Mariahilfer Straße als Fußgängerzone?

Heiße Debatten

© TZ ÖSTERREICH / Pauty

Mariahilfer Straße als Fußgängerzone?

Die beiden Wiener Bezirke Neubau und Mariahilf wollen über den fußgängerfreundlichen Umbau der Mariahilfer Straße verhandeln - zumindest auf einem Teilstück der Einkaufsmeile. Den Anstoß dazu hatte der grüne Neubau-Bezirksvorsteher Thomas Blimlinger gegeben, der einen "Shared Space" forderte. Sein SPÖ-Pendant aus Mariahilf, Renate Kaufmann, zeigt sich Verhandlungen gegenüber aufgeschlossen, beharrt aber auf einer reinen Fußgängerzone. Verkehrsstadtrat Rudolf Schicker (S), bei dem die Letztentscheidung liegt, will zunächst eine Einigung auf Bezirksebene abwarten.

"Keine halben Sachen"
"Ich werde unbedingt das Gespräch suchen", zeigte sich Kaufmann im Gespräch Blimlingers Vorstoß gegenüber aufgeschlossen, auch wenn sie weiterhin für ihren Vorschlag einer generellen Umwidmung der Mariahilfer Straße in eine Fußgängerzone plädiere. Von Blimlingers Idee eines Shared Space, bei dem sich alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt im Schritttempo den öffentlichen Raum teilen, hält sie jedenfalls nichts: "Ich bin nicht für halbe Sachen."

Für eine komplette Fußgängerzone auf dem von Blimlinger genannten, rund 250 Meter langen Teilstück zwischen Ziegler- und Neubaugasse sei sie jedoch voll zu haben. Die vom grünen Bezirksnachbarn genannten 30.000 Euro für die Adaptierung des Areals seien jedoch sicher zu niedrig gegriffen. Sie rechne eher mit 300.000 Euro.

Aber auch diese seien gut investiert, zumal Vermietungen bei Leerstand auf der Mariahilfer Straße immer länger bräuchten: "Die Konkurrenz der Einkaufszentren darf nicht übermächtig werden." Deshalb sei verkehrs- und abgasfreies Einkaufen ideal. Verkehrsprobleme erwarte sie bei einer Sperrung der gesamten Einkaufsmeile für Autos nicht, da laut einer Studie aus dem Jahr 2008 rund 70 Prozent der Fahrten aus dem Nahbereich stammten: "Das ist durchaus mit der U-Bahn abzudecken."

Schicker beobachtet Debatte
Stadtrat Schicker will sich vorerst nicht in die laufende Debatte der beiden Bezirkschefs einmischen. Man nehme vorerst eine beobachtende Position ein, so ein Schicker-Sprecher. Nur soviel: "Beide Vorschläge haben etwas für sich." Allerdings müssten im Fall eines gemeinsamen Vorstoßes die Auswirkungen in Sachen Verkehrsbelastung und -sicherheit geprüft werden, bevor eine Zusage erfolgen könne. Die Kosten müssten in jedem Falle die Bezirke tragen.

Für eine Shared-Space-Variante in Reinform, also eine Verkehrsfläche ohne jegliche Markierungen und Niveauunterschiede, dürften die Chancen allerdings schlecht stehen. Schließlich sei diese Form der Nutzung gesetzlich noch nicht verankert, betonte der Stadtratssprecher. Diese Idee müsste nach dem Konzept "Straße fair teilen" umgesetzt werden, wie dies etwa schon in einem Bereich der Neubaugasse gemacht wurde. Dabei verlaufen die Flächen ebenfalls niveaulos, allerdings bekommen die Verkehrsteilnehmer etwa durch optische Bodenkennzeichen gewisse Bereiche zugeordnet, wobei der Straßenzug trotzdem beliebig gequert werden darf.

Autoverkehr eindämmen
Blimlinger kann der Idee einer gänzlichen Fußgängerzone, wie sie die rote Amtskollegin bereits 2002 schon einmal gegen seinen Widerstand gefordert hatte, weiterhin nichts abgewinnen. Dies sei aufgrund des Ausweichverkehrs nicht machbar, argumentierte er. Sein jetziger Vorstoß habe im Übrigen nichts mit der Diskussion vor Jahren zu tun.

Es gehe darum, an geeigneten Orten den Autoverkehr möglichst einzudämmen. Eine Ausdehnung auf die gesamte Mariahilfer Straße sei aber nicht denkbar, da sich ein solches Konzept nur für kürzere Abschnitte eigne. Blimlinger zeigte sich jedenfalls optimistisch, dass die Sache trotz Meinungsverschiedenheiten letztlich doch in seinem Sinn ausgehen werde.

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