Demos und Blockaden

Demos und Blockaden

Bologna-Feiern von Studenten gestört

Gegen 21:30 Uhr blockierten am Donnerstagabend Demonstranten gegen die Bologna-Konferenz an der Ecke Walfischgasse/Kärntnerstraße zwei Shuttle-Busse. Die Polizei trug die Protestierenden weg bzw. drängte sie mit einem Großaufgebot ab. Der für 21:30 Uhr geplante Beginn der Jubiläums-Konferenz hat sich daraufhin verzögert. Mehrere Teilnehmer konnten nicht rechtzeitig zum Veranstaltungsort in der Hofburg gebracht werden. Zuvor hatten Demonstranten bei der Oper zwei Busse blockiert, die Polizei hatte die Aktion nach kurzer Zeit allerdings aufgelöst.

Organisationsprobleme
Vor dem Burgtheater formierte sich vor den Einsatzkräften eine Menschenkette mit Dutzenden Demonstranten.

Bei den versuchten Straßenblockaden anlässlich der Jubiläumskonferenz "Zehn Jahre Bologna-Prozesse" dürfte es Probleme bei der Organisation gegeben haben. "Die Organisatoren haben versagt", so eine an der Planung beteiligte Studentin. Der Zug von rund 150 Menschen irrte mehrere Stunden lang ziellos durch die Wiener Innenstadt. Ursprünglich hätte diese Gruppe das Hotel blockieren sollen, in dem ein Großteil der Konferenzteilnehmer untergebracht sein soll.

Die Demonstrantengruppe hatte kurzzeitig Sitzblockaden nahe des Schwedenplatzes errichtet. Danach zogen sie wieder über den Ring in Richtung des Hauptgebäudes der Universität Wien.

Tanzende Ring-Blockade
Zu einer rund 15-minütigen Blockade des Rings vor der Staatsoper ist es gegen 20:15 Uhr nach der Abschlusskundgebung gekommen. Circa 150 Personen blockierten tanzend und trommelnd den Ring, es kam zu kurzfristigen Wortgefechten mit Autofahrern. Die Polizei griff ein, als ein Einsatzfahrzeug ebenfalls blockiert wurde, einige Demonstranten wurden weggetragen, der Rest beendete kurz danach die Blockade freiwillig.

Marsch zur Hofburg
Mehrere tausend Teilnehmer waren am Nachmittag vom Westbahnhof über die Mariahilfer Straße, die ehemalige Zweierlinie und die Ringstraße gezogen, um gegen das neue Bologna-Studiensystem und die Jubiläumskonferenz zu zehn Jahren Bologna-Prozess am Donnerstag und Freitag in Budapest und Wien zu demonstrieren. Die Polizei sprach von rund 3.200 Personen, die Organisatoren gehen von 10.000 bis 12.000 Teilnehmern aus.

Ohne Zwischenfälle
Die Demo verlief laut Polizei ohne Zwischenfälle. Beim Parlament veranstalteten mehrere 100 Personen einen mehrminütigen Flashmob, rannten die Rampe hinauf und enthüllten ein Transparent mit der Aufschrift "Quo Vadis?".

Die Demonstranten schwenkten Transparente wie "Morbus Bologna. Widerstand schützt", "Burning University. Make Bologna History", "Fick die Uni, fick den Staat, fick Kapitalismus", "Finanzspritze gegen Bildungsgrippe", "Dichter und Denker statt Bachelor und Banker" oder einfach "Bologna stinkt". Dazu gab es Live-Musik von einem Lastwagen, Clowns tanzten um die zahlreich vertretenen Einsatzkräfte. Vor der Abschlusskundgebung sangen die Demonstranten dem Bologna-Prozess ein ironisch gemeintes Geburtstagsständchen.

Sitzstreik vor Hofburg
Aus dem Ausland reiste eine rund 300-köpfige italienische Delegation an, auch Schweizer Unis waren zahlreich vertreten. Auch einige Mittelbau-Vertreter österreichischer Unis mischten sich unter die Demonstranten.

Uni nur vorübergehend besetzt
Die Besetzung von Räumen des Neuen Institutsgebäudes der Uni Wien war nur von kurzer Dauer. Die rund 300 Studenten, die am Mittwochabend den Hörsaal 1 und weitere Räume in Beschlag genommen hatten, waren Donnerstag Früh wieder freiwillig abgezogen. Alle Vorlesungen fanden regulär statt.

Kurz vor Mitternacht hatten die Anwesenden noch beschlossen, den Hörsaal nur dann zu räumen, wenn das Rektorat schriftlich versichert, dass die Studenten trotz der Besetzung die Räume am Campus im Alten AKH (Wien-Alsergrund) nutzen dürfen, die ihnen für ihren Bologna-Gegengipfel zugesprochen worden waren. Nun hieß es: "Wir gehen davon aus, dass das Rektorat kooperativ ist."

Konferenz in Budapest gestartet
Mit der Aufnahme von Kasachstan als 47. Mitgliedsland im Bologna-Prozess hat am Donnerstag die Jubiläums-Konferenz begonnen. "Der gemeinsame europäische Hochschulraum ist jetzt Realität, die Chancen für junge Menschen stehen im Mittelpunkt der Bologna-Idee", betonte Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (V) bei der Eröffnung.

Für Karl ist der gemeinsame Hochschulraum "ein Eckpfeiler der Zukunft Europas und damit auch unserer Länder". Mit der Aufnahme Kasachstans wachse der Hochschulraum weiter, für Karl "ein klares Signal, dass die Idee von Bologna weiter lodert und immer mehr Länder Feuer und Flamme für den Wissensstandort Europa sind". Man müsse weiter an Kritikpunkten arbeiten, aber zugleich auch die großen Chancen in den Vordergrund stellen, die dieses einzigartige Projekt eröffne.

"Der Bologna-Prozess hat bedeutend mehr Vorteile gebracht als Probleme verursacht", erklärte der ungarische Bildungsminister Istvan Hiller. Die positiven Auswirkungen würden in den kommenden Jahrzehnten spürbar werden. Für die deutsche Bundesbildungsministerin Annette Schavan hat der europaweite Hochschulreformprozess "enorm viel bewegt".

Der "Bologna-Prozess" hat die Schaffung eines europäischen Hochschulraums bis 2010 zum Ziel. Der Grundstein dafür wurde im Jahr 1999 gelegt, als die Bildungsminister von 29 europäischen Ländern die Bologna-Erklärung unterzeichneten, darunter auch Österreich. Die augenscheinlichste und fast alle Studenten betreffende Änderung durch den Bologna-Prozess betrifft die Studienstruktur und damit die Abschlüsse. Anstelle des zweigliedrigen Diplomstudiums (Abschlüsse im Regelfall Magister und Doktor) tritt in den meisten Fächern das dreigliedrige Bachelor/Master/PhD-System.

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