28. April 2008 08:02
28.8.1984: Der erste Tag im Keller
Das jahrelange Schreckens-Martyrium von E. (42) beginnt mit ihrem elften
Lebensjahr: Seither soll sie der mutmaßliche Täter, ihr eigener Vater,
sexuell missbraucht haben. Am 28.8. setzte er dann seinen teuflischen Plan
um: Der Verdächtige lockt seine Tochter in den Keller, betäubt sie und
sperrt sie mit Handschellen gefesselt in einen Raum ein. Seither gilt das
Mädchen als abgängig. Etwa einen Monat nach ihrem Verschwinden trifft bei
den Eltern ein Brief ein, indem die 18-Jährige ersucht, nicht nach ihr zu
suchen. Was keiner weiß: Für E. hat ein Alptraum begonnen, der 24 Jahre
dauern wird.
19.5.1993: Baby L. wird gefunden
Am 19. Mai 1993 wird ein neun Monate altes Mädchen im Mehrparteienhaus der
Familie gefunden. Dabei liegt ein Brief, aus dem hervorgeht, dass E. bereits
eine Tochter und einen Sohn hat. Diese dürfte sie in den Jahren 1988 bis
1990 geboren haben. Die beiden leben seit ihrer Geburt bei der Mutter im
Verlies.
Die vermeintlichen Großeltern beantragen bei der Jugendwohlfahrt Amstetten
eine Adoption des gefundenen Mädchens, die rund ein Jahr später bewilligt
wird. Zwischenzeitlich wird das Kind wegen eines Herzfehlers operiert.
15.12.1994: Baby M. entdeckt
Am 15. Dezember 1994 wird im Haus in Amstetten ein weiteres Kind "gefunden",
ein zehn Monate altes Mädchen. Josef F. beantragt das Sorgerecht. Seit 1995
befindet sich das Mädchen in sogenannter Verwandtenpflege.
24.12.1994: Der Fluchtversuch
Eine Woche nach der Geburt gelingt E. die Flucht aus dem Verlies. Aber: Ihr
Vater findet sie und steckt sie wieder in den Keller zurück.
3.8.1997: Baby A. ist da
An der gleichen Stelle wird drei Jahre später, am 3. August 1997, ein 15
Monate alter Bub "entdeckt". Auch der Bub kommt in
Verwandtschaftspflege bei den vermeintlichen Großeltern. Ein
Zwillingsgeschwisterchen des Buben stirbt einige Tage nach der Geburt
mangels entsprechender Versorgung - die Leiche verbrennt Josef F. im
hauseigenen Heizofen.
16.12.2002: Noch ein Sohn
In einem vermutlich im Jahr 2003 verfassten Brief berichtet E., am 16.
Dezember 2002 einen weiteren Sohn auf die Welt gebracht zu haben.
19.4.2008: Opfer im Krankenhaus
Erste Schritte am Weg in die Freiheit gibt es für E. und drei ihrer Kinder -
ein heute Fünfjähriger, ein 18-Jähriger sowie eine vermutlich 19-Jährige, im
April 2008 durch einen "dramatischen Vorfall": Die junge Frau wird
schwerst krank. Daraufhin drängt E. ihren Vater, die Tochter in das Spital
zu bringen.
Der Verdächtige lässt sich erweichen: Am Samstag, dem 19. April 2008, wird
die bewusstlose K. laut dem mutmaßlichen Täter im Wohnhaus der Großeltern in
Amstetten "abgelegt" - eine Lüge, wie sich später herausstellt.
Das Mädchen wird in das Landesklinikum Amstetten eingeliefert. Bei ihr
findet sich ein Brief, in dem die 42-Jährige um Hilfe für ihr Kind bittet.
In den folgenden Tagen starten Medienaufrufe an die Mutter: Sie solle sich
melden, um der Tochter möglicherweise das Leben zu retten. E. nimmt in ihrem
Verlies einen solchen Aufruf im Fernsehen wahr und drängt ihren Vater und
Peiniger, sie ins Krankenhaus zu bringen. Josef F. willigt ein und tischt
dieses Mal seiner Ehefrau die Geschichte auf, dass die verschollen geglaubte
Tochter plötzlich mit zwei weiteren Kindern wieder aufgetaucht ist.
26.4.2008: Täter wird verhaftet
Am 26. April 2008 werden Josef F., E. und zwei Kinder aufgrund eines
Hinweises nach einem Spitalbesuch bei der vermutlich 19-Jährigen von der
Polizei abgefangen. Der Mann wird in Haft genommen. Bei den Beamten dürfte
E. plötzlich "ihr Fenster in die Freiheit" gesehen haben und
vertraut sich schließlich den Polizisten an, wie Oberst Franz Polzer, Leiter
des Landeskriminalamtes Niederösterreich (LK NÖ) am Montag darauf in einer
Pressekonferenz bekanntgibt.
27.4.2008: Das Verlies wird entdeckt
Einen Tag später, am 27. April, verrät Josef F. den Exekutivbeamten, wie sie
in das abgesicherte Gefängnis gelangen können. Die Polizisten öffnen das
Verlies: Kein Sonnenlicht dringt in die mehreren schmalen Räume, die
teilweise nur etwa 1,70 Meter hoch sind. Sanitäre Einrichtungen, ein
Fernseher und eine Kochnische gibt es, in zwei Zimmern Schlafgelegenheiten.
Zu Beginn dürfte E. nur ein Raum zur Verfügung gestanden sein - offenbar
dafür war am 31. Oktober 1978 eine "Errichtung eines
unterkellerten Zubaus" genehmigt worden.
28.4.2008: Geständnis des Josef F.
Am 28. April 2008 legt der 73-jährige Josef F. ein Geständnis ab. "Er
ist im Wesentlichen geständig, schwächt aber in Details ab",
berichtet Chefinspektor Leopold Etz vom Landeskriminalamt Niederösterreich.
Er wird ans Gericht überstellt, wo am 29. April über ihn U-Haft verhängt
wird.
14.3. 2009: Der Monster-Prozess startet