Papst-Rüffel für Schönborn Papst-Rüffel für Schönborn

Der Brief

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Papst-Rüffel für Schönborn

An den vergangenen Montag wird Christoph Schönborn noch lange denken: Wie schon öfter hatte der Wiener Erzbischof um eine Termin bei Papst Benedikt XVI. angesucht gehabt. Und wie schon öfter war Schönborn in aller Stille nach Rom geflogen und am Vormittag zum Vier-Augengespräch empfangen worden.

Ein bisher beispielloser Rüffel für Kardinal
Doch schnell wurde klar, dass die jüngsten Entschlüsse der Bischöfe – etwa die Schaffung einer Stiftung für Missbrauchsopfer – nicht das ist, was in Rom wirklich interessiert. Die alte Garde im Vatikan hatte den Papst gegen den aufstrebenden Wiener Kardinal in Gang gesetzt – und der bekam einen bisher beispiellosen Rüffel.

Hintergrund: Schönborn hatte im Mai den früheren Kardinal-Staatssekretär Angelo Sodano scharf kritisiert, ihn für die Vertuschungsstrategie des Vatikan im Fall Groer verantwortlich gemacht.

Ein Kardinal hackt einem andern kein Auge aus
Das hätte er nicht tun sollen: Eine Krähe hackt einer anderen kein Auge aus. Sodano – als Kardinals-Dekan immer noch einflussreich genug – setzte den Papst in Marsch. Der versuchte zwar die Sache mit einem Rüffelbrief diskret aus der Welt zu schaffen – zwecklos: Erbost platzen Sodano sowie sein Nachfolger als Staatssekretär, Tarcisio Bertone in das Gespräch Papst-Schönborn. Zu allem Überfluss stand der Gesprächsverlauf im offiziellen Kommuniqué des Vatikan. Kurzfassung: Schönborn musste seine Kritik de facto zurücknehmen – und der Papst stellte fast, dass Kardinäle einander nicht kritisieren. Basta.

Während es der Kirchen-Aktivist Hubert Feichtlbauer super findet, wenn sich Kardinäle öffentlich streiten, versucht die Erzdiözese Wien gestern, die Sache herunterzuspielen: Es sei bemerkenswert, dass der Papst alle Betroffenen an einen Tisch geholt habe – und die Korrektur des umstrittenen Sodano-Zitats könne auch als Kopfwäsche für den Kurienkardinal verstanden werden.

Alte Garde im Vatikan will Konkurrenten ausschalten
Oder aber als Zeichen, wie nervös die alte Kardinalsgarde schon ist: Vatikan-Insider sehen in dem Rüffel Ausdruck eines Machtkampfes Konservative gegen Liberale: Wobei der sonst eher so vorsichtige Schönborn angetrieben durch den Unmut in den Ortskirchen immer mehr in die Rolle eines fortschrittliche Kirchenfürsten geschlüpft ist. „Er ist viel mutiger als früher“, sagt Pastoral-Theologe Peter Michael Zulehner im Interview­. Deshalb der Unmut in Rom.

Und nicht nur das: Der mit 65 Jahren im besten Kirchenalter stehende Schönborn galt lange als „papabile“, als potentieller Papst-Nachfolger – Sodano als sein Gegenspieler. Was lag also näher einen unliebsamen Konkurrenten ausschalten zu lassen. Am besten durch den Papst selbst.

„Der Heilige Vater hat in Audienz Kardinal Christoph Schönborn, Erzbischof von Wien und Vorsitzender der Österreichischen Bischofskonferenz, empfangen. Dieser hatte darum gebeten, sich persönlich an den Papst wenden zu können hinsichtlich der aktuellen Lage der Kirche in Österreich. Besonders wollte Kardinal Christoph Schönborn den genauen Sinn seiner kürzlich getätigten Äußerungen zur Kirchendisziplin darlegen, sowie zur Beurteilung der Haltung des Staatssekretariats, insbesondere des damaligen Kardinalstaatssekretärs (Anmerkung des Übersetzers: Angelo Sodano) von Papst Johannes Paul II zum verstorbenen Kardinal Hans Hermann Groer, Erzbischof von Wien von 1986 bis 1995.“

„Zu dem Treffen eingeladen waren die Kardinäle Angelo Sodano, Dekan des Kardinalkollegiums, und Tarcisio Bertone, amtierender Kardinalstaatssekretär“.

„Im Besonderen: Es wird daran erinnert, dass in der Kirche, wenn es sich um Kritik an einem Kardinal handelt, die Kompetenz dazu ausschließlich beim Papst liegt; die übrigen Instanzen können eine beratende Funktion einnehmen, immer mit dem gebührenden Respekt vor der Person.

Der Ausdruck „Geplapper“ ist irrtümlicherweise als Mangel an Respekt für die Opfer sexuellen Missbrauchs interpretiert worden, für die (Anmerkung des Übersetzers: die Opfer) der Kardinals Angelo Sodano die gleichen Gefühle des Mitleids wie auch der Verdammung des Bösen aufbringt wie in vielen Stellungnahmen des Heiligen Vaters geschehen. Der bei der Ostermesse an Papst Benedikt XVI. gerichtete Ausdruck ist wörtlich der päpstlichen Palmsonntagspredigt entnommen und bezog sich auf den „Mut, der sich nicht durch das Geplapper der herrschenden Meinungen einschüchtern lasse“.

„Der Heilige Vater, der sich sehr gerne an seine Pastoral-Reise in Österreich erinnert, schickt mittels Kardinal Christoph Schönborn seinen Gruß und Zuspruch an die Österreichische Kirche und seine Hirten, und vertraut den Weg kirchlichen Erneuerung dem himmlischen Schutz Marias an, die besonders in Mariazell verehrt wird“.

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