240 Kindern droht heuer Abschiebung

Ausweisungs-Flut

240 Kindern droht heuer Abschiebung

Flughafen Pristina, Kosovo. Die Chartermaschine aus Wien ist gelandet. Augustin Komani und seine beiden achtjährigen Zwillingstöchter Daniella und Dorentinya werden vom Flugzeug abgeholt, zur Airport-Polizei gebracht. Formalitäten werden erledigt.

Routine für die Beamten. Ein Albtraum für die Kinder. Sie sind in Österreich herangewachsen. Besuchten hier die Schule. Sechs Jahre haben ihre Eltern Vera und Augustin gehofft, dass die Behörden ihren Asylantrag akzeptieren werden und sie in ihrer Wahlheimat Österreich bleiben können.

Der Antrag wurde abgelehnt. Wie im Fall Arigona. Jetzt erfolgte die endgültige Abschiebung. Ein finaler Akt der Brutalität, der ganz Österreich erzürnte. Die psychisch kranke Mutter blieb in Wien zurück. Ist im Spital. Sie wird in den Kosovo „nachgeschickt“, sobald ihr Gesundheitszustand es zulässt.

240 Kinder müssen 2010 Österreich verlassen
Für die Familie Komani war die brutale Abschiebung ein Schock. Für das österreichische Innenministerium ist das Abholen , Einsperren und Abschieben von Asylanten-Familien Alltag:

  • l Im Schnitt werden pro Monat rund 200 Personen abgeschoben. Bis August waren es 1.667. In vielen Fällen sind aufwendige Polizeieinsätze nötig, die „Abschiebetrupps“ kommen meist überfallsartig in den frühen Morgenstunden.
  • l 65 Prozent der Abgeschobenen sind Familien (Mutter, Vater, drei Kinder). Im Schnitt werden 26 Familien pro Monat ausgewiesen. Bis zum Jahresende müssen somit rund 240 Kinder mit ihren Eltern Österreich verlassen.
  • l Die meisten Familien, deren Asylanträge abgewiesen werden, kommen aus der Russischen Föderation (Tschetschenien), Kosovo, Georgien, Serbien und der Türkei (Kurden).
  • l Flüchtlinge aus dem afrikanischen Raum und Asien sind größtenteils alleinstehende Männer.
  • l Die meisten negativen Asylbescheide hatten 2009 Flüchtlinge aus der Russischen Föderation (1.486), Nigeria (759), Afghanistan (736), dem Kosovo (529), Serbien (636), Georgien (630) und der Türkei (627).

Nur 1.170 Asylwerber kehrten im ersten Halbjahr 2010 freiwillig in ihre alte Heimat zurück.

„Wir sind auf Urlaub“, erzählte der Vater
Wie ein Neustart der jetzt in den Kosovo abgeschobenen Familie aussehen könnte, kann niemand sagen. Die Mutter der beiden Mädchen liegt in Wien im Spital: „Sie weiß noch gar nicht, was passiert ist“, sagt ihre Rechtsberaterin Karin Klaric zu ÖSTERREICH. Auch die Kinder kennen die ganze dramatische Wahrheit noch nicht.

Vater Augustin hat es noch immer nicht übers Herz gebracht, den Kindern alles zu erzählen: „Sie sitzen in Pristina und glauben, dass sie auf Urlaub gefahren fahren sind“, sagt Karin Klaric.

Erst nach und nach werde man den beiden Mädchen vorsichtig erzählen können, dass sie nie wieder zu ihren Freunden nach Österreich zurückkehren dürfen.

Autor: K. Nagele, K. Wendl
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