Aufstand gegen 
Fritzls Häuser

Baupläne in NÖ

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Aufstand gegen 
Fritzls Häuser

Niederösterreich. Auf den ÖSTERREICH-Bericht über Josef Fritzls Millionen-Coup aus der Zelle gab es am Samstag heftige Reaktionen. Zahllose Anrufer machten in der Redaktion ihrer Fassungslosigkeit Luft, dass der Jahrhundertverbrecher (vertreten durch seinen Masseverwalter und „Konsenswerber“, Rechtsanwalt Dr. Walter Anzböck) am Donnerstag die Bewilligung für ein Großprojekt bekam:

Profit. Der zu lebenslanger Haft verurteilte Mörder und Sklavenhalter seiner Tochter darf in der Waidhofner Straße 68 in Amstetten eine Wohnanlage mit 13 Reihenhäusern und ein Bürogebäude samt Tiefgarage errichten. Ungewiss ist noch, ob der 74-jährige Gruselgreis selbst vom Bauvorhaben profitiert (oder seine Opfer und Gläubiger). Glasklar ist dafür: Mit dem positiven Bescheid wurden alle Nachbarn der künftigen Großbaustelle überrumpelt, die seit Jahren mit guten Argumenten gegen die Pläne kämpfen – und die behördliche Sympathie für Fritzl nicht verstehen.

Zuspruch. Aber durch das Echo auf den ÖSTERREICH-Bericht fühlen sie sich wenigstens nicht mehr allein gelassen. Anrainer Otto Popp: „Plötzlich drängen sich bei uns Reporter. Und wir bekommen Zuspruch aus dem ganzen Land, den Bescheid nicht einfach so hinzunehmen.“

Rätsel. Tatsächlich ist das Abnicken des Fritzl-Projekts durch Amstettens Stadtbaudirektor Manfred Heigl und Bürgermeister Herbert Katzengruber rätselhaft – und das aus mehreren Gründen:

Denn zum einen schreibt die niederösterreichische Bauordnung vor. dass sich neue Gebäude „harmonisch in die Umgebung einfügen“ müssen. In der Waidhofner Straße stehen schmucke Villen und Einfamilienhäuser aus altem Bestand. Fritzls Bürogebäude wird glasverspiegelt, die Tiefgarage ein hässlicher Zweckbau. Allerdings hat Fritzl seinen Antrag bereits 2006 gestellt – und die aktuelle Bauordnung wurde erst sieben Monate später beschlossen. In Kenntnis der Bürokratie hätte sich aber wohl trotzdem ein Haken finden lassen.

Übergangen. Zum anderen wurden Einwände von einem Dutzend Nachbarn (etwa Familien Popp, Haider und Berger) weggewischt, denen der Neubau Licht, Sonne und Freiraum nimmt, weil er ihren Grundstücken unangenehm nahe kommt.

Und zum Dritten schließlich wird spannend, was in der genehmigten Tiefgarage passiert, wenn der nahe Mühlbach – wie oft – wieder über die Ufer tritt. Anrainer Otto Popp: „Wir legen auf jeden Fall Klage gegen die Bewilligung ein. Wenn es sein muss, bis zum Obersten Gerichtshof.“

Autor: Wolfgang Höllrigl
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