Natascha: Fall Kampusch neu aufgerollt

Endspurt im U-Ausschuss

Natascha: Fall Kampusch neu aufgerollt

Am Montag befragt der geheime Stapo-U-Ausschuss die letzten beiden Zeugen, dann wird am Endbericht gefeilt. Fix: Der Fall wird neu aufgerollt.

Endspurt für den geheimen Stapo-U-Ausschuss im Parlament zur Causa Kampusch: Heute, Montag, werden die Ausschuss-Mitglieder die letzten beiden geladenen Zeugen befragen. Jenen Arzt, der 2006 die Leiche von Wolfgang Priklopil obduziert hatte und den federführenden Sonderermittler der Soko Burgenland. Seit Dezember wurden damit neun Zeugen befragt, darunter die Ex-Kampusch-Evaluierungskommisions-Mitglieder Rzeszut und Adamovich sowie die Staatsanwälte Mühlbacher, Kronawetter und Spitzer.

Enges Zeitfenster
„Nach den Einvernahmen wird mit der Konzeption des Endberichts begonnen“, sagt ein Ausschuss-Mitglied zu ÖSTERREICH. Das ehrgeizige Ziel: Möglicherweise noch Ende dieser Woche, also vor den Osterferien, soll die Endfassung stehen. „Es wird zeitlich ganz knapp. Sollten wir aber einen gemeinsamen Termin während der Plenartage finden, könnte es sich ausgehen“, sagt ein anderes Ausschuss-Mitglied.

Zwei Berichte
Der Bericht wird unter der Führung des Ausschuss-Vorsitzenden Werner Amon (ÖVP) vollendet. Amon bezweifelte vor Wochen die Einzeltäter-Theorie, sprach von Ermittlungspannen und nicht beachteten Zeugenaussagen – mithilfe des FBI als beratendes Organ soll der Fall nun neu aufgerollt werden. Aufgrund der vielen vertrauenswürdigen Informationen wird der Bericht für die Justiz detaillierter als jener für die Öffentlichkeit.

Diashow Fall Kampusch spaltet das Land

Toni Faber, Dompfarrer: "Gebt Natascha endlich Ruhe"

„Ich kann die ewigen Artikel und Fernsehberichte über den Fall Kampusch nicht mehr ertragen. Jedes Mal denke ich mir: Wie geht Natascha Kampusch damit um, dass sie immer wieder mit denselben Fragen konfrontiert wird? Man sollte diese junge Frau, die derart viel erleiden musste, endlich in Ruhe lassen. Der Täter ist vor dem göttlichen Gericht gestanden und nach seiner Buße wird er seinen Frieden gefunden haben.“

Werner Tomanek, Star-Verteidiger: "Gibt nichts mehr zu ermitteln"

„Wenn sämtliche Hypothesen im Fall Kampusch einen wahren Kern hätten, dann wäre Natascha Kampusch sicherlich daran interessiert, dass die Wahrheit ans Licht kommt. Der Fall wurde umfassend von der Justiz und der Polizei geprüft. Es gibt nichts mehr zu ermitteln und man sollte endlich den 
Deckel über diesem Fall 
zumachen.“

Martina Fasslabend, Möwe-Chefin: "Normales Leben für Natascha"

„Ich bin der Meinung, dass man Natascha Kampusch endlich in Ruhe lassen sollte. Durch die neuen Verschwörungstheorien verlängert man nur ihr Leid. Ich gehe davon aus, dass von der Polizei das Bestmögliche unternommen wurde, um die Wahrheit zu finden. Ich plädiere dafür, dass Natascha Kampusch endlich das Recht und die Möglichkeit bekommt, in ein normales Leben zurückzukehren. Sie war acht Jahre in Gefangenschaft, aber ihre Opferrolle ist noch immer nicht zu Ende, weil der Fall noch immer nicht geschlossen ist.“

Rainhard Haller, Psychiater: "Ausländ. Experten für Aufklärung"

„Wichtig wäre eine emotionsfreie Debatte, die sachlich erfolgt und mit kühlem Verstand – das ist aber nicht möglich. Alles muss auf den Tisch und der Fall muss neu aufgerollt werden. Aber es braucht ausländische Experten für die Aufklärung. Natascha macht sehr viel mit. Wenn sie in die Öffentlichkeit geht, heizt sie den Fall aber wieder neu an.“

Rudolf Mayer, bekannter Anwalt: "TV-Interview nicht günstig"

„Die Debatte wird in Österreich mittlerweile so emotional geführt, dass es besser wäre, wenn ausländische Experten den Fall Kampusch objektiv betrachten würden. Diese Lösung würde zu einer Beruhigung der Situation beitragen. Ich bezweifle, ob es günstig ist, dass Natascha jetzt ein TV-Interview gegeben hat.“

Rotraud Perner, Psychiaterin: "Auch andere Wahrheit"

„Es ist für viele Menschen unvorstellbar, dass es außer der öffentlichen Wahrheit noch eine andere Wahrheit geben kann.“

Karl Kröll, Aufdecker: "Fall Kampusch noch nicht gelöst"

„Natascha ist ein armes Mädchen, aber der Fall ist noch nicht gelöst.“

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Autor: J. Prüller
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