05. Februar 2010 09:55
In Österreichs Bergen herrscht in vielen Gebieten Lawinenwarnstufe 3. Bei
dieser "erheblichen" Gefahrenlage passieren 45 Prozent der
tödlichen Unfälle, sagte Bernhard Anwander von der Vorarlberger
Landeswarnzentrale. Am Donnerstag starben
fünf Wintersportler durch Lawinen. Ein Tourengeher (40) aus Gaming
in NÖ wurde am Freitag in Lackenhof am Ötscher (Bezirk Scheibbs) tot
geborgen.
Nach dem Mann hatte es zuvor im sogenannten Grünloch eine groß angelegte
Suchaktion gegeben. Im Einsatz standen 73 Bergretter, fünf Mitglieder der
alpinen Einsatzgruppe der Polizei, zwei Hundeführer sowie ein Mitglied des
Kriseninterventionsteams des Roten Kreuzes. Auch ein Black Hawk des
Bundesheeres war angefordert worden. Mit dem Hubschrauber wurden laut
Bergrettung Such- und Orientierungsflüge durchgeführt.
Erhebliche Lawinengefahr
In den meisten Bergregionen Österreichs
galt am Freitag Warnstufe 3: In Vorarlberg waren Schneebrettauslösungen
bereits durch einzelne Wintersportler möglich. Mit der Erwärmung im
Tagesverlauf und durch die Föhnverwehungen sollte sich die Gefahr noch
erhöhen. Unterhalb von 1.700 Metern waren spontane Nass- und
Gleitschneelawinen möglich. In weiten Teilen Tirols wurde die
Lawinensituation als "unverändert heikel" bezeichnet. Im
Norden herrschte "allgemein erhebliche Lawinengefahr".
Alle Infos zum Wetter
hier!
Auch in Oberösterreich mahnten Experten zur Vorsicht: Bereits bei geringer
Belastung könne man ein Schneebrett lostreten. In manchen Lagen war auch die
Selbstauslösung von kleineren und mittleren Lawinen noch möglich. Im
Bundesland Salzburg blieb die Lawinengefahr erheblich (Stufe 3), ausgenommen
war der Lungau, wo sie mäßig (Stufe 2) war. Schneebretter konnten bereits
bei geringer Belastung brechen.
In der Obersteiermark wurde das Risiko von "groß" auf "erheblich"
zurückgestuft, auch hier wurde von Touren abseits der gesicherten Pisten
abgeraten. In den westlichen Gebirgsgruppen in Niederösterreich bestand
ebenfalls erhebliche Lawinengefahr. Das galt für die Ybbstaler und Türnitzer
Alpen, aber auch für das Gebiet Rax-Schneeberg. Die Situation bleibe am
Wochenende angespannt.
Erheblich bis mäßig
"Mäßig" (Stufe
2 von fünf) war die Einschätzung des Lawinenwarndienstes für den Großteil
der Kärntner Berge. Eine Ausnahme waren die Hochlagen, dort war die Gefahr
doch erheblich.
Abfahrten abseits der Pisten seien derzeit "nicht empfehlenswert",
sagte Bernhard Anwander: "Angesichts der Unfälle der vergangenen Tage
müsste einem aber schon der Hausverstand sagen, hier defensiver zu sein."
Heimtückischer Schwimmschnee
"Der Untergrund ist faul",
lieferte der Lawinenreferent der Bergrettung Oberösterreich, Heli
Steinmassl, eine Erklärung für die starke Lawinengefahr in den Nordalpen.
Grund sei eine heimtückische Schicht Schwimmschnee direkt über dem Boden,
auf die große Mengen Neuschnee gefallen sind und die das Abrutschen von
Schneemassen begünstigt. Daher werde die Gefahr den ganzen Winter über wohl
aufrechtbleiben. "Es ist für mich der schlimmste Winter bisher",
so der Experte.