Interview

"Bei uns fliegen oft die Fetzen"

"Wir bewegen uns in einem Grenzbereich der Satire“, sagen Dirk Stermann und Christoph Grissemann über die harten Pointen, für die sie in der ORF-Talkshow Willkommen Österreich berühmt sind.

Zuletzt gab’s Kritik
Die Blödelei über eine schwere Krankheit, den Lungenhochdruck, finden die Komödianten selbst nicht mehr gut: „Das ist uns passiert, denn eigentlich ging es hier um Fendrich und Ambros. Wir wollen aber nicht, dass Menschen zu weinen beginnen, wenn wir einen Witz machen.“

Bei einer anderen Rabiatpointe („Wo ist der Sniper, wenn man ihn braucht?“ in Richtung Strache und Sarrazin) sehen sie aber keinen Anlass für Reue: „Das ist Satire, ein uralter Witz!“

Im ÖSTERREICH-Gespräch reden die Import-Wiener (Stermann, bald 46, stammt aus Duisburg, Grissemann, 45, aus Innsbruck) über ihre neue Show, die jetzt im Wiener Rabenhof-Theater herauskommt. Dort soll es vergleichsweise sanft zugehen: „Wir versuchen 
einen Blödelabend.“
 

Show: »Wie Farkas und Waldbrunn«

ÖSTERREICH: Worum geht’s in Ihrer neuen Show?
Christoph Grissemann: Es geht um Stermann, der ein sehr selbstentblößendes Theaterstück geschrieben hat. Im Charlotte-Roche-Stil, mit allen sexuellen Details. Ich bin der Störenfried und zerstöre sein Stück, weil ich es qualitativ nicht ertrage. Das ist der Plot. Gespickt mit 160 funktionierenden Witzen, die wir selbst geschrieben oder selbst abgeschrieben haben, aus uralten Witzbüchern.
Dirk Stermann: Das sind zum Teil Witze, die ich von meiner Oma kenne, die sie von ihrer Oma kennt. Diese Witze heute vor 18-jährigen Zuschauern zu bringen – das hat schon echten Reiz.

ÖSTERREICH: Das Programm heißt Stermann. Ist das nicht ungerecht für Grissemann?
Grissemann: Dafür sieht man mein Bild auf dem Plakat. Das von Stermann nicht. Man könnte sagen, das Ster- ist von Stermann und das -mann ist von Grissemann.
Stermann: Wir haben auch überlegt, das Programm Grissemann zu nennen, aber Stermann klingt einfach schöner. Grissemann klingt sehr hart und brutal – Stermann klingt weich und liebevoll.

ÖSTERREICH: Kabarett ist meistens politisch. Gilt das auch für Stermann?
Stermann: Nein. Was wir versuchen, ist ein Blödelabend, so in der Tradition von Farkas und Waldbrunn. Da sind zwei Herren im besten Alter auf der Bühne, blödeln miteinander und ärgern einander.
Grissemann: Die Götter Farkas und Waldbrunn sind natürlich nur schwer zu erreichen. Aber an Michael Niavarani und Viktor Gernot sind wir knapp dran.

ÖSTERREICH: Woher wissen Sie vor der Premiere, welche Pointen gut ankommen?
Stermann: Um das herauszufinden, haben wir Voraufführungen gehabt, in München, Innsbruck und Salzburg. Natürlich ist das Programm erst da so richtig entstanden. Von Pointen, die schon einmal belacht wurden, haben wir die meistbelachten in der Show gelassen. Man könnte also sagen, wir sind alternde Humor-Prostituierte, die es auf der Bühne auch ohne machen.
Grissemann: Wir sind die Huren des Humors. Ich war ja gegen die Voraufführungen, aber dadurch habe ich gemerkt, dass die Show ein Lachschlager ist.

ÖSTERREICH: Sie sind ein deutsch-österreichisches Duo, das in beiden Ländern Erfolge feiert. Woran liegt’s?
Stermann: Grissemann hat es sehr leicht in Deutschland, denn die Deutschen lieben es, wenn Österreicher reden. Sie finden das sehr charmant. Andererseits empfinden die Österreicher den bundesdeutschen Tonfall eher als schnarrend und schrecklich. Dass ich in Österreich arbeiten kann, das liegt an der Akzeptanz durch Penetranz: Wenn man eine lange Zeit einfach nicht weggeht, dann wird man irgendwann hingenommen, so wie der Gatsch beim Regen.

ÖSTERREICH: Streiten Sie viel?
Grissemann: Ja. Zwischen uns fliegen oft die Fetzen, und das ist auch notwendig. Es darf nie ständige Harmonie da sein, für mich zumindest. Stermann ist ja sehr harmoniesüchtig. Aber ich versuche immer, da einen Keil hineinzutreiben und ihn zur Weißglut zu bringen. Das ist ein wichtiger Motor für den Humor.

ÖSTERREICH: Haben Sie auch schon an Trennung gedacht?
Grissemann: Stermann könnte auch als Buchautor existieren, weil er sehr viele Bücher verkauft. Ich bin eher auf ihn angewiesen als er auf mich. Aber noch musste ich die Entlassungspapiere nicht unterschreiben.

Autor: Gunther Baumann
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