26. Juli 2010 10:02
ÖBB-Aufsichtsratschef Horst Pöchhacker wirft der ÖVP vor, die Bahn für "rein
parteipolitische Maßnahmen" zu schwächen, doch die Strategie der
Volkspartei sei hier "leicht zu durchschauen". Einen Verkauf der
ÖBB-Kraftwerke an den Stromkonzern Verbund lehnt Pöchhacker ab. "Die
ÖBB brauchen ihre Kraftwerke selbst. Das ist eine Kostenfrage für die Bahn -
abgesehen davon, dass wir eine eigene
Stromfrequenz haben und Energiefragen und E-Mobility auch im
Infrastrukturministerium ein wichtiges Anliegen sind", so Pöchhacker
zum "WirtschaftsBlatt".
- Die ÖBB haben zuletzt ihren Gewinn halbiert. Mehr dazu hier.
Folgen von Schwarz-Blau ...
Die (rote) ÖBB seien gegenüber dem
(schwarzen) Verbund zwei Mal diskriminiert worden, meint der ehemalige Chef
des Baukonzerns Porr. "Die Bahn musste wegen Spekulationsgeschäften,
die auf das Konto von der schwarz-blauen Regierung eingesetzten Managern
gehen, knapp 300 Millionen Euro abschreiben. Jetzt muss sie auch noch fast
300 Millionen Euro Steuern für Pflegegeldvergütungen und
Fahrpreisermäßigungen nachzahlen. (...) Die Republik gewinnt hier aber
keinen Euro. Da geht es nur um Mittelumschichtungen vom Infrastruktur - zum
Finanzministerium", ärgert sich Pöchhacker.
... bei Spekulationen, Ermäßigungen, Pensionen
Das
niedrige durchschnittliche Pensionsalter der ÖBB führt Pöchhacker ebenfalls
auf Fehler während der ÖVP/FPÖ-Regierungszeit zurück. "In
schwarzblauen Zeiten wurden sogar Unter-50-Jährige pensioniert. Das hat den
Schnitt gesenkt."
Die angedachte Kapitalerhöhung beim Verbund bringt nun auch die OMV ins
Gerede, schreibt das "WirtschaftsBlatt" weiters. Auch sie will
seit Mitte des Vorjahres ihr Stammkapital um eine Milliarde Euro erhöhen.
Die Kapitalspritzen würden den Staat beim Verbund 510 Mio., bei der OMV 315
Mio. Euro kosten. Doch anders als beim Verbund verweigert die Regierung der
OMV die Zustimmung komplett. ÖVP-Generalsekretär Fritz Kaltenegger weicht
dieses "Nein" nun auf: "Wenn die OMV ein klares Konzept
vorlegt, wird sie das Geld bekommen -derzeit ist nicht zu erkennen, wofür
das Geld verwendet werden soll." Anders sehe das beim Verbund aus, der
die Milliarde in den Ausbau der Wasserkraft in Österreich stecke. "Investitionen,
die den Wert der Staatsbeteiligung erhöhen und in die Staatskassa
zurückfließen", so Kaltenegger zur Zeitung.