Aufdecker im Interview

Geheimdienstkrimi: Pilz ortet FPÖ-Putsch

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Peter Pilz, der Aufdecker der Nation, über den Geheimdienst-Skandal.

ÖSTERREICH: Wie beurteilen Sie die BVT-Affäre?

Peter Pilz: Der Skandal  besteht eigentlich aus zwei Affären. Die erste beschäftigt uns seit 17 Jahren. Das ist der Missbrauch des  BVT und des Bundeskriminalamts durch die ÖVP. Das hat soweit geführt,  dass die Spitzen des Innenministeriums eigentlich außerhalb des Rechtsstaats stehen. Wir hatten  im Innenministerium seit fast zwei Jahrzehnten einen ÖVP-Minister. Politische Willkür, Missbrauch des Verfassungsschutzes und ganz enge  Kooperationen mit ausländischen Geheimdiensten,  insbesondere mit dem russischen, waren die Regel.

Es ist wichtig, dass das beendet wird. Das passiert aber nicht durch rechtsstaatliche Aufarbeitung, sondern durch einen freiheitlichen Putsch. Mithilfe einer Polizeieinheit, die dafür nicht vorgesehen ist und einen freiheitlichen Chef hat.

ÖSTERREICH: Also eine Umfärbung…

Pilz: So ist es. Kickl und sein Generalsekretär Goldgruber wollen ganz offensichtlich nicht die Rechtsstaatlichkeit wiederherstellen, sondern ein ÖVP-Innenministerium zum Freiheitlichen machen. Erst hatten wir einen ÖVP-Geheimdienst, jetzt soll daraus ein freiheitlicher Geheimdienst werden. Damit haben wir noch ein größeres Problem.

ÖSTERREICH:
Wie wollen Sie dagegen ankämpfen?

Pilz:
Das Gegenmittel heißt Parlament.  Unsere  Abgeordnete Alma Sadic und ich bereiten jetzt einen Einsetzungsantrag für einen Untersuchungsausschuss vor. Im U-Ausschuss soll beides geklärt werden: der ÖVP-Teil und der freiheitliche.  Österreich hat eine lange Tradition des politischen Missbrauchs von Polizei und Verfassungsschutz. Das  reicht vom  Ernst Strasser bis zu Herbert Kickl. Ein Streit,  wer von den beiden der Gefährlichere ist, erübrigt sich. In der jetzigen Affäre gibt es zwei Opfer: Rechtsstaat und Polizei.

ÖSTERREICH: Der abgesägte BVT-Chef Peter Gridling galt als ÖVP-Mann…

Pilz: Jeder weiß, dass Gridling nur ein Frühstücks-Direktor war. Er war nie der wirkliche Chef des Verfassungsschutzes, das war immer sein früherer Stellvertreter Wolfgang Zöhrer, der im Herbst ausgeschieden ist.

ÖSTERREICH: Was könnte in U-Ausschuss bringen?

Pilz: Alle müssen unter Wahrheitspflicht vor dem Parlament aussagen. Die Menschen in Österreich und insbesondere die Polizei haben ein Recht darauf,  endlich die Wahrheit zu erfahren, was da eineinhalb Jahrzehnte im Innenministerium passiert ist.  Die Affäre wirft ein schlechtes Licht auf diese Regierung. D  ein Regierungspartner gegen den anderen im Innenministerium putscht, hat es noch nie gegeben.

ÖSTERREICH: Hat Kanzler Kurz die Kontrolle verloren?

Pilz: Ja, vollkommen. Wir haben eine  Situation, in der ein Bundeskanzler eingreifen muss. Es geht nicht, dass  ein Nachrichtendienst im Chaos versinkt. Die Freiheitlichen planen auch noch die Machtübernahme im militärischen Geheimdienst. Gemeinsam hätten sie dann  einen riesigen Bereich, das ist eine rechtsstaatliche Notsituation.

ÖSTERREICH: Ist der U-Ausschuss auch Ihr Comeback ins Parlament?

Pilz: Es gibt noch immer ein Verfahren gegen mich bei der Staatsanwaltschaft Innsbruck. Das warte ich ab. Ich respektiere rechtstaatliche Verfahren. Aber: Ich werde ins Parlament zurückkommen, das ist keine Frage. Wenn irgendwer glaubt, dass im Parlament die Aufklärung verhindert werden kann, dann werden sie sich  täuschen. Meine Liste wird für Aufklärung sorgen.

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