24. Jänner 2010 22:12
Vorurteile sind Geschwister der Unwissenheit. Deshalb setzt Entführungsopfer
Natascha Kampusch große Hoffnung in die TV-Doku „3.096 Tage Gefangenschaft“,
die heute gleich auf zwei Sendern läuft (21 Uhr ARD, ab 21.50 Uhr auf ATV):
„Ich wünsche mir, dass Menschen nach der Sendung zu einem natürlichen Umgang
mit mir finden.“
Soll heißen: Dass nach der endgültigen Klärung ihres Kriminalfalls vor zwei
Wochen jetzt auch Schluss ist mit dem Gemauschel, sie habe nicht immer die
Wahrheit gesagt, sei zuletzt gar Partnerin und nicht Gefangene ihres
Kidnappers Wolfgang Priklopil gewesen.
Vertrauen gefasst
Weil sie zum früheren Kriminalbeamten Peter
Reichard Vertrauen fasste, zeigte Natascha seinem Filmteam erstmals ihr
Verlies. Und im Interview mit Reichard öffnet die mittlerweile 21-Jährige
ihr Herz wie noch nie seit ihrer Befreiung: Natascha spricht über ihr
Schicksal vom Tag der Entführung bis zur Flucht, über den Sonderling
Priklopil, der ihr die Jugend geraubt hat, über ihre Ängste und Schmerzen.
Erstaunlich: Auch Priklopils einst engster Freund Ernst H., gegen den lange
ermittelt wurde, stellt sich der Kamera unmaskiert.
ATV-Redakteur Martin Thür hat die Doku mitbetreut und ist sicher: „Das
Mitleid mit Natascha wird jedes Gerede verstummen lassen.“ Und: „Die Bilder
aus dem Haus sind unvergesslich. Priklopil hat wie ein Spießer gewohnt – mit
Waldmotiv als Fototapete und Mahagoni-Schrank – aber im Keller hatte er ein
entführtes Kind.“ Für ATV wurden die Überleitungstexte von Burgschauspieler
Frank Hoffmann neu aufgesprochen. Nach der Doku werden Kampusch-Anwalt Georg
Ganzger, Soko-Leiter Kurt Linzer und Nataschas Vater Ludwig Koch
diskutieren. Spannend bis zuletzt: Ob die Hauptdarstellerin dazukommt.