Gymnasium bleibt-wird Eliteschule

Bildungs-Gipfel

Gymnasium bleibt-wird Eliteschule

Heute wollen VP-Landeshauptmann Wilfried Haslauer und SPÖ-Ministerin Gabriele Heinisch-Hosek neue Details für die Bildungsreform verhandeln. Diese sind damit betraut, das Kapitel für die Koalition zu verhandeln.

Volksschule: Neue Lese-Förderungen

Salzburgs Haslauer, in Bildungsfragen nicht immer auf schwarzer Parteilinie, hat offensichtlich Bewegung in die Verhandlungen gebracht. SPÖ und ÖVP dürften sich in wichtigen Punkten weitgehend angenähert haben. Die ÖVP will eine stärkere Förderung bereits in der Vorschule: Damit soll verhindert werden, dass weiterhin 14 Prozent der Schüler später nicht sinn­erfassend lesen können. Auch spezielle Sprachförderungen soll es ab dem 6. Lebensjahr fix geben.

Neue Mittelschule: Ausbau kommt

Mit diesen Programmen sollen mehr Kinder eine Chance auf den Aufstieg in das Gymnasium erhalten.
An diesem hält die ÖVP fest. Die Neuen Mittelschulen sollen aber ausgebaut werden und künftig zwei Drittel der Schulen ausmachen. Auch bei der Ganztagsschule ist man sich einig. Die Schulen erhalten Autonomie. Wenn 50 Prozent der Eltern für die Nachmittagsbetreuung sind, wird umgebaut.

Gymnasium: Soll Eliteschule werden

Nur bei der gemeinsamen Schule gibt es noch keine Annäherung. Die Gymnasien sollen zwar reduziert werden (auf rund ein Viertel), dafür aber intellektuell aufgerüstet und Schulen für „besonders Begabte“, so ein VP-Mann, sein. Ob die SPÖ wohl tatsächlich diesem Eliteschulen-Plan zustimmen wird? „Das würde die Kluft erweitern und den Druck auf die 10-Jährigen weiter erhöhen“, gibt sich ein roter Verhandler skeptisch.

(isa)

Schulpapst Andreas Salcher fordert: "Lehrer-Elite notwendig"

ÖSTERREICH: Die ÖVP könnte sich mit ihrer Forderung nach Elite-Gymnasien durchsetzen. Besteht da die Gefahr einer Klassenbildung?
Andreas Salcher: Die Elitendiskussion führt an der wahren Problematik vorbei und lenkt von ihr ab – die einzig sinnvolle Forderung müsste lauten: Wir brauchen eine Lehrer-Elite, die entsprechend bezahlt und ausgebildet wird. Und zwar in allen Schulen, in Pflichtschulen wie in Gymnasien. Nur dann sind wir in Bildungsfragen mit Ländern wie Kanada auf gleicher ­Augenhöhe.

ÖSTERREICH: Und hielten Sie eine Aufwertung der Gymnasiums für sinnvoll?
Salcher: Dagegen wäre nichts zu sagen – aber hier wie in der Gesamtschule gilt: Ohne pädagogische Qualitätssteigerung in jedem Klassenzimmer bleibt alles sinnlos.

(hir)

Dienstrecht für Lehrer vor dem Aus

Das leidige Thema Lehrer-Dienstrecht dürfte schon wieder aufgeschoben werden.
Seit 2003 soll ein neues Lehrerdienstrecht kommen – doch es dürfte wieder nichts damit werden. Zwar betont Beamtenministerin Gabriele Heinisch-Hosek, dass es einen Beschluss spätestens Ende 2013 geben soll. Doch danach sieht es nicht aus: Die ÖVP dürfte sich darauf verständigt haben, das Thema erneut zu verschieben.
Zuerst müsse klar sein, wie die Schulreform aussieht. Und das werde erst sein, wenn die neue Regierung steht.

Gewerkschaft will jetzt völlig neuen Entwurf
Gegenüber ÖSTERREICH lässt Lehrer-Chefverhandler Paul Kimberger zwar offen, wann das neue Dienstrecht beschlossen werden soll. Der Gewerkschafter macht allerdings klar, dass der Entwurf der Ministerinnen Gabriele Heinisch-Hosek und Claudia Schmied völlig verändert werden müsse.

Der Entwurf sieht Anfangsgehälter ab 2.400 Euro vor – allerdings müssen Junglehrer dann bis zu 24 Stunden unterrichten. Zudem können junge Lehrer fünf Jahre lang optieren, ob sie im neuen oder alten System bleiben wollen.

Gewerkschaft: "Qualität geht vor Zeitdruck"

ÖSTERREICH: Wie geht es mit dem Dienstrecht weiter?
Paul Kimberger: Ich erwarte, dass die Regierung Tausende Stellungnahmen, die großteils ja extrem kritisch sind, berücksichtigt. Der Regierungsentwurf muss also stark verändert werden. Dass man sagt, die Eckpunkte bleiben – das lasse ich nicht gelten.

ÖSTERREICH: Geht das so schnell? Soll das nicht die neue Regierung machen?
Kimberger: Ich kann mir mein Verhandlungsgegenüber nicht aussuchen. Klar ist aber: Für uns geht Qualität vor Zeitdruck.

G. Schröder

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