Udo Jürgens:

Interview zum TV-Finale

Udo Jürgens: "Mein Leben forderte Opfer"

"Im Film habe ich meine Jugend noch einmal erlebt", so Udo Jürgens. In ÖSTERREICH verrät er, wie er den jungen Udo heute sieht und warum er die Zukunft nicht vorausplant.

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ÖSTERREICH: Am Freitag läuft der zweite Teil von „Der Mann mit dem Fagott“ im ORF. Ein besonderes Geburtstagsgeschenk?
Udo Jürgens: Auf jeden Fall! Ich war zwölf Jahre mit Buch und Film beschäftigt. Das Ergebnis zu sehen, ist für mich überwältigend. Ich kann den Film inzwischen fast auswendig. Den heutigen Abend werde ich aber mit Freunden und meiner Familie verbringen. Wir werden eine schöne Flasche Wein oder Champagner aufmachen und ein bisschen feiern.

ÖSTERREICH: Im Film blicken Sie auf Ihr bisheriges Leben zurück. Was wird die Zukunft bringen?
Jürgens: Ich bin niemand, der lange vorausplant. Ich werde nie ein Abschiedskonzert machen, nie ein Abschiedslied schreiben. Das ist alles Koketterie mit dem Schicksal – und damit kokettiert man nicht. Solange ich die Kraft und Lust habe, werde ich meinen Beruf weiter ausüben. Und das mit Begeisterung.

ÖSTERREICH: Sie haben mit dem Musikerleben also noch lange nicht abgeschlossen?
Jürgens: Auf keinen Fall. Ich bin unendlich glücklich, dass ich mir die zweifellos nicht immer glänzende, sondern auch mit Bitternis behaftete Zeit des Altwerdens auf diese Weise veredeln und verschönern kann. Die nächsten Jahre werden sehr hart, für jeden, der in dieses Alter kommt. Aber ich kann sie mir durch das, was ich tue, selbst erleichtern und wunderschön machen.

ÖSTERREICH: Wie sieht der heutige Udo Jürgens den jungen Sänger aus dem Film?
Jürgens: Natürlich habe ich Fehler gemacht. Als mir Gitta vor drei Jahren einen Stoß Briefe gegeben hat, die ich ihr geschrieben habe, habe ich beim Lesen geweint. Da habe ich erst gemerkt, wie wichtig mir diese Frau war. Ich habe sie vergöttert und geliebt. Aber mit 20 hat man andere Dinge im Kopf, als sich fest zu binden. Gott sei Dank haben wir das nicht gemacht. Längst hätten wir alles zerstört, was zwischen uns war, auch den Zauber.

ÖSTERREICH: Würden Sie aus heutiger Sicht etwas ­anders machen?
Jürgens: In meinem Alter hat man Enttäuschungen erlebt und anderen welche zugefügt. Natürlich hat man da einen anderen Zugang zum Leben, ist nicht mehr so der Sturm-und-Drang-Mensch wie in jungen Jahren. Man begreift, dass die Liebe das größte Gefühl ist, zu dem ein Mensch fähig ist. Aber man muss dazu stehen, wie Lebenswege so sind. Wenn jemand etwas geschaffen hat, ein besonderes Lebenswerk, erfordert das immer Opfer. Der Besessene opfert sein Privatleben, seine Partner, die Dinge, die ein Leben gemütlich und beschaulich machen.

ÖSTERREICH: Gibt es ein Lied, das Sie gerne aus Ihrem Lebens-Soundtrack streichen würden?
Jürgens: Viele. Zu meinen Anfängen hatte der Künstler nichts zu sagen. Da hat alles die Produktion entschieden. Es war schrecklich für mich. Zum Glück bin ich zu dieser Zeit noch nicht so groß geworden. Sonst wäre ich heute ein längst vergessener Schlagersänger.
 

TV-Kritik: Familien-Saga statt Udo-Portrait

Wo Udo draufsteht, ist auch Udo drin? Ja, aber nicht nur. So mancher mag verwundert gewesen sein, dass der Sänger zum Start von Der Mann mit dem Fagott fast nur als Randfigur vorkam. Doch genau das hat Jürgens gewollt. „Ich bin nicht so wichtig, dass es einen Film geben muss“, befand er im Interview.

Der Mann mit dem Fagott ist keine Udo-Biografie, sondern eine klassische Familiensaga, die die Geschichte dreier Männer erzählt: die von Udo, seinem Vater und seinem Großvater. Ein Film, der sich über zwei Weltkriege bis in die Jetzt-Zeit spannt, familiäre Hintergründe schildert und eben den Aufstieg eines jungen Sängers.
Vielleicht ist Der Mann mit dem Fagott an manchen Stellen etwas (zu) pathetisch geraten, doch peinlich muss er Jürgens in keinem Fall sein. Großartig David Rott, der den jungen Udo von Mimik bis Klavierspiel täuschend echt nachahmt.
Übrigens für alle Fans: Im zweiten Teil rückt Udos eigene Geschichte in den Vordergrund.

Autor: Astrid Hofer
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