Mehr Besucher - weniger Aussteller

CeBIT 2010

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Mehr Besucher - weniger Aussteller

Die CeBIT 2010 ist mit einem leichten Zuwachs bei den Besucherzahlen am Samstagabend in Hannover zu Ende gegangen. Insgesamt wurden an den fünf Veranstaltungstagen 334 000 Besucher auf dem Messegelände in Hannover begrüßt. Bis zum Samstagabend der CeBIT 2009 hatten 322 000 Menschen die Veranstaltung besucht. Damit stieg die Zahl der Besucher im Fünftagesvergleich um 3,7 Prozent. Die IT-Ausstellung ist in diesem Jahr um einen auf fünf Tage verkürzt.

Veranstalter und Aussteller zufrieden
Die Ausstellerzahl sank um drei Prozent auf 4157 Unternehmen. Der Veranstalter zog dennoch ein positives Fazit. "Die Cebit 2010 hat aus Wachstumshoffnungen konkrete Geschäfte gemacht. Die Branche lässt jetzt die Krise hinter sich und startet durch", erklärte der verantwortliche Messe-Manager Ernst Raue.

Die Mehrheit der Aussteller bewerte die Messe sehr positiv, teilte der Branchenverband Bitkom mit. "Die Cebit hat die Aufbruchstimmung in der Branche weiter verstärkt", erklärte Verbands-Präsident August-Wilhelm Scheer. Die Messe habe der Branche genau den Schub gegeben, den sie nach der Wirtschaftkrise brauche.

Änderungen gefordert
Nicht alle Branchenvertreter stimmten in den Chor der Optimisten ein. "Die Cebit muss sich wandeln - entweder zu einer reinen Geschäftskundenmesse werden oder sich voll auf Konsumenten fokussieren", sagt der Finanzchef des Telekomdienstleisters QSC, Jürgen Hermann. "Ich bin erschrocken, wie leer es in den Hallen ist." Stephan Hotz, Technik-Manager beim Spezialmaschinenbauer Singulus, ergänzt: "Vielleicht sollte man die Cebit mit der IFA zusammenlegen - dann gäbe es eventuell eine Zukunft für die Messe."

In den vergangenen Jahren hatte die Cebit einen rapiden Besucherschwund erlebt. Zu den Boomzeiten der Branche im Jahr 2000 waren noch eine Dreiviertel Million Menschen nach Hannover gepilgert. Damals führte in Sachen Handys, Computer und Software kein Weg an der Cebit vorbei. Mittlerweile - im 25. Jahr seit ihrer Gründung - wird das allumfassende Konzept der IT-Messe von vielen Unternehmen kritisiert.

Starke Konkurrenz
Spezialmessen laufen der Cebit den Rang ab. Die CES in Las Vegas hat sich als globale Leitmesse für Handys, Kameras und Fernseher etabliert. In Deutschland pilgern Technikfreunde inzwischen lieber zur IFA in Berlin, wo sie Unmengen von elektronischen Apparaten nach Belieben anfassen und ausprobieren können. In Sachen Mobilfunk findet das wichtigste Branchentreffen in Barcelona statt. Computerspiel-Fans tingeln zur Tokyo Game Show, der E3 nach Los Angeles oder der GamesCon in Köln.

Konzerne, die weiter mit einem großen Auftritt auf der Cebit auf sich aufmerksam machen, sehen das anders. "Wir reiten keinen toten Gaul", sagt Fujitsu-Deutschlandchef Bernd Wagner. Intel-Europa-Chef Christian Morales erklärt: "Es ist eine Messe, die man nicht verpassen kann." Und Microsoft -Deutschlandchef Achim Berg betont: "Es wächst doch alles zusammen - da ist es eine Illusion zu glauben, dass die kleinen Messen das Gesamtspektrum abdecken können."

Langfristig wird die Branche stark wachsen, da sind Experten einig. Das Fraunhofer Institut ISI rechnet damit, dass sie 2030 fast genauso viel umsetzt wie der Maschinenbau. Auf kurze Sicht sind allerdings laut Bitkom keine Sprünge zu erwarten. "2010 ist ein Übergangsjahr", sagt Präsident Scheer. Für dieses Jahr rechnet er mit Stagnation, für 2011 aber mit einem Plus der Erlöse um 1,6 Prozent auf 142 Milliarden Euro.

Zu wenig ökologisch?
Kritik an der Messe kommt von Umweltverbänden. "Green IT" friste weiter ein Nischendasein, eine verständliche Verbrauchskennzeichnung der Produkte sei nicht in Sicht. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), die Deutsche Umwelthilfe (DUH), der Deutsche Naturschutzring (DNR), das Öko-Institut und der ökologische Unternehmerverband B.A.U.M. sähen den Trend zu übergroßen 3D-Fernsehern und -Monitoren sowie zu leistungshungrigen Spiele-Computern mit Sorge, erklärten sie am Samstag. Außerhalb der Ausstellungsfläche auf der "Cebit" für sogenannte "Green-IT-Lösungen" spiele Energieeffizienz kaum eine Rolle. Immer mehr Elektronik in Haushalten und Büros sorge für mehr Stromverbrauch und mehr Klimagifte.

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