Schweinegrippe-Welle erfasst Österreich

Grippewelle

© Pauty

Schweinegrippe-Welle erfasst Österreich

Die Schweinegrippe hat Österreich in vollem Ausmaß erreicht. Derzeit sei die Daten-Auswertung noch im Gange, man könne allerdings bereits von einer ausgebrochenen Grippewelle sprechen, die durch das neue H1N1-Virus verursacht wurde, erklärte Virologie-Experte Franz X. Heinz, Vorstand des Klinischen Instituts für Virologie der Medizinischen Universität Wien, am Dienstagvormittag.

Alles, was Sie über die Schweinegrippe wissen müssen

"Wir haben einen starken Anstieg der positiven Fälle", sagte er. Dieser sei seit einigen Tagen beobachtbar. Bemerkbar macht sich die Ausweitung der Schweinegrippe nach wie vor besonders in Schulen. In der Stadt Salzburg wurden am Dienstag ein Kindergarten und erneut eine Schulklasse wegen zahlreicher Schweinegrippe-Fälle gesperrt. Betroffen sind die Volksschule Leopoldskron/Moos und ein Kindergarten in der Elisabeth-Vorstadt. Die Maßnahme bleibt bis einschließlich kommenden Montag aufrecht. Damit sind derzeit drei Schulklassen und ein Kindergarten in der Mozartstadt geschlossen.

"Kein Ende der Welle"
"Das Ende der Erkrankungswelle ist noch keinesfalls erreicht. Wir werden mit weiter ansteigenden Erkrankungsfällen zu rechnen haben, auch wenn wir uns um eine nachhaltige Eindämmung bemühen", sagte Vbgm. Harald Preuner (V), der für das Amt für öffentliche Ordnung zuständig ist.

Auch in Horn in Niederösterreich ist eine erste Klasse der Krankenpflegeschule gesperrt worden, weil ein Schüler positiv auf den H1N1-Virus getestet wurde. Vier Lehrer seien ebenfalls krank, man wisse aber noch nicht, "was sie haben", so Alfred de Martin, NÖ Landessanitätsdirektor. Zudem seien laut einem Bericht des ORF Niederösterreich im Gymnasium Neunkirchen zwei Kinder an Schweinegrippe erkrankt. Weitere Verdachtsfälle habe es in der HLW Biedermannsdorf, im Gymnasium Biondekgasse in Baden, in der Landesberufsschule Waldegg, in der HLW Frohsdorf, im Gymasium Sacre-Coeur Pressbaum und in der HTL St. Pölten gegeben. Hier laufe der Schulbetrieb laut ORF NÖ aber weiter. Aus den Kindergärten gab es bisher noch keine Meldung.

Österreich mit besserem Impfstoff als Deutschland?
In Vorarlberg bleibt neben der Hauptschule Lustenau-Kirchdorf, die am Montag für eine Woche wegen zahlreicher Schweinegrippe-Fälle zugemacht wurde, nun auch eine Klasse an der Lustenauer Volksschule Rotkreuz geschlossen. Bis Dienstagmittag lagen in Vorarlberg 120 bestätigte Fälle der pandemischen Grippe vor, die Fallzahl erhöht sich laut Auskunft der Gesundheitsbehörden stündlich. Zudem dürfte es eine größere Dunkelziffer geben. Derzeit befindet sich kein Kranker in stationärer Behandlung.

In Tirol berichtete man unterdessen über Impfanfragen aus dem bayrischen Grenzraum. Im Nachbarland halte sich hartnäckig die Information, dass Österreich einen "besseren Impfstoff als Deutschland habe", teilte das Land Tirol mit. Nicht in Österreich versicherte Personen dürften aber laut einem Erlass des Gesundheitsministeriums nicht geimpft werden.

Keine schweren Fälle
Neue schwere Krankheitsverläufe wurden in Tirol am Dienstag nicht bekannt. Der Intensivpatient aus Südtirol an der Universitätsklinik Innsbruck befand sich weiterhin in künstlichem Tiefschlaf. Er werde mit der Beatmungsmaschine versorgt, sagte ein TILAK-Sprecher. Zusätzlich waren zwei weitere Personen mit einer H1N1-Infektion in stationärer Behandlung. Seit Montag wurden 68 Neuerkrankungen verzeichnet, wonach es in Tirol bisher insgesamt 302 Schweinegrippefälle gab.

Im Burgenland gibt es bisher 47 Fälle mit milden Verlauf. Auch bei den 147 in Niederösterreich registrierten Fälle gab es keine Komplikationen. In Kärnten sind derzeit 46 Personen, die an Schweinegrippe erkrankt sind, im elektronischen Meldesystem registriert. Am Dienstag gab es fünf neue Verdachtsfälle. Die Krankheitsverläufe sind mild, alle Patienten befinden oder befanden sich in häuslicher Pflege. "Es gibt keinen nachgewiesenen A(H1N1)-Patienten, der intensivmedizinisch betreut wird", bestätigte Elisabeth Oberleitner.

Ministerium ändert Behandlungsstrategie
Bedingt durch die rasche Zunahme an Erkrankungen ändert das Gesundheitsministerium die Behandlungsstrategie bezüglich der neuen A(H1N1)-Influenza: Mit dem Ausrufen der Grippewelle wurde im Rahmen der höchsten Pandemie-Alarmstufe 6 von Mitigation Stufe 1 auf Stufe 2 umgestellt. Im wesentlichen bringt dies kleine Änderungen bei Tests, Meldepflicht und Behandlung mit sich. "Wir haben uns auf diese prognostizierte Welle an Influenza-Erkrankungen bestmöglich vorbereitet", betonte Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ).

Häftlinge werden geimpft
Am Dienstag ist im Strafvollzug eine Impfaktion gegen das H1N1-Virus angelaufen. "Wir zählen sicherlich zur Risikogruppe", erklärte dazu Vollzugsdirektor Karl Drexler. Mindestens zwei Justizwachebeamte sind bereits an der Schweinegrippe erkrankt - in beiden Fällen haben sich die Betroffenen bei Reisen ins Ausland angesteckt. Einem wurde ein Urlaub auf Mallorca zum Verhängnis.

In den Gefängnissen selbst sind noch keine Krankheitsfälle aufgetreten. "Meines Wissens gibt es derzeit keinen Häftling, bei dem das Virus nachgewiesen wurde", sagte Drexler. Die Impfung wird den Bediensteten auf freiwilliger Basis angeboten. Der Zuspruch sei "durchwachsen", berichtete der Vollzugsdirektor. Helene Pigl, die Leiterin der Justizanstalt Wien-Josefstadt.

Nur punktuell Wartezeiten
In Wien ist die Impfaktion gut angelaufen. Große Teile der Bevölkerung ließen sich impfen. "Alleine am gestrigen ersten Tag der Impfaktion gegen die neue Influenza konnten in Wien rund 4.600 Personen geimpft werden", sagt der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses, SPÖ-Gemeinderat KR Kurt Wagner. "Dabei kam es punktuell zwar zu etwas längeren Wartezeiten. Beim Impfservice der Stadt Wien in Town Town am Thomas Klestil Platz gibt es aber aktuell Wartezeiten von nur fünf Minuten", weist Wagner Kritik der Opposition zurück.

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