Natascha-Skandal - Vertuschung und Schlamperei

ÖSTERREICH

© APA-FOTO: MATTHIAS SILVERI

Natascha-Skandal - Vertuschung und Schlamperei

Die Enthüllungen in der Causa Natascha Kampusch zeichnen immer stärker das Bild eines ungeheuerlichen Polizei- und Politikskandals. Seit der geschasste Chef des Bundeskriminalamts Herwig Haidinger vor dem Parlamentsausschuss über Pannen und Vertuschungen auspackte, wird immer klarer, dass Natascha Kampusch dreimal Opfer geworden ist: Einmal das ihres Entführers Wolfgang Priklopil, der sie achteinhalb Jahre gefangen hielt. Dann das unfähiger Polizisten, die sie nach einem heißen Tipp schon nach 47 Tagen hätten befreien können. Und zuletzt das von politischen Betonköpfen im Innenministerium, die den Skandal vertuschen wollten, weil sie vor der Nationalratswahl 2006 einen Denkzettel der Wähler fürchteten.

Missethon verteidigt Prokop
Missethon bestätigte und verteidigte die Vertuschungsaktion Prokops am Freitag, Platter dementierte. Lesen Sie hier mehr dazu.

Der einzige, der von Anfang an die Polizei-Panne aufklären wollte, war BKA-Chef Haidinger.

Skandal eskaliert
War im Rahmen des Skandals zunächst nur von drei Mitarbeitern der verstorbenen Innenministerin Prokop die Rede (Kabinettchef Philipp Ita, Andreas Pilsl, Bernhard Treibenreif), so hat der Vertuschungs- und Korruptions-Skandal nun auch oberste Beamte des Ministeriums erfasst.

BKA-Chef belastet
Denn nun steht auch der neue Chef des Bundeskriminalamtes, Franz Lang, der Nachfolger des Aufdeckers Herwig Haidinger, unter schwerem Beschuss. Er soll nicht nur in der Causa Bawag Akten dem parlamentarischen U-Ausschuss vorenthalten haben. Lang gerät auch in der Causa Kampusch ins Zwielicht. Im August 2006 soll er die von Haidinger geforderte Untersuchung der verschlampten Zeugenaussage unterdrückt haben, gemeinsam mit Kabinettsmitarbeiter Treibenreif.

Der Grün-Abgeordnete Peter Pilz vermutet hinter der konzertierten Vertuschung System. Pilz zu ÖSTERREICH: „Die ÖVP versucht alles auf die tote Innenministerin abzuwälzen. Das ist eine billige und menschlich unschöne Lösung.“ Und Pilz attackiert auch Innenminister Günther Platter: „Er hat zugelassen, dass weiter vertuscht wird und behält schwer belastete Spitzenbeamte in ihren Funktionen.

Brisante E-Mails
Einer dieser Spitzenbeamten ist Bernhard Treibenreif, der im Kabinett des Innenministeriums für die Bundespolizei zuständig und einer der Schlüsselfiguren im Vertuschungsskandal ist. Pilz hat jetzt auf seiner Homepage den brisanten E-Mail-Verkehr zwischen Haidinger und Treibenreif veröffentlicht (siehe rechts).

Die E-Mails zeigen, wie verzweifelt Haidinger im Jahr 2006 versucht hatte, die Panne 1998 aufzuklären, als die Polizei den Hinweis eines Hundeführers verschlampte, der direkt zu Natascha-Entführer Priklopil geführt hätte. Haidinger erteilt dem Leiter der „SOKO Natascha“, Nikolaus Koch, die Weisung, der Panne nachzugehen. Dieser weigert sich – worauf sich Haidinger an Treibenreif wendet – und auch bei ihm gegen eine Betonwand läuft.

Besonders brisant: Aus dem Mail-Verkehr geht hervor, dass Haidinger aus der Ressortleitung des Innenministeriums die Weisung erhält, „keine Erhebungen zu diesem Hinweis zu machen“. Eine solche Weisung aus der Ressortleitung konnte nur von der Ministerin selbst kommen.

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