Herbert Grönemeyer zündete am Donnerstag in der Stadthalle sein Hit-Feuerwerk im beeindruckenden Akustik-Setting und wurde zwischen den leisen Tönen wieder sehr laut: „Hätte nicht gedacht, dass ich in meinem Leben noch einmal für die Demokratie eintreten muss!“
„Die Rechten mit ihrer Hetze, mit ihrem brutalen, unmenschlichen Gerede von Remigration, Gerede von Homogenisierung von Gesellschaft. Wir haben was anderes zu tun, als uns mit diesem Mist zu beschäftigen! Wir halten das so lange aus, bis diese ganze Gehetze und die furchtbaren Rechten wieder in ihren Löchern verschwinden, die Klappe halten und uns endlich in Ruhe lassen!“ Herbert Grönemeyer wurde am Donnerstag in Wien bei seiner leisen Unplugged-Show „mittendrin – akustisch“ wieder sehr laut. „Ich werde bald 70 und hätte nicht gedacht, dass ich in meinem Leben noch einmal für die Demokratie eintreten muss!“
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„Keinen Millimeter nach rechts!“ Grönemeyer wird bei Unplugged-Show in Wien laut
Eine eindringliche Brandrede für die Demokratie, die von 15.000 Fans und VIPs wie Christina Stürmer in der randvollen Stadthalle mit Ovationen gefeiert wurde; Grönis Ansage „Keinen Millimeter nach Rechts!“ ja sowieso. Die brisanten politischen Töne als mahnendes Highlight einer Show der Emotionen. Auf einer inmitten der Fans aufgebauten Rundumbühne tobte er Gröni zu ewigen Hymnen wie „Halt mich“, „Mensch“ oder „Was soll das“ drei Stunden (!) lang wie ein Derwisch im Kreis herum. Sein legendärer, etwas unbeholfener Ausdruckstanz inklusive. „Meine Stimme ist bedient. Dafür tanze ich ganz ausgezeichnet“, entschuldigte er sich schon früh für seine leichte Heiserkeit. „Zuletzt in Dortmund war es so kalt in der Halle.“ Egal, ein Sängerknabe wird er ohnedies nicht mehr. Dafür der König der Herzen. Und sogar des Schmähs. „Ich habe auch einen Tanz erfunden. Als Konkurrenz zum Opernball. Den Schulterwalzer!“
Mit lässiger Leichtigkeit und viel Spielwitz spannte Grönemeyer in Wien bei seinem auch schon 63. Österreich-Konzert (!) einen musikalisch beeindruckenden Bogen zwischen Rock („Alkohol“), Party-Hymnen („Mambo“), Schmusepop („Flugzeuge im Bauch“) und Ethno-Klängen („Unfassbarer Grund“). Dabei waren oft bis zu 40 Musiker auf der Bühne - Band, 20-köpfiger Chor und großes Streicher-Ensemble. Alleine die Vorstellung dauerte gefühlte 15 Minuten. Auch egal, so spannend klang Gröni noch nie!
Für „Bochum“ zog er wieder den Hut vor Österreich („Du bist keine Weltstadt so wie Wien“) und mischte textlich auch wieder die Kicker der Austria Wien ein. Bei „Männer“ griff er zur sogar Mandoline („Wann ist ein Mann ein Mann? Wenn er Mandoline spielen kann. Oder Flöte.“) und bei „Doppelherz“ brach er eine Lanze für die Migranten. „Das sind Menschen wie du und ich und es ist widerlich, wenn man ihnen das Leben hier verbieten will.“
Dazu zog er für „Alkohol“ hände-abklatschend durch die euphorisierte Menge. Da war die Stimmung am Siedepunkt: „Das ist ja kaum auszuhalten. Leiwand und zauberhaft. Völlig irre. Alter Schlappe. Ihr tragt einen auf Händen. Das ist eine Wiener Liebeswucht!“
Um die sollte sich um 22.29 Uhr ins Unermessliche steigern, denn gab’s dann als 11. Zugabe (!) das ganz große Highlight. Die Österreich-Hymne „Ich hab dich lieb“. Die spielt er ja nur bei uns und unter minutenlangen Ovationen: „Ich weiß gar nicht wie ich mich dafür bedanken soll.“ 15.000 Fans hatten angesichts dieses epochalen Abends ähnliche Gedanken. Ein Konzert für die Ewigkeit.