Killer-Keim wird immer gefährlicher

Zwei neue Fälle in Österreich

Killer-Keim wird immer gefährlicher

Zwei neue Fälle in Österreich, 18 Todesopfer in Deutschland, Tausende Infizierte, Krankheitsfälle in neun Ländern: Der Darm-Erreger EHEC zieht in Europa immer weitere Kreise. Wo der Keim seinen Ursprung hat, ist allerdings noch völlig unklar. Obst, Gemüse, Fleisch – alles ist möglich. Nur spanische Gurken wurden als Quelle ausgeschlossen. Fest steht: Alle EHEC-Fälle stehen in einem Zusammenhang mit Deutschland – die Erkrankten sind Deutsche oder waren dort zu Gast.

Neuer Stamm gefährlicher
Gestern, Donnerstag, dann der nächste Schock: Wissenschafter entdeckten, dass der EHEC-Keim mutiert ist. Laut WHO handelt es sich beim identifizierten Bakterium um eine Kreuzung zweier E.-coli-Bakterien, die völlig neu ist. „Dieser Stamm ist bei Menschen noch nie isoliert worden und weist mehr Merkmale auf, die Giftstoffe produzieren“, so Lebensmittelexpertin Hilde Kruse von der WHO. „Das Besondere bei diesem Keim ist, dass er ein Gen aufweist, das bisher auf EHEC-Erregern nicht aufgetreten ist“, sagt Pamela Rendi-Wagner, Generaldirektorin für öffentliche Gesundheit in Österreich. Das neu identifizierte Gen stamme von einem anderen E.-coli-Bakterium, das normalerweise bei Durchfallerkrankungen in Entwicklungsländern vorkommt, so Rendi-Wagner.

Reinhard Burger vom Robert-Koch-Institut: „Ich gehe davon aus, dass die Infektionsquelle aktiv ist.“ Dass das Erbgut des Todeskeims bekannt ist, lässt Experten zumindest auf baldige Aufklärung hoffen.

Österreich: bisher 4 Fälle
In Österreich ist die Situation noch unter Kontrolle. Bis Donnerstag gab es vier bestätigte Fälle – zwei Deutsche waren auf Radreise in Oberösterreich. In Tirol kamen gestern Abend zwei neue Fälle hinzu (siehe rechts). Reinhard Würzner, Immunologe an der Universität Innsbruck, warnt im ÖSTERREICH-Interview: „Es sieht so aus, als wenn wir den Keim über den Mund aufnehmen. Ein Anstieg der Infizierten ist auch bei uns zu erwarten.“

Entwarnung gibt es hingegen in Niederösterreich: Der mit EHEC-Verdacht eingelieferte 24-Jährige trägt den Keim nicht in sich.

Die einzige Hoffnung auf ein baldiges EHEC-Ende sind die Erkrankten selbst: Sie sollen sich an jene Lebensmittel erinnern, die sie in den letzten Tagen gegessen haben. Burger: „Es ist wie die Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen.“

Frau und Kind in Tirol an EHEC erkrankt

Jetzt sind auch in Tirol zwei EHEC-Fälle aufgetreten. Betroffen sind ein Bub aus dem Unterland und eine Frau aus Deutschland. Reinhard Würzner, Immunologe und EHEC-Experte von der Uni Innsbruck: „Diese Fälle gelten als bestätigt.“

Deutsche schwer erkrankt
Die deutsche Touristin hat es besonders schlimm erwischt. Am letzten Tag ihres Osttirol-Urlaubs sind bei ihr Beschwerden aufgetreten. Die Tests am Innsbrucker Hygiene-Institut ergaben: Die Frau ist mit dem neuen, besonders aggressiven Bakterium infiziert.

„Durch dieses neue Gen kann das Bakterium leichter und stärker an der Darmwand haften“, erklärt Würzner. „Dadurch kann mehr Toxin aufgenommen und im Körper freigesetzt werden. Das Toxin schädigt die Nieren und führt zu einer Überaktivierung eines Teils des Immunsystems.“ Die Frau wird derzeit im Krankenhaus in Lienz (Osttirol) behandelt.

Tiroler Bub geht’s besser
Der zweite Fall ist etwas glimpflicher verlaufen. Die Infektion ist bei dem Buben zufällig entdeckt worden. Er hat sich „nur“ mit dem alten, immer wieder auftretenden und harmloseren EHEC-Erreger angesteckt und konnte das Krankenhaus schon wieder verlassen.

Das Bakterium ist vermutlich über ein Lebensmittel übertragen worden. Reinhard Würzner ruft nach den neuen Fällen zu besonderer Hygiene auf. Es bestehe aber kein Grund zur Panik, da es sich um keine Tröpfchen­infektion handle.

(prj)

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