Immer mehr Flüchtlinge lassen sich taufen

Kirche erfreut

Immer mehr Flüchtlinge lassen sich taufen

Die Flüchtlingswelle wirkt sich merklich auf die Zahl der Erwachsenentaufen aus. Die Erzdiözese Wien verzeichnet einen starken Anstieg: Mehr als doppelt so viele Anwärter als im Vorjahr erhielten nach der verordneten Vorbereitungszeit die Zulassung zur Taufe. Die größten Gruppen bestanden dabei aus konvertierenden Muslimen aus dem Iran und Afghanistan.

Taufbewerber müssen um Familie fürchten

Die Erzdiözese berichtete am Freitag in einer Aussendung von einem "sprunghaften Anstieg" bei erwachsenen Taufwerbern. 254 Frauen und Männer nahmen am Donnerstag an der Zulassungsfeier mit Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn in Wien teil. 2016 waren es nur 121. Bei der Zulassungsfeier erhalten die Taufbewerber ("Katechumenen") nach einer mindestens einjährigen Vorbereitungszeit ("Katechumenat") die bischöfliche Erlaubnis zur Taufe.

Die einjährige Frist und Richtlinien für Taufwerber waren vor einem Jahr aufgrund der Nachfrage von den christlichen Kirchen verordnet worden, da sich immer mehr Asylwerber aus islamisch geprägten Ländern taufen lassen wollen. Die Feier am Donnerstagabend fand aus Diskretionsgründen nicht öffentlich statt, da nicht wenige Taufbewerber, vor allem aus dem Iran, Repressalien gegen ihre Angehörigen zuhause fürchten, sollte ihr Übertritt zum Christentum bekannt werden.

"Großer und bewegender Tag"

Kardinal Schönborn sprach bei der Feier von "einem großen und bewegenden Tag für die Kirche von Wien". Dass heute 254 Menschen sagten, "dass sie Christus nachfolgen und in seiner Gemeinschaft leben wollen", sei "auch ein Ruf an uns - die wir das Glück und Privileg haben, von Kind an im Glauben aufzuwachsen, aber vielleicht vergessen haben, wie kostbar das ist".

"Noch nie hatten wir in unserer Diözese eine so große Zahl Erwachsener, die getauft werden wollen", erklärte die Leiterin des Erwachsenenkatechumenats der Erzdiözese Wien, Friederike Dostal. "Die Freude ist groß." Von den 255 Katechumenen aus 19 Nationen haben rund 80 Prozent islamischen Hintergrund, die meisten der anderen Taufwerber sind ohne Religion aufgewachsen.

Die Taufen selbst finden in den kommenden Monaten in den Pfarren und Gemeinden statt. Während die Erwachsenentaufen stark angestiegen sind, stagniert laut Erzdiözese die Zahl der Kindertaufen. Für heuer werden rund 9.000 erwartet.

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