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So schlecht geht es Österreichs Frauen

Wien

So schlecht geht es Österreichs Frauen

Was läuft schief in Österreich? Heute „feiern“ wir zwar den 103. Frauentag, doch ein Blick auf die Zahlen lässt wirklich keine Freude aufkommen. Die Situation der österreichischen Frauen hat sich in den letzten Jahren nur marginal verbessert.
Beispiel Geld: Frauen werden in Österreich noch immer für dieselbe Arbeit viel schlechter entlohnt als ihre männlichen Kollegen. Jährlich bekommen sie so im Schnitt exakt 16.875 Euro weniger ausgezahlt.

Das Absurde: Gleichzeitig gab es noch nie so viele gut ausgebildete Frauen wie jetzt. Denn erstmals machten im Vorjahr 17.853 Studentinnen bei uns einen Uni-Abschluss. Der Anteil der weiblichen Absolventinnen knackte damit erstmals die 60-Prozent-Marke. Doch trotzdem sind Frauen in Österreichs-Führungsetagen nach wie vor rar.

In den Aufsichtsräten unserer 200 größten Unternehmen sitzen laut aktuellem Management-Report nur 250 Frauen, was einem Mini-Anteil von 13,4 Prozent entspricht. In Island liegt der Anteil von weiblichen Führungskräften dagegen bei 49%!
Ein Grund dafür: Das schlechte Betreuungs-Angebot für Kinder. Laut einer aktuellen AK-Erhebung wünscht sich jeder Dritte ein ganztägiges Angebot, aber nur acht Prozent der Befragten haben derzeit so eins. Die Folge: Deutlich mehr Frauen stecken im Beruf zurück oder entscheiden sich für die schlechter entlohnte Teilzeit.

Doch nicht nur in der Privatwirtschaft haben es Frauen schwerer. Nach dem Rückzug von Gabi Burgstaller aus der Politik im Vorjahr gibt es in Österreich derzeit keine Landeshauptfrau mehr. Von den 14 Regierungsmitgliedern in Wien sind derzeit nur vier weiblich und: Nur 5,6 Prozent unserer Bürgermeister sind Frauen.

Und: Laut neuer EU-Studie wird jede fünfte Österreicherin (850.000 Frauen) einmal in ihrem Leben Opfer Gewalt.

Männer verdienen 17.000 Euro mehr
Mieses Zeugnis für unsere Arbeitgeber: Nur Estinnen verdienen im Vergleich noch weniger.

  • Laut aktuellem Einkommensbericht des Rechnungshofes verdienen angestellte, vollzeitbeschäftigte Frauen bei uns noch immer 16.875 Euro brutto im Jahr weniger als Männer (siehe Grafik).
  • Arbeiterinnen und Pensionistinnen müssen mit einem Minus von 10.000 Euro leben, einzig Beamtinnen verdienen im Schnitt mehr (500 Euro).
  • Auf den Stundenlohn heruntergerechnet, bedeutet das für jede Österreicherin im Schnitt 23,4 Prozent weniger Gehalt als für die Männer! Bei uns ist es also deutlich schlimmer als im EU-Schnitt. Einzig in Estland ist die Situation noch ungerechter.

Grafik: Weniger Stundenlohn
Deutlich unter EU-Schnitt: Österreicherinnen bekommen um 23,4 Prozent geringere Stundenlöhne.
Frauen_EU_Vergleich.jpg

Ministerin Heinisch-Hosek: Po-Grapschen neu verhandeln

ÖSTERREICH: Vor einem Jahr war „Po-Grapschen“ als Straftatbestand großes Thema zum Frauentag. Werden Sie mit dem neuen Justizminister einen weiteren Anlauf nehmen?
Gabriele Heinisch-Hosek: Ich führe demnächst ein Gespräch mit dem Justizminister, wo ich auch dieses Thema ansprechen werde.

ÖSTERREICH: Wo sehen Sie weitere Missstände für Frauen?
Heinisch-Hosek: Noch immer ist jede fünfte Frau von Gewalt betroffen, das ist alarmierend. Ich will die Frauen noch mehr bestärken, unsere Beratungs-Angebote zu nutzen und aus Gewaltbeziehungen auszubrechen.

ÖSTERREICH: Sie fordern eine Frauen-Quote für Führungspositionen? In welcher Höhe?
Heinisch-Hosek: Am Ende des Tages stehen Frauen die Hälfte der Chefsessel zu. Wie hoch genau wir eine Quote in einem ersten Schritt ansetzen, ist Verhandlungssache.

Grün-Chefin Eva Glawischnig: Faires Gehalt hat höchste Priorität

ÖSTERREICH: Warum versagt die Frauenpolitik bei uns?
Eva Glawischnig: Die Regierungsparteien, besonders die SPÖ, kündigen viel an, umgesetzt wird aber wenig. Das zeigt sich auch am Frauenanteil im Parlament.

ÖSTERREICH: Welches Frauen-Thema muss denn als Erstes geschafft werden?
Glawischnig: Frauen werden immer noch schlechter bezahlt als Männer. Das zu ändern hat höchste Priorität. Viele Frauen arbeiten in Niedriglohnbranchen. Wir kämpfen für einen Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde.

ÖSTERREICH: Kann Chancengleichheit erreicht werden?
Glawischnig: Die Veränderungen gehen mir zu langsam, aber ich glaube, dass man Chancengleichheit erreichen kann.

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