EHEC

"Killer-Keim": Die Gurke ist unschuldig

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Neue Analyse: Verdacht war "Banane". Quelle von Epidemie ist unbekannt.

Kurz nach 14 Uhr war alles Banane. Da verkündete Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks: Die spanische Gurke ist nicht die Ursache dafür, dass inzwischen schon 16 Menschen in Deutschland und Schweden an dem gefährlichen EHEC-Bakterium gestorben sind.

Damit heißt es zurück an den Start: Wieder einmal weiß niemand, was den Keim in halb Europa derzeit verbreitet.

Rückrufaktion in Österreich wäre nicht nötig gewesen
Vergangenen Donnerstag gab es erste Indizien: Die spanische Gurke wurde als Träger des EHEC-Erregers ausgemacht. Jährlich werden auch rund 9.433 Tonnen des Gemüses aus Spanien nach Österreich importiert.

Am Sonntag wurde dann auch der Kampf in Österreich gegen den „Killer-Keim“ aufgenommen: In gleich 33 Bio-Supermärkten wurden Gurken, Tomaten und Melanzani aus Spanien aus dem Verkehr gezogen. Wohl zu Unrecht, wie sich jetzt herausstellte. Klar ist: Auf den zwei Proben vom Hamburger Großmarkt wurden zwar EHEC-Erreger festgestellt, aber eben nicht jener Typ (0104), der für die Epidemie verantwortlich ist.

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75 Prozent weniger Gemüse wird verkauft
Seitdem herrscht unter den Experten wieder völlige Ratlosigkeit. Denn: Es ist nicht nur völlig unbekannt, wer der Träger des Bakteriums ist – auch über die Quelle herrscht weiter Rätselraten. Üblicherweise kommen die EHEC-Bakterien im Darm von Schafen oder Kühen vor und gelangen so über Düngung in die Nahrungskette. Aber: Auch verseuchte Milch-, Käse- oder Fleischprodukte können den Erreger verbreiten.

Schon seit Tagen wehrt sich Spanien: EHEC sei nicht bei ihnen, sondern erst in Deutschland aufs Gemüse gekommen. Der Schaden jedenfalls ist enorm. Der Handel mit Gurken brach ein, ganze Ernten müssen vernichtet werden. 200 Millionen Euro kostet der „Gurkensalat“ – pro Woche. Jetzt wollen Spaniens Bauern von der EU Entschädigung.

Auch den Österreichern ist die Lust auf Gemüse vergangen: Laut dem größten österreichischen Gemüseproduzenten, LGV-Frischgemüse, werden 75 Prozent weniger Gemüse verkauft als vor der Krise.
 

Hoffnung durch neues Medikament

Hunderte Patienten liegen derzeit mit EHEC-Viren in deutschen Spitälern und für all jene gibt es nun einen ersten Hoffnungsschimmer: Eculizumab. Jener Wirkstoff könnte nun endlich den Durchbruch in der EHEC-Therapie bringen.

Bisher nämlich war diese kaum möglich: Einen Impfstoff gegen die Bakterien gibt es nicht, auch die Behandlung mit Antibiotika war höchst problematisch, denn hierbei setzten die EHEC-Keime gefährliche Giftstoffe frei, die zum Teil erheblich das umliegende Gewebe zerstören konnten.

Enorme Kosten
Eculizumab dagegen wirkt anders: „Es greift nicht die Bakterien selbst an, sondern hemmt die Aktivierung des Komplementsystems, womit bei den Patienten Gewebe- oder Gefäßerkrankungen aufgehalten werden könnten“, erklärt Günter Weiss, Internist von der Uni Innsbruck. „Der Wirkstoff könnte positive Auswirkungen haben.“

Aber: Eculizumab ist nicht speziell für die EHEC-Behandlung entwickelt worden. Noch fehlen also Testreihen und: Die Behandlung ist teuer. Eine Dosis kostete mehrere Tausend Euro.

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