Schlacht ums Heer tobt

Offener Streit

© APA/ Pessenlehner

Schlacht ums Heer tobt

Rund 1.000 Rekruten, ihre Familienangehörigen plus zahlreiche Schaulustige dürften heute Zeugen eines offenen Schlagabtauschs an der Staatsspitze um die Zukunft des Bundesheeres werden: Wie jedes Jahr halten vier der höchsten Würdenträger heute am Heldenplatz ihre Reden – und natürlich werden die ganz im Zeichen der Volksbefragung am 20. Jänner stehen:

Drei Redner gegen – und einer für die Wehrpflicht

  • Harry Kopietz
    Starten wird – nach dem Wiener Militärkommandanten in Vertretung von Bürgermeister Michael Häupl – der Wiener Landtagspräsident Harry Kopietz. Kein Zufall: Der frühere SP-Landesparteisekretär und passionierte Feuerwehrmann soll eine entscheidende Rolle in der Pro-Profi-Heer-Kampagne der SPÖ spielen. Und: Es war ja schließlich Häupl selbst, der die Debatte vor zwei Jahren losgetreten hatte.
  • Norbert Darabos
    Dann der Verteidigungsminister. Auch er will für das Berufsheer Stellung beziehen, aber: „Brandrede wird das keine“, wie aus seiner Umgebung zu hören war. Werde doch Darabos auch den 1.000 Rekruten seinen Respekt für deren Dienst für die Republik zollen.

Fischer: Tagesbefehl für die Wehrpflicht

  • Werner Faymann
    Dritter Redner für die Wehrpflicht: der Bundeskanzler. Auch er wird etwas zur Volksbefragung sagen – und ebenfalls ein Plädoyer für die direkte Demokratie und das Berufsheer halten.
  • Heinz Fischer
    Bleibt als einziger Wehrpflicht-Befürworter Bundespräsident Heinz Fischer. Der frühere SPÖ-Vize hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er den Schwenk von Faymann, Häupl und Darabos für ein Berufsheer nicht goutiert. Schon in seinem Tagesbefehl lobte er das „bewährte Mischsystem von Grundwehrdienern, Zeit-, Berufs- und Milizsoldaten“, das in „professioneller Weise“ seine verfassungsmäßigen Aufgaben für Österreich erfülle.

Umfrage: 58% für die Wehrpflicht

Die Haltung hat sich vor dem heutigen Nationalfeiertag verfestigt: Laut aktueller Gallup-Umfrage für ÖSTERREICH (400 Befragte, 24. & 25. 10.), treten 58 % für eine Beibehaltung der allgemeinen Wehrpflicht ein, wie sie die ÖVP vertritt. Damit sind die Befürworter eines Profiheeres mit 42 % deutlich in der Minderheit. Verteidigungsminister Norbert Darabos steht wenige Wochen vor der Volksbefragung am 20. Jänner vor einer schwierigen Situation. Nur bei den deklarierten SPÖ-Anhängern gibt es mit 67:29 derzeit eine Mehrheit für das Berufsheer. Bei den ÖVP-Wählern gibt es mit 81 % (!) hingegen eine überwältigende Mehrheit, die sich für die Wehrpflicht begeistert.
Sogar bei den Grünen gibt es mit 54 % eine Mehrheit für die Wehrpflicht.
Auch in Wien gibt es mit 54 % bereits eine Mehrheit für die Wehrpflicht. Knapp ist das Match um das Heer bei den Jungen: Hier steht es 39:37 für die Wehrpflicht, allerdings sind 24 % unentschlossen.

Untauglicher Faber wirbt für die Wehrpflicht

ÖSTERREICH: Sie sind im Personen-Komitee „Einsatz für Österreich“. Warum machen Sie sich so für die Beibehaltung der Wehrpflicht stark?
Toni Faber: Ich sorge mich um den Zivildienst. Österreich wäre ohne ihn sozial ärmer. Junge Leute sollten sich für das Gemeinwesen engagieren müssen.
öSTERREICH: Aber das Thema ist doch eigentlich Angelegenheit der Politik oder?
Faber: Ich bin auch ein einfacher Staatsbürger und habe meine Meinung. Als privater Toni Faber kann ich dafür eintreten. Mir ist allerdings bewusst, dass ich damit Leute irritiere.
ÖSTERREICH: Warum interessieren Sie sich als Kirchenmann für die Wehrpflicht?
Faber: Ich wollte früher selbst Offizier werden, war aber leider untauglich. Ich denke, das war ein Zeichen Gottes. Ich habe mich dann doch für die Kirche entschieden.
ÖSTERREICH: Wird die Kirche das Personen-Komitee finanziell unterstützten?
Faber: Nein, in keinster Weise. (K. Liener)

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