Sex-Prozess gegen Bürgermeister vertagt

In Feldkirch

Sex-Prozess gegen Bürgermeister vertagt

Im Prozess gegen den Feldkircher Bürgermeister Wilfried Berchtold (V) wegen Vergewaltigung wird es am Donnerstag noch kein Urteil geben. Das erklärte Richterin Claudia Egger am Rande der Verhandlung am späten Nachmittag. Man werde noch zwei Zeugen einvernehmen und dann den Prozess vertagen. Das vorgesehene Programm sei nicht durchzubringen, begründete Egger. Die Verhandlung hatte sich durch die mehrere Stunden dauernde Einvernahme des Angeklagten verzögert. Ein neuer Termin steht laut Egger noch nicht fest.

 Im Fall eines Schuldspruchs erwartet den Bürgermeister eine Haftstrafe von bis zu zehn Jahren.

Prominenter Angeklagter
Die Verteidigung begründete zuvor ihren Antrag auf Ausschluss der Öffentlichkeit mit der Prominenz des Angeklagten und der Sensibilität des Falls, der in den persönlichen Lebensbereich beider Betroffener reiche. Opferanwalt Martin Mennel schloss sich diesem Antrag nicht an. Seine Mandantin sehe keinen Grund, die Öffentlichkeit auszuschließen. Nachdem der Angeklagte "einseitig, nicht objektiv und teilweise falsch" über den Sachverhalt informiert habe, wünsche sie nun, dass die Öffentlichkeit "wirklich informiert" werde.

Zu dem angeklagten Übergriff soll es am 7. November 2009 nach 3.00 Uhr früh auf Berchtolds Hotelzimmer gekommen sein, als die Frau ihn nach einem SMS-Austausch dort besuchte. Während die Parteikollegin angab, klar Nein zu den sexuellen Handlungen gesagt und sich gewehrt zu haben, spricht Berchtold laut Medienzitaten aus der Anklageschrift von "leidenschaftlichem Sex ohne Zwang". Das 56-jährige Stadtoberhaupt, zugleich Präsident des Vorarlberger Gemeindeverbands, weist die Vorwürfe "ganz entschieden" zurück. Die Anzeige der Frau erklärte er mit enttäuschten Erwartungen, weil er ihrem Wunsch nach einem sicheren Listenplatz für die Gemeindevertretungswahlen nicht entsprochen habe. Dem entgegen steht jedoch, dass die Anklägerin noch vor der Listenerstellung im Herbst 2009 mehreren Freunden von dem Vorfall erzählt haben soll.

Aus Funktionen zurückgezogen
Der Vergewaltigungsvorwurf gegen Berchtold wurde Anfang Oktober 2010 bekannt, die Anzeige war bereits im März 2010 eingebracht worden - drei Tage nach der Gemeindevertretungswahl, bei der Berchtold in der Direktwahl 76,2 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen konnte. Berchtold zog sich nach dem Publikwerden des Falls krankheitshalber aus seinen Funktionen zurück. Bei der Anklageerhebung im Dezember 2010 nahm er seine Geschäfte als Bürgermeister in Erwartung eines Freispruchs wieder auf und berief sich dabei auf den Rückhalt aus der Bevölkerung. In einer Stellungnahme sprach er von einem "schweren Fehler", womit er offensichtlich auf die außereheliche Affäre mit der Frau anspielte.

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