Zugleich aber eigene Interessen verteidigen - Italiens Regierungschefin am Freitag überraschend in Golfregion eingetroffen
Europa soll trotz Differenzen die Beziehungen zu den USA aufrechterhalten, zugleich aber eigene Interessen verteidigen. Dies betonte Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni in einem Interview mit den RAI-Nachrichten Tg1 mit Blick auf Äußerungen von Donald Trump zur NATO und zu europäischen Verbündeten am Freitag. Meloni gilt als Vertraute von US-Präsident Trump.
"Ich bin weiterhin der Ansicht, dass Europa geopolitisch wenig davon hat, sich von den USA zu entfernen. Aber unsere Aufgabe ist es vor allem, unsere nationalen Interessen zu verteidigen - und wenn wir nicht einverstanden sind, müssen wir das sagen. Und dieses Mal sind wir nicht einverstanden", sagte Meloni, die sich als Brückenbauerin zwischen Europa und den USA betrachtet.
15 Prozent des von Italien benötigten Öls stammt aus Golfregion
Zu ihrer Mission in den Golfstaaten erklärte sie, Italien unterstütze - wie andere europäische Länder - die Staaten der Region bei der Abwehr iranischer Angriffe. Dies geschehe sowohl aus Solidarität mit befreundeten Ländern als auch zum Schutz der dort lebenden Italiener. Ziel sei es zudem, die Energieversorgung Italiens zu sichern. Etwa 15 Prozent des von Italien benötigten Öls stammen aus dieser Region.
Zur innenpolitischen Lage erklärte die Ministerpräsidentin, die Regierung arbeite weiter und wies Spekulationen über Rücktritte oder eine Regierungsumbildung zurück. Mit Blick auf die internationale Krise verwies sie auf bereits spürbar negative Auswirkungen auf Energiepreise und Wirtschaft.
Die Regierung beobachte die Entwicklung der internationalen Lage genau und wolle sich mit allen verfügbaren Instrumenten einsetzen, um Familien und Unternehmen zu schützen. Dazu gehöre auch die Verlängerung der Senkung der Kraftstoffpreise um 25 Cent bis zum 1. Mai, finanziert mit zusätzlichen 500 Millionen Euro. Zudem seien Unterstützungsmaßnahmen für Landwirte und exportorientierte Unternehmen ausgeweitet worden.
Meloni ist am Freitag überraschend zu einem Besuch in der Golfregion eingetroffen. Die Regierungschefin landete am Freitagnachmittag mit einem Flugzeug aus Rom in Saudi-Arabien. Der Aufenthalt war aus Sicherheitsgründen bis zur Ankunft geheim gehalten worden. Meloni ist die erste westliche Regierungschefin seit Beginn der Angriffe der USA und Israels gegen den Iran Ende Februar, die in die Golfregion reist.