Ein Bericht der „Financial Times“ bringt die Europäische Zentralbank unter Druck. Im Zentrum steht das tatsächliche Gehalt von EZB-Präsidentin Christine Lagarde und offene Fragen zur Transparenz.
Fragen zur Offenlegung der Vergütung an der Spitze der Europäischen Zentralbank rücken erneut in den Fokus. Laut einem Bericht der „Financial Times“ soll EZB-Präsidentin Christine Lagarde im Jahr 2024 insgesamt rund 726.000 Euro verdient haben. Damit liegt ihre tatsächliche Bezahlung deutlich über dem im Jahresbericht der EZB ausgewiesenen Grundgehalt von 466.000 Euro.
Zusätzliche Zahlungen erklärt
Wie die „Financial Times“ berichtet, ergibt sich die Differenz aus zusätzlichen Zahlungen, die über das Grundgehalt hinausgehen. Demnach erhält Lagarde geldwerte Vorteile in geschätzter Höhe von 135.000 Euro, unter anderem für Wohnkosten und weitere Leistungen. Zusätzlich soll sie rund 125.000 Euro für ihre Tätigkeit als Mitglied des Verwaltungsrats der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich verdienen.
Vergleich mit anderen Spitzenposten
Mit diesen Bezügen verdient Lagarde laut Bericht fast viermal so viel wie der Vorsitzende der US-Zentralbank Federal Reserve. Fed-Chef Jerome Powell erhält demnach ein Jahresgehalt von 203.000 US-Dollar, was rund 172.720 Euro entspricht. Bereits ihr Grundgehalt macht Lagarde zur bestbezahlten Amtsträgerin der Europäischen Union. Das Gehalt von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen liegt laut Bericht um 21 Prozent darunter.
EZB reagiert nicht konkret
Beiträge der EZB zu Lagardes Pension sowie Kosten für Kranken- und andere Versicherungen konnten laut „Financial Times“ aufgrund fehlender Daten nicht in die Berechnungen einbezogen werden. Die Zeitung gab an, der EZB sowohl die Methodik als auch die Annahmen und Ergebnisse offengelegt zu haben. Eine Stellungnahme dazu blieb aus.
Vonseiten der EZB hieß es lediglich, dass das Gehalt der Präsidentin vom Vergütungsausschuss und dem EZB-Rat bereits bei der Gründung der Bank im Jahr 1998 festgelegt worden sei. Die einzige Änderung bestehe in den jährlichen Gehaltsanpassungen, die für alle Mitarbeitenden gelten. Zudem erklärte die EZB, ihre Offenlegungspraxis entspreche jener vieler internationaler öffentlicher Institutionen und das Maß an Transparenz sei im Laufe der Zeit erhöht worden. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich lehnte laut Bericht eine Stellungnahme ab.
Gesamtvergütung und Pension
Laut der Analyse der „Financial Times“ könnte Lagarde für ihre achtjährige Amtszeit als EZB-Präsidentin aufgrund zusätzlicher einmaliger Zahlungen sowie möglicher Übergangszahlungen auf eine Gesamtvergütung von bis zu 6,5 Millionen Euro kommen. Das entspräche einer durchschnittlichen Jahressumme von etwa 810.000 Euro. Ab dem Jahr 2030 kann Lagarde dem Bericht zufolge zudem mit einer jährlichen Pension von rund 178.000 Euro rechnen.