24. März 2010 11:57
Gegen das oberösterreichische Stift Kremsmünster (Bezirk Kirchdorf) ist ein
neuer Missbrauchsvorwurf aufgetaucht: Der Villacher evangelische Pfarrer
Jürgen Öllinger spricht gegenüber dem Evangelischen Pressedienst von
sexuellen und tätlichen Übergriffen. "Ich bin als Kind in der Klosterschule
Kremsmünster körperlich und seelisch missbraucht worden."
"Dazu gibt es keine Gerechtigkeit"
Von "Vorwürfen"
wolle er nicht sprechen, es gehe darum, festzuhalten, was passiert sei, so
Öllinger. "Um Fakten, um sexuelle Übergriffe und tätliche Übergriffe auf
mich selbst und auf Schulfreunde, die ich miterlebt habe." Dass es auch
andere gebe, die Worte finden, hätte dazu geführt, dass er es selbst wage,
hinzuschauen und zu sehen, was unter keinen Umständen verschwiegen werden
dürfe.
Um "Gerechtigkeit" könne es nicht gehen, so Öllinger. "Die gibt es dazu
nicht." Vielmehr will der Pfarrer "Aussöhnung in der Auseinandersetzung von
einem geistlichen Lehrer zum anderen". Von Abt Ambros Ebhart erwartet er
Schritte, dass es zu einem Vieraugengespräch mit dem Täter komme. Dort könne
ausgesprochen werden, "was nur ihn und mich etwas angeht". "Ich erwarte auch
theologisch ein Gegenüber, das weiß, wie man mit schwerer Schuld umgeht",
erklärte der Pfarrer.
Bis jetzt "individuelles Fehlverhalten"
Unterdessen
haben Absolventen und ehemalige Schüler des Stiftsgymnasiums den "Dialog für
Kremsmünster" gestartet, der sich der Aufarbeitung und Dokumentation des
Systems hinter den Vorwürfen widmet. Bis jetzt gehe man von "individuellem
Fehlverhalten" aus, die strukturellen Bedingungen für das Entstehen von
Missbrauch und Gewalt würden aber nicht beleuchtet, so die Initiatoren in
einer Presseaussendung. Es brauche einen breit angelegten Dialogprozess, es
sei hilfreich, dass dieser nicht von klosternahen Personen begonnen und
durchgeführt werde.
Nachdem Fragen gesammelt worden sind, sollten sie in einer Veranstaltung vom
Stift beantwortet werden, schwebt den Initiatoren vor. Danach seien eine
wissenschaftliche Aufbereitung der gewonnenen Informationen und eine
Präsentation in der Öffentlichkeit geplant. Dabei sollten auch konkrete
Maßnahmen vorgestellt werden - im Hinblick auf das Gedenken und im Sinn der
Prävention. Eine Themen-und Fragensammlung aus der bisherigen Diskussion
findet sich auf der Website http://www.dialog-fuer-kremsmuenster.at.