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Spionage-Skandal bei Wiener Atom-Gipfel

Wien

Spionage-Skandal bei Wiener Atom-Gipfel

US-Außenminister John Kerry hatte eine Vorahnung: Bei den Atomgesprächen im November 2014 in Wien verließ er zu heiklen Telefongesprächen stets das noble Luxushotel Palais Coburg am Ring. Abgeschirmt von Bodyguards telefonierte er am Spielplatz im nahen Resselpark.

Die Vorsicht war begründet: Sowohl das Wiener Palais Coburg als auch das Genfer Beaurivage, in dem die Atomgespräche fortgesetzt wurden, waren Ziele einer Spionageattacke. Die Top-Verhandler wurden bespitzelt. Die Schweizer Bundesanwaltschaft ermittelt bereits. Auch in Wien prüft der Verfassungsschutz, bestätigt Ministerin Mikl-Leitner: „Die Behörden gehen den Vorwürfen nach.“

Der Verdacht: Offenbar wurden mith Hilfe eines Spionagevirus alle Computer, Telefone, Lifte und Alarmanlagen in den Luxushotels verwanzt. In der Schweiz fand bereits am 12. Mai eine Hausdurchsuchung statt. Dabei wurde heikles IT-Material beschlagnahmt.

Steckt Israels Geheimdienst hinter Attacken?

Supervirus
Ins Rollen gebracht hat hat die Spionageaffäre die russische Sicherheitsfirma „Kaspersky Lab“. Sie hat den komplexen Computervirus „Duqu 2.0“ entdeckt. Bei dieser Software ist es fast unmöglich festzustellen, wann sie eingesetzt wird. Sie versteckt sich im Arbeitsspeicher, schreibt keine Daten auf Festplatten, übermittelt aber ständig alle Daten. Laut Kaspersky habe sich die Spionage aber nicht nur auf Hotels beschränkt. Zumindest 100 Ziele wurden überwacht.

Agententhriller
Wer hinter den Cybperattacken steckt, ist noch offen. Laut „Wall Street Journal“ könnte die Spionagesoftware aus Israel stammen. Tzipi Hotovely, stv. israelische Außenministerin, dementierte sie: „Das entbehrt jeglicher Grundlage“, sagte sie.

Internet-Experte Joe Pichlmayr im Talk
»Es sind noch mehr Trojaner im Umlauf«

ÖSTERREICH: Wie sehr hat Sie die Nachricht über die Angriffe überrascht?

Joe Pichlmayr: Gar nicht. Schon vor acht Jahren ist ja mit großem Aufwand damit begonnen worden, Nuklear-Anreicherungsprogramme massiv anzugreifen. Man musste damit rechnen, dass es auch ein Interesse an den weiteren Gesprächen zu dem Thema gibt.

ÖSTERREICH: Wie hätte man sich denn vor der Attacke schützen können?

Pichlmayr: Man hätte die Verhandlungen gar nicht online organisieren dürfen, hätte die Gespräche ganz „old fashioned“ abhörsicher hinter verschlossenen Türen stattfinden lassen müssen.

ÖSTERREICH: Kann man denn ausschließen, dass derzeit noch weitere Trojaner im Umlauf sind?

Pichlmayr: Nein, denn es sind weitere im Umlauf. Sie werden nicht weniger, sondern mehr.

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