Mehrheit für Ärzte-Streik

ÖSTERREICH

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Mehrheit für Ärzte-Streik

Für gehörigen Wirbel sorgt derzeit die aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Gallup im Auftrag von ÖSTERREICH. Die Bevölkerung steht demnach mehrheitlich hinter den Kampfmaßnahmen der Mediziner:

56 Prozent der Österreicher haben „Verständnis, wenn die Ärzte gegen diese Gesundheitsreform streiken“, 35 % sind gegen Streik. Besonders markant: ÖVP-Wähler befürworten mit 60 % am ehesten einen Streik. Pensionisten sprechen sich gar zu 69 % für den Streik aus. Und: Jene, die von sich behaupten, über die Gesundheitsreform besonders gut informiert zu sein, sagen zu 59 % „Ja zum Streik der Ärzte“.

44 Prozent gegen Reform
Ganze 44 Prozent sind „gegen die Gesundheitsreform“, nur 30 % dafür. FPÖ- und ÖVP-Wähler sind mit 52 bzw. 45  % gegen die Pläne der Bundesregierung. Und: Jene Bevölkerungsgruppen, die sich zur Reform besonders gut informiert glauben, lehnen die Reform gleich mit 57 Prozent ab.

Bei einem Kernpunkt, der Aut-idem-Regelung („Wirkstoff vor Marke“), sprechen sich nur 23 Prozent der Österreicher dafür aus, 72 % sind dagegen. Informierte Bevölkerungsgruppen lehnen Aut idem gar zu 75 % überdeutlich ab.

Molterer verhandelt
Anfang nächster Woche steigt VP-Finanzminister Wilhelm Molterer mit Ärztekammerpräsident Walter Dorner persönlich in den Ring, um über Details der Kassenreform zu sprechen. Dorner: „Was wir wollen, ist durchaus erfüllbar.“ So soll es künftig etwa eine Schiedsstelle geben, die zwischen Hauptverband und Ärzten ausgleichen soll.

Notversorgung im Juni
Ärztekammer-Sprecher Martin Stickler erläutert: „Kommt es zu Ordinationsschließungen, dann wird es eine Notversorgung wie jetzt an Feiertagen oder Sonntagen geben.“ Der endgültige Beschluss für den Streik fällt am 7. Juni. Obwohl der Hauptverband die Ärzte eindringlich vor einer schwerwiegenden „Vertragsverletzung“ warnt, geben einige Gebietskrankenkassen den Ärzten bereits jetzt grünes Licht.

Gabriele Pflug von der Wiener GKK zu ÖSTERREICH: „Der Ärztestreik ist de jure ein Vertragsbruch. Den werden wir aber nicht ahnden, um nicht Öl ins Feuer zu gießen.“ Auch die Salzburger Gebietskrankenkasse wird auf den angekündigten Ärztestreik nicht reagieren. „Ich verstehe teilweise die Ärzte“, so GKK-Obmann Siegfried Schluckner. An ­eine Kündigung werde „überhaupt nicht gedacht“.

Fehldiagnose
Weiter Kritik aus ÖVP. VP-Gesundheitssprecher Erwin Rasinger kritisiert das Reformvorhaben der Regierung heftig. Vor ­allem lehnt Rasinger, selbst praktischer Arzt, auch Aut idem (Regelung, nach der die Ärzte nur noch Wirkstoffe verschreiben, die Apotheken aber über das Medikament entscheiden) strikt ab: „Das kommt einem Apothekenförderungsprogramm gleich. In Deutschland hat man die Erfahrung gemacht, dass die Apotheken dann 15 bis 30 Prozent Rabatte von den Herstellern bekamen.“(wol)

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