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Nachtkritik

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Festspiele: "Carmen" als Zitterpartie

Gleich zu Beginn die „bad news“: Der litauische Bass Kostas Smoriginas sang schon das Auftrittslied des Stierkämpfers Escamillo in der gestrigen Carmen-Premiere in Salzburgs Großem Festspielhaus derart miserabel, dass man befürchtete, die Vorstellung würde bald abgebrochen.

Erst nach der Pause war der Grund dafür klar: Der bemitleidenswerte Sänger hatte eine Allergieattacke und musste sich daher in der zweiten Hälfte der Aufführung von Massimo Cavalletti (er singt den Marcello in der Bohème) stimmlich doubeln lassen. Das heißt: Er spielte weiter, und sein Kollege sang.

Ähnliches war heuer schon bei einer Salzburger Bohème-Vorstellung (Jonas Kaufmann sang für Piotr Beczala) passiert!

Jonas Kaufmann singt wie der junge Domingo
Abgesehen von diesem bedauerlichen Vorfall gibt es (fast) nur Gutes über diese Carmen zu berichten. Sir Simon Rattle musizierte mit den Wiener Philharmonikern schwungvoll und voller Leidenschaft.

In der bunten, tänzerischen Inszenierung der englischen Choreografin Aletta Collins, die leider durch eine hässliche naturalistische Ausstattung (Buether/Dalton) verunstaltet wurde, war die rotblonde Mezzosopranistin Magdalena Kožená ein Gegenentwurf zur Standard-Carmen.

An ihr war alles hell, ihre Haut, ihre Augen, ihr Haar – und ihre Stimme: ein leuchtender Mezzosolitär mit strahlender Höhe und samtener Mittellage.

Jubel
Der bayerische Startenor Jonas Kaufmann als gewaltbereiter Sergeant Don José steigerte sich in seiner Leidenschaft zum Killer, der die Frau tötet, die er liebt.

Schon nach der Blumenarie gab es für ihn Ovationen. Kaufmann, der sich zurzeit in stimmlicher Bestform befindet, singt – das war spätestens bei der gestrigen Carmen vielen klar – wie der junge Domingo!

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