Strache nennt EU-Beitritt einen

ÖSTERREICH-Interview

Strache nennt EU-Beitritt einen "Fehler"

HC Strache hat den EU-Wahlkampf zu seinem persönlichen Feldzug gegen das Böse und den 7. Juni zum großen „Tag der Abrechnung“ erklärt. Der FPÖ-Chef engagiert sich wie kein anderer im Wahlkampf - er plant mehr als 10 Großveranstaltungen, tourt durch alle Bundesländer. In den Umfragen liegt Strache mit seiner FPÖ derzeit bei 18 Prozent, Meinungsforscher halten mehr als 20 Prozent für möglich, manche Polit-Insider sprechen sogar schon von einem Dreikampf SPÖ - ÖVP - FPÖ um Platz 1.

Abschied aus Parlament
Im Interview mit ÖSTERREICH-Herausgeber Wolfgang Fellner, mit dem er sich mehrfach im Fernsehen und vor Gericht duelliert hat (zuletzt als ÖSTERREICH Straches „Paintball-Fotos“ als Neonazi-Treffen enttarnte), gibt Strache gleich einmal einen eher rauen Ton für den EU-Wahlkampf vor. Da ist von „Verrätern“, „Falschspielern“, sogar von „warmen Brüdern“ die Rede - aber auch davon, dass ein Österreich ohne EU die bessere Option, eine Entwicklung ohne Euro besser für die Kaufkraft gewesen wäre. Am Schluss des Interviews sorgt Strache für eine innenpolitische Sensation: Er kündigt sein Antreten bei der Wiener Bürgermeisterwahl und bei einem Sieg sein Ausscheiden aus der Bundespolitik und dem Parlament an.

Das HC-Strache-Interview ist das erste in einer Serie, in der alle Parteichefs in ÖSTERREICH ihre Position im EU-Wahlkampf darstellen.

ÖSTERREICH: Noch vier Wochen bis zu den EU-Wahlen. In den Umfragen nähern Sie sich der 20-Prozent-Marke. Wie viel Prozent der Stimmen erwarten Sie persönlich?

HC Strache: Ich will in den nächsten Wochen deutlich machen, dass dieser 7. Juni der „Tag der Abrechnung“ werden muss. Da gibt es keine Prozent-Latte, weil ja fast alle Umfrage-Institute zuletzt bewiesen haben, dass sie reine Scharlatanerie-Veranstaltungen sind. Ich nehme ja keine Umfrage mehr ernst – auch nicht ihre. Mir geht es nur um ein Ziel: Dass klar wird, dass wir von der FPÖ die einzigen Österreich-Anwälte sind, die Einzigen, die für nationale Volksabstimmungen sind, die Einzigen, die den Beitritt der Türkei in die EU und damit die Islamisierung Europas verhindern. Es soll ein „Tag der Abrechnung“ werden, der sich gewaschen hat.

ÖSTERREICH: Mit wem wollen Sie „abrechnen“? Mit Faymann? Mit der Großen Koalition? Oder gleich mit der ganzen EU, damit sich’s auszahlt?

Strache: Der Wähler soll abrechnen - auf der einen Seite mit der Bundesregierung, die nichts gegen die Krise tut, und auf der anderen Seite mit den EU-Technokraten. Diese neoliberalistischen Entwicklungen, dieser Deregulierungswahn, dieser Globalisierungswahnsinn der Europäischen Union, dieser ganze Maastricht-Vertrag sind ja der wahre Grund, dass wir uns heute überhaupt erst in dieser Wirtschaftskrise befinden.

ÖSTERREICH: Das ist aber nicht Ihr Ernst. Das ist für mich was Neues, dass die EU an der Finanzkrise schuld ist und nicht die Wall Street.

Strache: Die EU ist nicht der Schutzwall, sondern der Kopf der Krise. Und das soll bis zum Tag der Abrechnung herausgearbeitet werden. Wir stehen für Entbürokratisierung, für die Stärkung der kleinen Betriebe, der Arbeiter, der Bauern, für soziale Gerechtigkeit, für ein christlich-soziales Abendland.

ÖSTERREICH: Entschuldigung, Herr Strache, aber dafür ist wirklich jeder!

Strache: Dafür steht nicht jeder - sondern nur die FPÖ. Der Herr Swoboda und die SPÖ sind definitiv für den Beitritt der Türkei in die EU. Die ÖVP ist für eine Partnerschaft mit der Türkei, was einem Beitritt letztendlich gleichkommen wird. Wer also SPÖ und ÖVP wählt, wählt in Wahrheit die Türkei als EU-Mitglied.

ÖSTERREICH: Sind’s ma net bös, aber das ist ein simpler Unsinn - beide sind deklariert für Volksabstimmungen vor einem Türkei-Beitritt.

Strache: Und beide - vor allem die ÖVP - haben bisher jede Volksabstimmung in EU-Sachen boykottiert. Das sind taktische Manöver, Falschspielereien, die hier gespielt werden. SPÖ und ÖVP wollen eine Vollmitgliedschaft der Türkei in der EU - und die Türkei wäre das trojanisch-islamische Pferd in Europa. Das würde zu einer Massenzuwanderung aus den islamischen Ländern führen. Das wäre das Ende Europas als christlich-soziales Abendland.

ÖSTERREICH: Sie allein kämpfen gegen die Türkenbelagerung?

Strache: Das Interessante bei dieser Wahl ist ja, dass wir allein gegen alle stehen, dass alle gegen uns sind.

ÖSTERREICH: Mir kommt vor: Mit jedem unserer Interviews nimmt Ihr Verfolgungswahn stärker zu.

Strache: Das ist kein Verfolgungswahn, überhaupt nicht. Wir haben bei dieser EU-Wahl wirklich die Situation, dass sich alle ganz bewusst gegen die FPÖ positioniert haben. Swoboda, Strasser, Martin, Stadler, die Grünen sowieso - alle sagen: Unser Gegner ist die FPÖ. Alle treten gegen uns an. Lesen Sie die Zeitungen - auch Ihre eigene - alle gegen die FPÖ, weil wir die Einzigen sind, die wirklich die österreichischen Interessen vertreten.

ÖSTERREICH: Und deshalb sollen alle gegen Sie sein?

Strache: Ja, weil wir die einzigen Volksvertreter sind - und keine Volksverräter.

ÖSTERREICH: Wie sehen Ihre inhaltlichen Forderungen im EU-Wahlkampf aus?

Strache: Zunächst einmal mehr Sicherheit! Ich habe als Erster gefordert, dass wir die Schengengrenze bis Jahresende wieder zumachen, also wieder rigorose Pass- und Zollkontrollen an der Grenze einführen sollen.

ÖSTERREICH: Wenn Sie konsequent sind, fordern Sie gleich einen elektrischen Grenz-Zaun mit dazu.

Strache: Wir brauchen keinen neuen Grenz-Zaun, aber wir brauchen wieder das Bundesheer an der Grenze, das illegale Übertritte kontrolliert und illegale Einwanderer stoppt. Wir sollten auch unsere EU-Beiträge überdenken. Wir zahlen heute 2,1 Milliarden an die EU, 800 Millionen verlieren wir netto. Ich bin dafür, dass wir keinen Cent mehr zahlen. Weg mit diesen Beiträgen. Wir brauchen das Geld für unsere Schulen.

ÖSTERREICH: Warum sind Sie nicht gleich für einen Austritt?

Strache: Wir stehen zu Europa. Wir sind als Österreicher das Herz von Europa, wir können uns aus Europa nicht davonstehlen. Austritt ist keine Alternative. Aber ich bin für ein völlig anderes Europa. Für ein bürgernahes, vor allem für ein föderales Europa der Vaterländer, wo Schluss ist mit der zentralistischen Entwicklung. Ich will keine Super-EU, wo alle Vorgaben und Gesetze aus Brüssel kommen und unser Vaterland zum Verwaltungsorgan von Brüssel degradiert wird. Ich will, dass alle wichtigen Gesetze bei uns gemacht werden, ein föderales Europa. Und dann können wir mutig sagen: Auch Russland soll ein Teil von Europa sein.

ÖSTERREICH: Das ist aber nicht Ihr Ernst? Sie kämpfen wie wild gegen die Türkei und sagen im gleichen Atemzug: Russland - samt Ausländerschwemme - soll zur EU?

Strache: Ich will eine föderale europäische Vereinigung, in der alle Nationalstaaten erhalten bleiben. Und Russland ist in meinen Augen historisch und kulturell immer ein Teil Europas gewesen.

ÖSTERREICH: Den Euro wollen Sie aber schon behalten?

Strache: Der Euro ist Realität. Ich sage Ihnen offen: Wir wollten den Euro nicht. Er ist zur Realität geworden, aber er hat uns keine Vorteile gebracht. Schauen Sie sich die Schweiz an - die hat in den letzten 15 Jahren ohne Euro ihre Kaufkraft erhalten, wir haben dank Euro viel von unserer Kaufkraft verloren.

ÖSTERREICH: Ist in Ihren Augen der ganze EU-Beitritt ein Fehler gewesen?

Strache: Wenn ich mir die Schweiz ansehe - dann: Ja! Es wäre viel besser gewesen, im Herzen Europas mit der Schweiz einen neutralen Block zu bilden, wir hätten eine enge Kooperation mit der Schweiz machen - und unsere Neutralität und Eigenständigkeit bewahren sollen.

ÖSTERREICH: Wir hätten die Outlaws von Europa werden sollen?

Strache: Unsinn - wer redet von Outlaws? Wir hätten keine Kriminalitätssteigerung gehabt, die Kaufkraft erhalten, wir hätten unsere regionalen Strukturen erhalten. Nehmen Sie unsere Bauern. Die EU ist ein Mordanschlag auf unsere funktionierende landwirtschaftliche Struktur. Ich war bei der Milch-Demo der Bauern. Ich kämpfe für unsere Bauern gegen die EU.

ÖSTERREICH: Ab sofort sind Sie auch Bauernkämpfer?

Strache: Die Bauern hatten einmal einen Befreier, nämlich den Hans Kudlich - und ich glaube, so einen Bauernbefreier braucht es wieder in unserem Land.

ÖSTERREICH: Sie sehen den EU-Wahlkampf als persönliches Match? Faymann und Pröll werden ja nicht direkt in den Wahlkampf einsteigen.

Strache: Die müssen sich ja auch verstecken. Wenn die bei der Bauern-Demo aufgetaucht wären, hätte es Tomaten geregnet. Ich muss mich nicht verstecken. In Linz hatte ich Freitag Tausende Besucher beim Start.

ÖSTERREICH: Vielleicht müssen Sie ja Ihren peinlichen Spitzenkandidaten Mölzer verstecken, der ja im Europaparlament keine grandiose Rolle gespielt hat. Ist das Ihr Privatphilosoph, wie viele sagen?

Strache: Laut der sehr objektiven Berichterstattung in ÖSTERREICH war er der fleißigste Abgeordnete. Und: Mein Privatphilosoph bin ich selbst. Ich brauche keine Einflüsterer, weil ich kein Wendehals und kein ideologischer Flachwurzler bin, der sein Hemd und seine politische Unterhose jedes Jahr wechselt wie der Herr Stadler. Der fühlt sich heute wohl bei den Petzners und bei den Orangen, die er selbst als Freimaurer und warme Brüder bezeichnet hat.

ÖSTERREICH: Er hat sie als WAS bezeichnet?

Strache: ,Warme Brüder' hat er gesagt - das können Sie im Internet auf YouTube ansehen. Gehen Sie auf YouTube und Sie sehen, was der Herr Stadler über seine Brüder alles sagt.

ÖSTERREICH: Ist das auch Ihre Meinung - das mit den „warmen Brüdern“?

Strache: (lacht) Ich distanziere mich von allem, was der Herr Stadler sagt.

ÖSTERREICH: Der bringt Sie in Rage, der Herr Stadler?

Strache: Der hat ein psychologisches Problem. Der hat eine Art politisches Schüttel-Syndrom. Jedes Mal, wenn er den Namen „Strache“ hört, reißt es ihn - und er kriegt einen Anfall. Das ist eine Krankheit.

ÖSTERREICH: Der Mann war einmal Ihr größter Fan.

Strache: Ich glaube, das war er nie - er war und ist ein Heuchler, ein Falschspieler.

ÖSTERREICH: Steht eigentlich Ihr Angebot für eine Wiedervereinigung mit dem BZÖ noch?

Strache: Das ist endgültig vom Tisch. Vorbei!

ÖSTERREICH: Warum?

Strache: Ich habe nach dem Unfalltod aus Respekt vor der Lebensleistung von Jörg Haider sein Vermächtnis erfüllen wollen. Es war Haiders Idee, das Dritte Lager mit einer CDU/CSU-Lösung wieder zusammenzuführen. Die Idee war: Ein gemeinsames freiheitliches Haus, in dem die Kärntner ihre eigene Parteilösung haben.

ÖSTERREICH: Haben Sie das in Ihrem letzten Gespräch mit Haider kurz vor dessen Tod besprochen?

Strache: Nein, das war eine rein persönliche Aussprache zwischen uns beiden, wo wir unsere jahrelange, sehr heftige Auseinandersetzung beilegen wollten. Es war der Beginn einer Aussöhnung. Ein guter Beginn. Eine menschlich für mich sehr wichtige Aussprache.

ÖSTERREICH: Die Vertreter des BZÖ sagen: Sie sind ein Schwindler. Es hätte keine Aussöhnung gegeben, im Gegenteil: Haider hätte sich nachher sehr abschätzig über das Gespräch geäußert.

Strache: Ich war dabei - und kann behaupten: Es war der Beginn einer Aussöhnung. Haider hatte dieses Modell einer CDU/CSU-Lösung fürs Dritte Lager im Kopf.

ÖSTERREICH: Und dieses Vermächtnis...

Strache: ...ist jetzt vom Tisch, weil im BZÖ Wirrköpfe an der Spitze sind, die sich als Anhängsel der ÖVP sehen. Und damit will ich nichts zu tun haben. Die Wiedervereinigung ist gescheitert. Endgültig.

ÖSTERREICH: Was ist denn Ihr politisches Lebensziel: Bundeskanzler? Oder gar Bundespräsident?

Strache: Nein, ich habe ein anderes Ziel: Ich habe meiner Wiener Landesgruppe angeboten, dass ich als Bürgermeister-Kandidat zur Verfügung stehe. Das wird jetzt im Stillen überlegt, ob meine Landesgruppe das will.

ÖSTERREICH: Sie sind ja dort der Chef - wenn Sie das anbieten, wird das auch kommen.

Strache: Wenn meine Landesgruppe das so will, dann werde ich 2010 - oder vielleicht sogar schon in diesem Herbst, wenn die Wahl vorgezogen wird - als Bürgermeister-Kandidat für Wien ins Rennen gehen. Und ich werde dann auch als Bürgermeister die Verantwortung für diese Stadt übernehmen.

ÖSTERREICH: Verstehe ich das richtig: Sie scheiden dann aus der Bundespolitik, aus dem Parlament und auch als FPÖ-Bundesparteiobmann aus?

Strache: Wenn ich in Wien zum Bürgermeister gewählt werde, dann scheide ich aus der Bundespolitik und aus dem Parlament aus und will dann als Wiener Bürgermeister zeigen, wie man freiheitliche Politik in der Hauptstadt umsetzen kann.

ÖSTERREICH: Dann wären Sie Jörg Haider, der Zweite.

Strache: Dann wäre ich HC Strache, der Erste. Der erste nicht-sozialistische Bürgermeister seit 90 Jahren, seit Lueger, den ich als ersten freiheitlichen Bürgermeister von Wien sehe. Und der hat ja in Wahrheit das moderne Wien geschaffen - Häupl, dieser Inbegriff der Präpotenz, hat es kaputt gemacht.

ÖSTERREICH: Das heißt: Sie wollen allen Ernstes im Direkt-Duell mit Michael Häupl um den Wiener Bürgermeister antreten? Sie persönlich?

Strache: Jawohl - und ich rechne damit schon diesen Herbst. Ich werde den WienerInnen meine Visionen für ein modernes Wien vorlegen - ohne Kriminalität, ohne Ausländerflut, mit kleinen Schulklassen, in denen mehrheitlich Österreicher sitzen. Ich möchte beweisen, wie man es in Wien besser macht - sozial statt sozialistisch.

ÖSTERREICH: Mit Verlaub: Da sind Sie jetzt aber schon der Klon oder der Möchtegern-Erbe von Jörg Haider. Der wollte in Kärnten ja das Gleiche - an einem Bundesland vorzeigen, wie man ein ganzes Land regiert.

Strache: Ich verehre Jörg Haider, ich respektiere sein Lebenswerk, er hat exzellente Arbeit als Landeshauptmann gemacht. Aber er unterlag einem Irrtum: Von Kärnten oder Salzburg aus kann niemand Österreich verändern - der Schlüssel zur Veränderung von Österreich ist Wien. Wenn das rote Wien fällt, wenn die Bürger sehen, wie in Wien sozial und freiheitlich regiert wird - dann wird sich Österreich politisch ändern. Und deshalb ist mein Ziel, Wiener Bürgermeister zu werden, nur ein Etappenziel...

ÖSTERREICH: ...für einen Bundeskanzler Strache?

Strache: Es klingt großartig, das aus Ihrem Mund zu hören.

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