21. August 2007 18:36
Elmar Oberhauser konnte es unmittelbar nach der Aufzeichnung seiner
Sommergespräche nicht fassen: „Ich bin weiß Gott lange in diesem Geschäft,
aber so etwas habe ich noch nicht erlebt.“ So etwas – das war ein völlig
außer Rand und Band geratener FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, der im
Interview mit Oberhauser und ÖSTERREICH-Herausgeber Wolfgang Fellner die
Nerven wegschmiss und am Ende nur mehr brüllend argumentierte. Oberhauser:
„Es war eine Schlacht.“

(c)Milenko
Barcics/orf
Brisantes Foto
Endgültig zuckte Strache aus, als ihm ein neues
Foto vorgelegt wurde, das den gegen ihn gerichteten Verdacht der
Wiederbetätigung erhärtet. Es zeigt Strache Anfang der 90er inmitten von
Wiking-Jugend-Aktivisten in einem deutschen Hinterhof – in unmittelbarer
Nähe eines Wiking-Funktionärs, der das Abzeichen des Nazivereins, die
ebenfalls verbotene Odal-Rune, am Ärmel trägt.
Prozess am Donnerstag
Eine mögliche Erklärung für Straches
hochgradige Nervosität ist eine für Donnerstag angesetzte
Gerichtsverhandlung, mit der ein Prozess in seine heiße Phase tritt, den
Strache selbst gegen ÖSTERREICH angestrengt hat. Der FPÖ-Chef hatte geklagt,
nachdem Fotos aufgetaucht waren, die ihn in seltsamer Uniform und in einer
demokratischen Politiker nicht geziemender Umgebung zeigten. ÖSTERREICH
hatte berichtet, dass es sich dabei nicht um harmlose „Paintballspiele“,
sondern um Wehrsportübungen im rechtsradikalen Milieu gehandelt hatte.
Im Prozess wird’s spannend – und vor allem drei Punkte werden zu klären
sein:
1. Wer ist noch auf den Fotos? Auf den Bildern, die damals im Laufe
FP-interner Streitigkeiten aufgetaucht waren, sind die Gesichter von
Straches „Spielkameraden unkenntlich gemacht. Vor Gericht wird jetzt ihre
Identität enthüllt. Nur drei Beispiele zeigen den personellen Zusammenhang
mit der rechtsextremen Szene. Mit Strache auf den Fotos sind:
- Marcus U., Ex-Aktivist der nach dem Nazi-Verbotsgesetz aufgelösten VAPO;
- Jürgen H., in den 80ern Aktivist der später verbotenen Neuen Front;
- Andreas T., in den 90ern ebenfalls in der österreichischen Neonazi-Szene
aktiv.
2. War Strache außerhalb dieser Übungen im rechts-radikalen Milieu aktiv?
Hier ist ein neues Dokument aufgetaucht, das diese Frage eindeutig bejaht.
Als Strache beim gestrigen Sommergespräch darauf angesprochen wurde,
reagierte er besonders nervös. Bei dem Dokument handelt es sich um eine
Mitschrift einer FP-Vorstandssitzung vom Dezember des Vorjahres, als ein
Brief des FP-internen Strache-Kritikers Ewald Stadler an Ex-FP-Chef Hilmar
Kabas diskutiert wurde (diese Mitschrift stammt weder von Stadler noch von
Kabas, Anm.).
In diesem Brief erwähnt Stadler nicht nur die vorgelegten Fotos, die Strache
bei Wehrsportübungen im kärntnerischen Zweikirchen zeigt, die Vorwürfe sind
massiver: So behauptet Stadler, Strache sei in der 1994 verbotenen deutschen
Wiking-Jugend aktiv gewesen.
Ein schwerer Vorwurf, denn die Wiking-Jugend gilt als eine den
Nationalsozialismus verherrlichende Ausbildungsstätte für Neonazis, bei
deren Wehrsport-Übungen auch scharf geschossen wurde. Und noch ein Vorwurf,
der Strache sehr nervös macht. In der Mitschrift der Vorstandssitzung sind
Zornesausbrüche vermerkt. Verständlich: die Wiking-Jugend veranstaltete in
der fraglichen Zeit Zeltlager in just jenem Zweikirchen, in dem Strache
seine angeblich so harmlosen Paintball-Spiele betreiben wollte.
Besonders spannend wird die Antwort auf die dritte Frage:
3. Wurde Strache im Rahmen seiner Aktivitäten von der deutschen Polizei
verhaftet? Auch das wird nämlich im Brief Stadlers an Kabas behauptet. Fakt
ist: Eine polizeiliche Maßnahme gegen Strache ist aktenkundig.
In der Mitschrift der hoch emotional geführten Vorstandssitzung ist notiert,
wie empört Strache auf diesen Vorwurf reagierte. Allerdings: Strache
bestreitet den Kern nicht. Er behauptet nur, nicht verhaftet, sondern nur
festgenommen worden zu sein.
Grund für die Festnahme wären, behauptete Strache in diesem Zusammenhang,
nicht neonazistische Aktivitäten gewesen, sondern „humanitäre Maßnahmen“,
die er und seine Kameraden damals durchgeführt hätten. Mit welchen
„humanitären Maßnahmen“ zu dieser Zeit gewaltbereite Neonazis die Menschheit
beglückten, konnte er allerdings nicht klarstellen.
Zu all diesen Vorwürfen wollte Strache im gestrigen ORF-Sommergespräch nicht
Stellung beziehen. Im Prozess am Donnerstag wird er es tun müssen.
ORF-Gespräch mit 24 Prozent Marktanteil
Beim Sommergespräch
mit H.C. Strache sahen durchschnittlich 538.000 Zuschauer zu und bescheren
dem ORF einen Marktanteil von 24 Prozent. Lesen
Sie hier mehr zu den Quoten des TV-Aufregers.
da muss die Angst ja wirklich ganz tief sitzen.
Er dreht sich wie der Wind bläst und wenn er die Macht erreicht hat, dann wird er wieder sein wahres Nazigesicht zeigen.
Ein billiger Populist. Aber sichtlich gibt es in Österreich viele, die mit ihm wandern.