu wenige Stimmzettel geben könne, sagte die Wahllokalleiterin. "Wir sprechen aber mit den Menschen. Ausfällig ist niemand", sagte sie. Die Wahl sei ihrer Meinung nach nicht gut vorbereitet gewesen, es seien von Anfang an mehr Stimmzettel nötig gewesen.

 18:22

Erste Reaktionen von SPD und Union

SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil sah umgehend einen "Regierungsauftrag". "Die SPD ist wieder da", sagte er im ZDF. "Die SPD hat den Regierungsauftrag. Wir wollen, dass Olaf Scholz Kanzler wird."

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak brachte unterdessen eine "Jamaika-Koalition" ins Gespräch. "Es gibt die Möglichkeit für eine Zukunftskoalition", sagt er in der ARD. Man könnte mit Grünen und FDP regieren. Die Union habe eine Aufholjagd gezeigt. "Das wird noch ein langer Wahlabend", sagt er.

 18:17

Sitzverteilung im neuen Bundestag

Die SPD holt 197 bis 215 Mandate, die Union 198 bis 200. Die Grünen kommen auf 119 bis 120 Sitze. Die FDP zieht mit 87 bis 99 Abgeordneten in den Bundestag ein, die AfD mit 83 bis 87 und die Linke mit 39 bis 41 Abgeordneten.

Hochrechnung der ARD:

Unbenannt.JPG

 18:15

Landtagswahlen: Grüne bei Berlin-Wahl vorn – SPD gewinnt Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern

Bei der zeitgleich zur Bundestagswahl stattfindenden Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus kommen die Grünen in einer Prognose des rbb und des Instituts dimap auf 23,5 Prozent, die SPD erreicht 21,5 Prozent, die CDU 15,0 Prozent, die Linke 14,5 Prozent, die FDP 7,5 Prozent und die AfD 7,0 Prozent.

In Mecklenburg-Vorpommern gewann die SPD die Landtagswahl einer Prognose zufolge klar. Die Partei von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig kam laut der Erhebung des Instituts Infratest dimap für die ARD am Sonntag auf 37 Prozent, während die AfD 18,5 Prozent erreichte und die CDU auf 14 Prozent abrutschte. Die Linke lag bei zehn Prozent, die Grünen bei sieben Prozent und die FDP bei sechseinhalb Prozent.

 18:06

ZDF-Prognose sieht leichten Vorsprung der Sozialdemokraten

Laut Prognose von ZDF führte die SPD mit 26 knapp vor der Union mit 24 Prozent

 18:04

Grüne mit 15 Prozent abgeschlagen auf dem 3. Platz

FDP und AfD gleichauf bei 11 Prozent, die Linke (5%) muss um Einzug in den Bundestag zittern.

 18:03

Kopf-an-Kopf-Rennen

Es bahnt sich ein Herzschlagfinale an. SPD und Union liegen beide bei 25 Prozent.

 17:59

Die erste Exit-Poll

Union 25%, SPD 25%, AfD 11%, FDP 11%, Linke 5%, Grüne 15% (ARD-Prognose)

Unbenannt.JPG

 17:45

Weiterhin reger Andrang – Wahl-Chaos in Berlin

In Berlin stehen auch in der letzten Stunde vor der Schließung der Wahllokale Menschen an, um ihre Stimme abzugeben.

 17:26

Gegendemonstranten bei der Wahlparty der AfD in Berlin

 17:12

Lauterbach zu Wahl-Fauxpas von Laschet: "Ich schätze es war Absicht"

 17:07

Aiwanger twittert unzulässigerweise Prognose-Zahlen

Der Chef der Partei Freie Wähler und bayrische Wirtschaftsminister, Hubert Aiwanger, ist wegen der kurzzeitigen Veröffentlichung von Wahlprognose-Zahlen in die Kritik geraten. In einem Tweet auf Aiwangers Profil, der wenig später wieder gelöscht wurde, wurden heute Zahlen aus einer Nachwahlbefragung der Forschungsgruppe Wahlen genannt - verbunden mit dem Aufruf, die "letzten Stimmen" nun den Freien Wählern zu geben.

CSU-Generalsekretär Markus Blume griff Aiwanger scharf an und forderte Konsequenzen. "Hubert Aiwanger verbreitet vor 18 Uhr Prognoseergebnisse und verbindet sie mit einem Wahlaufruf", schrieb Blume auf Twitter und fügte hinzu: "Ein unglaublicher Fall von Wahlmanipulation und Wählerbeeinflussung. Das ist zutiefst undemokratisch und muss Konsequenzen haben!"

Laut deutschem Bundeswahlgesetz ist es eine Ordnungswidrigkeit, vor Schließung der Wahllokale "Ergebnisse von Wählerbefragungen nach der Stimmabgabe über den Inhalt der Wahlentscheidung" zu veröffentlichen. Dies kann "mit einer Geldbuße bis zu fünfzigtausend Euro geahndet werden".

 16:51

Journalistin Katja Bauer berichtet von schwerwiegenden Pannen bei der Wahl in Berlin.

 16:14

Hohe Beteiligung zeichnet sich ab

Bei der Bundestagswahl in Deutschland zeichnet sich eine hohe Beteiligung ab. Bis 14.00 Uhr gaben in den Lokalen 36,5 Prozent der Berechtigten ihr Stimme ab, wie Bundeswahlleiter Georg Thiel bekannt gab. Vor vier Jahren waren es zwar mit 41,1 Prozent noch mehr. Allerdings dürften wegen der Coronakrise viel mehr Menschen per Brief abgestimmt haben. Die Bundeswahlleitung ging von mehr als 40 Prozent aus, so dass die Gesamtbeteiligung über den 76,2 Prozent von 2017 liegen würde.

 15:40

Nur Minderheit folgt Politiker-Accounts

Trotz des allgemeinen Booms von Social-Media folgen nur wenige Menschen in Deutschland den Accounts von Politikern, wie aus einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom hervorgeht. Demnach gibt zwar fast ein Drittel (31 Prozent) an, sich über Soziale Netzwerke oder Messenger über politische Themen zu informieren. Aber nur 15 Prozent von ihnen folgen einzelnen Politikerinnen- und Politiker-Accounts oder sind per Messenger direkt mit ihnen vernetzt. Zehn Prozent reiche dabei eine einzige Politikerin oder ein einziger Politiker, nur fünf Prozent folgten mehreren.

 15:11

Vielerorts höhere Beteiligung als 2017

Erste Zwischenstände aus verschiedenen deutschen Bundesländern deuten auf eine etwas höhere Wahlbeteiligung bei der Bundestagswahl hin als vor vier Jahren. Zahlen zur Beteiligung gesamt gab es bis zum frühen Nachmittag noch nicht. In mehreren Großstädten und Ländern lag sie bis zu Mittag jedoch höher als 2017, wobei dabei auch der Anstieg bei der Briefwahl eine Rolle spielte. In Berlin bildeten sich vor zahlreichen Wahllokalen lange Warteschlangen.

Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen gaben bis 12.00 Uhr 44,8 Prozent der Wahlbeteiligten ihre Stimmen in Wahllokalen in ab, teilte der Landeswahlleiter am Sonntag mit. Zum gleichen Zeitpunkt bei der Wahl 2017 lag der Wert nur bei 40,1 Prozent. In der Millionenstadt Köln beispielsweise hatten nach Angaben der Verwaltung bis 11.00 Uhr 19,37 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. 2017 seien es zu diesem Zeitpunkt 17,37 Prozent gewesen. Dabei wurden Briefwähler anteilig eingerechnet.

In der bayerischen Landeshauptstadt München hatten bis 11.00 Uhr schon knapp 60 Prozent der Wähler gewählt - einschließlich Briefwahl. Ein ähnlicher Wert war bei der letzten Bundestagswahl erst gegen 14.00 Uhr erreicht worden.

In Berlin zeichnete sich eine leicht höhere Beteiligung ab. Nach Angaben der Geschäftsstelle der Landeswahlleiterin gingen bis zum Mittag 27,4 Prozent der Wahlberechtigten zur Abstimmung. Bei der Bundestagswahl 2017 waren es 27,2 Prozent. Bei der Berechnung wird für diese Uhrzeit ein Drittel der beantragten Wahlscheine für die Briefwahl mitgerechnet.

Wahlberechtigte in Berlin mussten mitunter länger als eine Stunde bis zum Kreuz in der Wahlkabine anstehen. Für die rechtzeitige Stimmabgabe bedeutet das nach Angaben aus der Geschäftsstelle der Landeswahlleiterin: Wer bis 18.00 Uhr in der Schlange steht, darf noch wählen.

 14:52

Baerbock hofft noch auf Grünes Wunder

Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock hofft auf ein besseres Ergebnis für ihre Partei als in den Meinungsumfragen. "Es wird auf jede Stimme ankommen bei dieser Wahl, das haben wir ja in den letzten Wochen gesehen, wie Spitz auf Knopf es gehen wird", sagte die Grünen-Vorsitzende bei der Stimmabgabe in ihrem Wahllokal in Potsdam.

 14:22

Laschets Stimme ist gültig

Bundeswahlleiter Georg Thiel erklärte auf Twitter: "Ein bundesweit bekannter Politiker hat wie erwartet seine eigene Partei gewählt. Eine Wählerbeeinflussung kann darin nicht gesehen werden." Bei einer "Fehlfaltung" teilt der Wahlvorstand demnach einen neuen Stimmzettel aus - gelangt der offen eingeworfene Zettel dennoch in die Wahlurne, "kann er nicht mehr aussortiert werden und ist gültig".

 13:50

Lange Schlangen vor Wahllokalen

In Berlin ist es in der ganzen Stadt zu langen Warteschlangen gekommen. Wahlberechtigte mussten mitunter länger als eine Stunde bis zum Kreuz in der Wahlkabine anstehen. Für die rechtzeitige Stimmabgabe bedeutet das nach Angaben aus der Geschäftsstelle der Landeswahlleiterin: Wer bis 18.00 Uhr in der Schlange steht, darf noch wählen.

andrang.jpg © APA/dpa

 13:49

Annalena Baerbock (Grüne) bei der Stimmabgabe

Baerbock.jpg © APA/dpa

 13:39

Über 4.200 Straftaten im Wahlkampf

Im Zusammenhang mit dem Wahlkampf in Deutschland haben die Sicherheitsbehörden einem Medienbericht zufolge bisher mehr als 4.200 Straftaten registriert. Die "Welt am Sonntag" beruft sich dabei auf eine Umfrage unter den Bundesländern, wobei einzig Hessen keine konkreten Zahlen genannt habe. Demnach handle es sich vor allem um Sachbeschädigungen, insbesondere an Wahlplakaten. Aber auch Gewaltdelikte, Propagandadelikte und Beleidigungen seien verzeichnet worden.

Der Zeitung zufolge sind nicht nur Straftaten im Vorfeld der Bundestagswahl enthalten, sondern auch Fälle im Zusammenhang mit anderen Wahlkämpfen wie in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Dort werden an diesem Sonntag parallel zum Bundestag die Landesparlamente neu gewählt.

Die Zahl decke sich mit Angaben des Bundeskriminalamtes in einem internen Lagebild, aus dem die "Welt am Sonntag" zitiert. Demnach hatte das BKA zwei Wochen vor der Bundestagswahl 4035 Straftaten registriert, darunter 42 Gewaltdelikte. Zwei Drittel der Taten hätten die Behörden keinem politischen Spektrum zuordnen können, der Rest verteile sich auf das linksextreme und das rechtsextreme Spektrum.

Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte der "Welt am Sonntag": "Es ist der erste Wahlkampf, in dem ich erlebe, dass quasi bei jeder öffentlichen Veranstaltung größere Gruppen häufig aggressiver Störer auftreten". In Deutschland habe sich eine Art "Pandemie-Extremismus" gebildet. Dieser sei politisch schwer zu verorten, werde aber von "Rechtsaußen" wie der AfD befördert. "Und aus dem Kreislauf von Hetze und Hass werden Taten", so Spahn weiter.

 13:31

Ist Laschets Stimme ungültig?

Weil sichtbar war, wen der Kanzlerkandidat gewählt hat, könnte seine Stimme nun sogar ungültig sein. In der Bundeswahlordnung heißt es dazu: "Der Wahlvorstand hat einen Wähler zurückzuweisen, der seinen Stimmzettel so gefaltet hat, dass seine Stimmabgabe erkennbar ist“.

 13:09

Stimmzettel vertauscht - Probleme in einigen Berliner Wahllokalen

Wegen vertauschter Stimmzettel ist in einigen Berliner Wahllokalen zu Verzögerungen und ungültigen Stimmabgaben gekommen. Betroffen waren Stimmzettel aus den Bezirken Friedrichshain/Kreuzberg und Charlottenburg/Wilmersdorf. In den Wahllokalen 404, 407 und 408 in der Spartacus Grundschule in Friedrichshain lagen nach Angaben aus dem Wahllokal für die Abgeordnetenhauswahl nur Stimmzettel aus Charlottenburg/Wilmersdorf vor.

Bis die richtigen Stimmzettel nachgeliefert wurden, mussten die Wahllokale zeitweise geschlossen werden. Auch anschließend ging es nur mit Verzögerungen weiter. Zudem mussten einige Stimmabgaben auf falschen Stimmzetteln für ungültig erklärt werden.

 12:29

Wirbel um Laschet

CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet hat bei der Stimmabgabe zur Bundestagswahl seinen Stimmzettel falsch gefaltet. Als Laschet den Zettel in einem Wahllokal in Aachen in die Urne warf, konnten Umstehende sehen, was er angekreuzt hatte. Fotografen hielten den Moment auf Bildern fest. Wegen des Wahlgeheimnisses ist es nicht erlaubt, seinen Stimmzettel offen einzuwerfen.

Der Wähler müsse ihn "in der Weise falten, dass seine Stimmabgabe nicht erkennbar ist", heißt es auf der Website des Bundeswahlleiters. Sollte die Stimmabgabe erkennbar sein, müsste der Wahlvorstand den Wähler zurückweisen. Normalerweise wird im Wahllokal darauf hingewiesen, wie der Zettel gefaltet werden muss.

 11:55

Neuer Bundestag tagt voraussichtlich erstmals am 26. Oktober

Der neue Deutsche Bundestag, der am Sonntag gewählt wird, kommt voraussichtlich am 26. Oktober erstmals zusammen. Das hat nach Angaben der deutschen Bundestagsverwaltung der Ältestenrat einstimmig beschlossen. In der konstituierenden Sitzung werden vor allem der Bundestagspräsident und seine Stellvertreter gewählt. Im Ältestenrat sind das Präsidium und alle Fraktionen vertreten. Er legt die Sitzungswochen und die Tagesordnungen fest.

Der 26. Oktober ist der letzte mögliche Tag für diese erste Sitzung. Denn nach Artikel 39 des Grundgesetzes tritt der neu gewählte Bundestag spätestens 30 Tage nach der Wahl erstmals zusammen.

Die Fraktionen werden sich bereits in der neuen Woche konstituieren. Üblicherweise sind anfangs auch die ausgeschiedenen Abgeordneten nochmals dabei, anschließend dann nur noch die neu gewählten. Ihre erste Aufgabe ist es, die Fraktionsführungen zu wählen. Den Auftakt will bereits an diesem Montag die FDP machen, die anderen Fraktionen folgen ab Dienstag.

 11:39

Laschet hat gewählt

Armin Laschet machte wenig überraschend zwei Kreuze bei der CDU

Laschet.jpg © APA/dpa

 11:25

Schließanlage streikte - Feuerwehr muss Berliner Wahllokal öffnen

Nur mit Hilfe der Feuerwehr konnten Wählerinnen und Wähler zweier Berliner Wahllokale am Sonntagmorgen zu Wahlkabinen und Abstimmung gelangen. Wegen Problemen mit der elektronischen Schließanlage kam das Wahlteam nicht rechtzeitig wie geplant in das Gebäude der Mensa Nord des Studierendenwerkes mit den Wahllokalen 102 und 106 im Bezirk Mitte.

"Wir mussten die Feuerwehr rufen, die mit dem Notschlüssel das Gebäude öffnen konnte", sagte Wahlvorsteher Alexander Radebach der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. In der Folge konnten die Wahllokale erst mit Verspätung öffnen. Auch dadurch habe sich eine Schlange von Wählerinnen und Wählern gebildet. Sie mussten etwas warten, bevor alles wieder regulär lief. Ihm sei kein Fall bekannt von jemandem, der deswegen nicht wählen konnte. "Lösungen gibt es", sagte Radebach.

 11:18

Nächster Bundestag wohl mit über 900 Abgeordneten

Der nächste Bundestag, der am Sonntag gewählt wird, könnte nach Berechnungen des Wahlforschers Robert Vehrkamp mehr als 900 Abgeordnete groß werden. Auf der Basis des letzten ZDF-"Politbarometers" vor der Wahl vom Donnerstag berechnete der Wissenschaftler von der Bertelsmann Stiftung eine Bandbreite von 672 bis 912 Mandaten. In einem mittleren Szenario kommt er auf 810 Abgeordnete. Derzeit zählt der Deutsche Bundestag 709 Abgeordnete und ist damit schon so groß wie nie zuvor.

Mehr als zwei Drittel der Deutschen halten dies bereits für zu groß. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur sagten 71 Prozent, dass dem Parlament zu viele Abgeordnete angehörten. 11 Prozent sagten, sie hielten die Anzahl der Sitze für genau richtig. Nur 3 Prozent meinten, der Bundestag müsse vergrößert werden.

 10:56

Söder hat gewählt - und rechnet mit knappem Ergebnis

CSU-Chef Markus Söder hat an der Seite seiner Ehefrau Karin Baumüller-Söder seine Stimme für die Bundestagswahl abgegeben. Er sei angesichts des Wahlausgangs nicht nervös, aber etwas angespannt, sagte der bayerische Ministerpräsident im Wahllokal im Nürnberger Stadtteil Mögeldorf. "Es gibt schönere Tage", fügte er hinzu.

Spder.jpg © APA/dpa

Er werde die Geburtstagsfeier von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) besuchen und dann nach Berlin fahren, beschrieb er seinen Tagesablauf. "Ich hoffe, dass Armin Laschet den Regierungsauftrag bekommt", sagte Söder. Aber es werde sicher knapp und daher spannend.

 10:24

SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz gab seine Stimme ab

Scholz.jpg © APA/dpa

 09:40

Für Bundestagseinzug müssen es nicht immer fünf Prozent sein

Das deutsche Wahlrecht ist ziemlich kompliziert, doch eins ist klar: Um in den Deutschen Bundestag zu kommen, müssen Parteien mindestens fünf Prozent der Zweitstimmen bekommen oder mindestens drei Direktmandate gewinnen. So steht es in Paragraf sechs des Bundeswahlgesetzes. Nur in diesen Fällen werden die Parteien demnach "bei Verteilung der Sitze auf die Landeslisten" berücksichtigt.

 09:13

Das komplizierte deutsche Wahlsystem

Für die Bundestagswahl in Deutschland gilt ein personalisiertes Verhältniswahlrecht. Das komplizierte Mischsystem kann zu einer Aufblähung des Parlaments führen.

Jeder Wähler hat zwei Stimmen

Mit der Erststimme entscheidet er mit, welcher Kandidat seinen Wahlkreis vertritt, mit der Zweitstimme trägt er unabhängig davon zur prozentualen Verteilung der Sitze im Parlament unter den verschiedenen Parteien bei. Die Zweitstimme ist also wichtiger, denn sie entscheidet über die Machtverhältnisse in Deutschland.

Das Direktmandat in jedem Wahlkreis erhält der Kandidat mit den meisten Erststimmen. Weitere 299 Parlamentssitze werden über die Landeslisten der Parteien vergeben. Dabei werden nur die Parteien berücksichtigt, die mindestens fünf Prozent der Zweitstimmen erhalten oder via Erststimmen mindestens drei Direktmandate gewonnen haben.

Aus Wahlkreis- und Listenmandaten ergibt sich für den Bundestag eine Mindestgröße von 598 Sitzen. Die tatsächliche Zahl kann deutlich darüber liegen. Wenn nämlich eine Partei in einem Bundesland mehr Wahlkreise per Erststimme gewinnt als ihr nach der Zweitstimmenzahl prozentual zustehen, erhält sie sogenannte Überhangmandate. Beispiel: Im Bundesland Brandenburg werden 10 Sitze vergeben. Partei X holt 30 Prozent und bekäme demnach 3 Sitze. Sie gewinnt aber 4 Wahlkreise direkt, also erhält sie ein Überhangmandat.

 08:49

Steinmeier ruft zur Teilnahme an Bundestagswahl auf

Der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat alle wahlberechtigten Bürgerinnen und Bürger aufgerufen, bei der Bundestagswahl abzustimmen. "Jede Stimme zählt - Ihre Stimme zählt. Daher bitte ich Sie: Gehen Sie heute zur Wahl!", schrieb Steinmeier in einem Gastbeitrag für die "Bild am Sonntag". Demokratie lebe vom Einmischen und Mitmachen.

 08:33

Erste Hochrechnung um 18 Uhr

Mit ersten Prognosen zum Wahlausgang wird mit Schließung der Wahllokale um 18.00 Uhr gerechnet. Das vorläufige amtliche Endergebnis wird nach Mitternacht erwartet.

 08:17

Schwierige Regierungsbildung

Da keine Partei auch nur annähernd einer absoluten Mehrheit nahe kommt, könnte sich die Regierungsbildung nach der Wahl schwierig gestalten. Am wahrscheinlichsten ist ein Dreierbündnis. Denkbar wäre eine "Ampel" (Rot-Gelb-Grün) aus SPD, Grünen und Liberalen (FDP) oder ein rot-grün-rotes Linksbündnis aus SPD, Grünen und der Partei Die Linke. In beiden Fällen würde Scholz Kanzler.

Laschet könnte seinerseits versuchen, eine "Jamaika"-Koalition (Schwarz-Gelb-Grün) mit Liberalen und Grünen zu bilden. Auch eine Dreier-Koalition aus SPD, CDU/CSU und FDP ist denkbar. Je nach Sitzverteilung könnte es auch für ein Zweier-Bündnis aus den bisherigen Koalitionspartnern CDU/CSU und SPD reichen, eine sehr unwahrscheinliche Variante.

 08:08

Wahl-Thriller

Ob Merkels Christdemokraten das Kanzleramt halten können, ist fraglich. Laut Umfragen drohen ihnen empfindliche Stimmenverluste im Vergleich zur Wahl 2017. Stärkste Kraft waren in den Befragungen die Sozialdemokraten. Sie gehen mit dem deutschen Finanzminister und Vizekanzler Olaf Scholz als Spitzenkandidat ins Rennen.

 07:46

Herzlich Willkommen zum Live-Ticker

In Deutschland wird heute ein neuer Bundestag gewählt. Rund 60,4 Millionen Wahlberechtigte sind aufgerufen, über die politischen Kräfteverhältnisse in Europas größter Volkswirtschaft für die kommenden vier Jahre zu entscheiden. Die Wahl besiegelt das Ende der Ära von Bundeskanzlerin Angela Merkel (67), die nach fast 16 Jahren Amtszeit nicht mehr antritt.