Neues Foto zeigt Strache mit Nazis

Sommergespräch

 

Neues Foto zeigt Strache mit Nazis

Elmar Oberhauser konnte es unmittelbar nach der Aufzeichnung seiner Sommergespräche nicht fassen: „Ich bin weiß Gott lange in diesem Geschäft, aber so etwas habe ich noch nicht erlebt.“ So etwas – das war ein völlig außer Rand und Band geratener FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, der im Interview mit Oberhauser und ÖSTERREICH-Herausgeber Wolfgang Fellner die Nerven wegschmiss und am Ende nur mehr brüllend argumentierte. Oberhauser: „Es war eine Schlacht.“

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(c)Milenko Barcics/orf

Brisantes Foto
Endgültig zuckte Strache aus, als ihm ein neues Foto vorgelegt wurde, das den gegen ihn gerichteten Verdacht der Wiederbetätigung erhärtet. Es zeigt Strache Anfang der 90er inmitten von Wiking-Jugend-Aktivisten in einem deutschen Hinterhof – in unmittelbarer Nähe eines Wiking-Funktionärs, der das Abzeichen des Nazivereins, die ebenfalls verbotene Odal-Rune, am Ärmel trägt.

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Prozess am Donnerstag
Eine mögliche Erklärung für Straches hochgradige Nervosität ist eine für Donnerstag angesetzte Gerichtsverhandlung, mit der ein Prozess in seine heiße Phase tritt, den Strache selbst gegen ÖSTERREICH angestrengt hat. Der FPÖ-Chef hatte geklagt, nachdem Fotos aufgetaucht waren, die ihn in seltsamer Uniform und in einer demokratischen Politiker nicht geziemender Umgebung zeigten. ÖSTERREICH hatte berichtet, dass es sich dabei nicht um harmlose „Paintballspiele“, sondern um Wehrsportübungen im rechtsradikalen Milieu gehandelt hatte.

Im Prozess wird’s spannend – und vor allem drei Punkte werden zu klären sein:

1. Wer ist noch auf den Fotos? Auf den Bildern, die damals im Laufe FP-interner Streitigkeiten aufgetaucht waren, sind die Gesichter von Straches „Spielkameraden unkenntlich gemacht. Vor Gericht wird jetzt ihre Identität enthüllt. Nur drei Beispiele zeigen den personellen Zusammenhang mit der rechtsextremen Szene. Mit Strache auf den Fotos sind:

  • Marcus U., Ex-Aktivist der nach dem Nazi-Verbotsgesetz aufgelösten VAPO;
  • Jürgen H., in den 80ern Aktivist der später verbotenen Neuen Front;
  • Andreas T., in den 90ern ebenfalls in der österreichischen Neonazi-Szene aktiv.

2. War Strache außerhalb dieser Übungen im rechts-radikalen Milieu aktiv? Hier ist ein neues Dokument aufgetaucht, das diese Frage eindeutig bejaht. Als Strache beim gestrigen Sommergespräch darauf angesprochen wurde, reagierte er besonders nervös. Bei dem Dokument handelt es sich um eine Mitschrift einer FP-Vorstandssitzung vom Dezember des Vorjahres, als ein Brief des FP-internen Strache-Kritikers Ewald Stadler an Ex-FP-Chef Hilmar Kabas diskutiert wurde (diese Mitschrift stammt weder von Stadler noch von Kabas, Anm.).

In diesem Brief erwähnt Stadler nicht nur die vorgelegten Fotos, die Strache bei Wehrsportübungen im kärntnerischen Zweikirchen zeigt, die Vorwürfe sind massiver: So behauptet Stadler, Strache sei in der 1994 verbotenen deutschen Wiking-Jugend aktiv gewesen.

Ein schwerer Vorwurf, denn die Wiking-Jugend gilt als eine den Nationalsozialismus verherrlichende Ausbildungsstätte für Neonazis, bei deren Wehrsport-Übungen auch scharf geschossen wurde. Und noch ein Vorwurf, der Strache sehr nervös macht. In der Mitschrift der Vorstandssitzung sind Zornesausbrüche vermerkt. Verständlich: die Wiking-Jugend veranstaltete in der fraglichen Zeit Zeltlager in just jenem Zweikirchen, in dem Strache seine angeblich so harmlosen Paintball-Spiele betreiben wollte.

Besonders spannend wird die Antwort auf die dritte Frage:

3. Wurde Strache im Rahmen seiner Aktivitäten von der deutschen Polizei verhaftet? Auch das wird nämlich im Brief Stadlers an Kabas behauptet. Fakt ist: Eine polizeiliche Maßnahme gegen Strache ist aktenkundig.

In der Mitschrift der hoch emotional geführten Vorstandssitzung ist notiert, wie empört Strache auf diesen Vorwurf reagierte. Allerdings: Strache bestreitet den Kern nicht. Er behauptet nur, nicht verhaftet, sondern nur festgenommen worden zu sein.

Grund für die Festnahme wären, behauptete Strache in diesem Zusammenhang, nicht neonazistische Aktivitäten gewesen, sondern „humanitäre Maßnahmen“, die er und seine Kameraden damals durchgeführt hätten. Mit welchen „humanitären Maßnahmen“ zu dieser Zeit gewaltbereite Neonazis die Menschheit beglückten, konnte er allerdings nicht klarstellen.

Zu all diesen Vorwürfen wollte Strache im gestrigen ORF-Sommergespräch nicht Stellung beziehen. Im Prozess am Donnerstag wird er es tun müssen.

ORF-Gespräch mit 24 Prozent Marktanteil
Beim Sommergespräch mit H.C. Strache sahen durchschnittlich 538.000 Zuschauer zu und bescheren dem ORF einen Marktanteil von 24 Prozent. Lesen Sie hier mehr zu den Quoten des TV-Aufregers.

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