Asylwerber:

Flüchtlings-Streik in Wien

Asylwerber: "Darum hungern wir in Kirche"

Lokalaugenschein: Wie geht es den 40 Flüchtlingen, die in der eiskalten Votivkirche seit Tagen hungern? Was sie fordern, was die Politik sagt.

Votivkirche, Mittwoch, 14 Uhr: Securitys bewachen die Eingänge, drinnen, im Eck rechts vom Altar kauern 40 Flüchtlinge zwischen Decken, Schlafsäcken und Matratzen. Es ist eiskalt, es hat vielleicht zwei Grad. Zehn Tage lang sind die Asylwerber schon im Hungerstreik, einige verweigerten anfangs sogar zu trinken. Die Männer aus Pakistan, Afghanistan, Marokko und Algerien frieren, sind geschwächt. Sie sind verzweifelt, doch niemand hört ihnen zu.

"Wir wollen arbeiten"
„Wir wollen legal in Österreich bleiben und arbeiten“, sagt Mir Jahangir (25) aus Pakistan zu ÖSTERREICH. „Das Asyl-System ist schlecht, sie zerstören uns unsere Zukunft. Wir wollen eine Chance.“ Neben ihm steht Alinnawab Swat, auch aus Pakistan. In gebrochenem Englisch erklärt er: „Ich will einen Job hier. Ich verlange nach einer Lösung für alle.“ Die Gesichter der beiden wirken eingefallen, viele sind schon krank: Sieben mussten bereits kurz ins Spital, täglich werden die Beschwerden ernster. Einmal täglich kommen Ärzte vorbei, versorgen die Männer mit Elektrolyten und Vitaminen: „Wir versuchen, die Lage unter Kontrolle zu halten, Erkältungen sind im Vormarsch“, so Michael Hüpfl von den Johannitern.

Diashow Das fordern die Asylwerber:

Mir Jahangir, Pakistan

"Seit zehn Tagen hungern wir, aber niemand hört uns zu. Wir wollen legal in Österreich bleiben und ganz normal arbeiten."

Alinnawab, Swat, Pakistan

"Wir sind sechzig Flüchtlinge. Einigen von uns geht es sehr schlecht. Ich fordere eine Lösung für alle - deshalb demonstriere ich."

Khan Iftikhar, Pakistan

"Das Asyl-System in Österreich ist schlecht für uns. Sie bringen uns um unsere Zukunft. Wir wollen hier einfach arbeiten."

Salaheddine Najah, Marokko

"Die Polizei-Räumung war doch nur eine Einschüchterungsaktion. Wir wollen gehört werden."

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Mikl-Leitner: Dialog mit Flüchtlingen
„Wir wollen ein Gespräch mit der Ministerin“, fordert Salaheddine Najah (29) aus Marokko. Mittwoch wurde sein Wunsch erfüllt. Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) traf vier Flüchtlinge. In der Sache bleibt die Ministerin aber hart: „Es gibt keine Änderung des Asylwesens und kein Bleiberecht für alle“, sagt sie zu ÖSTERREICH. Die Flüchtlinge werten die Gesprächsbereitschaft der Ministerin positiv, bleiben aber weiterhin in der Votivkirche.
 

"Ich stehe zur Camp-Räumung"

ÖSTERREICH: Sie haben die Flüchtlinge zum Dialog geladen…
Johanna Mikl-Leitner: Vier Flüchtlinge und ein Vertreter der Caritas waren bei mir im Ministerium. Damit haben wir ein Signal gesetzt, dass wir Einzelschicksale ernst nehmen. Ich habe mir alle ihre Forderungen angehört.

ÖSTERREICH: Was ist das Fazit?
Mikl-Leitner: Ich habe klar gemacht, dass die Forderungen wie Stopp aller Abschiebungen oder Bleiberecht für alle nicht erfüllt werden. Es gibt keine strukturellen Änderungen im Asylsystem.

ÖSTERREICH: Haben Sie von der Räumung des Camps durch die Polizei gewusst?
Mikl-Leitner: Ich wurde über die Entscheidung der Stadt Wien und der Polizei informiert, ich stehe hinter dieser Entscheidung.

Autor: Jochen Prüller
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