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Werner Faymann: Das Interview nach dem Rücktritt

Die Gründe

Werner Faymann: Das Interview nach dem Rücktritt

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ÖSTERREICH-Herausgeber Wolfgang Fellner telefonierte kurz nach dem Rücktritt mit Kanzler Werner Faymann. Das Interview:

ÖSTERREICH: Warum dieser plötzliche Rücktritt, Herr Bundeskanzler. Sie haben am Wochenende ja noch gesagt, Sie werden um Ihren Verbleib als SPÖ-Chef kämpfen und nicht freiwillig gehen?

Faymann: Richtig, ich habe auch gekämpft - wirklich mit all meinem Einsatz und ich konnte die Mehrheit der Partei überzeugen, dass wir gemeinsam in eine Strategie-Reform gehen sollen. Ich habe die Mehrheit der SPÖ hinter mir gehabt, wirklich. Aber es gibt Situationen im Leben, da reicht die Mehrheit nicht, da braucht man den Rückhalt der gesamten Partei, von allen. Und das war nicht mehr der Fall - das habe ich gespürt, das haben mir einige auch gesagt. Und ohne Rückhalt von allen ist die Aufgabe, die SPÖ erfolgreich zu führen, nicht zu machen.

ÖSTERREICH: Die Mehrheit hätte Ihnen zum Weitermachen nicht gereicht?

Faymann: Es wäre unverantwortlich gewesen, ohne einen wirklich geschlossenen Rückhalt der gesamten Partei weiter zu machen. In schwierigen Zeiten braucht man die volle Unterstützung. Und wir sind derzeit in ganz schwierigen Zeiten - es stehen schwierige Aufgaben in der Regierung bevor, von der Lösung der Asylprobleme bis zur Offensive für Arbeitsplätze, es wäre mit der ÖVP nicht einfach geworden, es wären auch die Probleme nicht kleiner geworden - und ich hätte auch meine ganze Kraft für Brüssel und Europa gebraucht, um dort die nötigen Entscheidungen zu erkämpfen. Wenn Sie dann in der Partei nicht mehr den vollen Rückhalt haben, ist das nicht zu machen.

ÖSTERREICH: Die SPÖ war zum Schluss schon gespalten?

Faymann: Naja, das ist ein zu starkes Wort, aber es hat die Einigkeit gefehlt. Ich wünsche mir, dass die SPÖ zu dieser Einigkeit zurückkehrt - sie hat so viele großartige Mitglieder. Auch die Regierungsmannschaft - vor allem Josef Ostermayer, der mir versprochen hat, dass er bleibt - ist großartig. Ich hoffe, dass die Regierungsmannschaft in dieser Form weitermacht und werde sie voll unterstützen.

ÖSTERREICH: Wann werden Sie Ihre ersten großen Interviews geben?

Faymann: Jetzt werde ich einmal schweigen, bis mein Nachfolger feststeht. Ich will kein böses Wort sagen - und empfinde auch nichts Negatives. Eines kann ich garantieren: Ich werde kein Balkon-Muppet werden, das ständig dazwischen gscheiterlt. Von mir wird es keine Zwischenrufe geben - weder jetzt noch in Zukunft.

ÖSTERREICH: Wie sieht denn Ihre Zukunft aus?

Faymann: Ganz ehrlich - darüber hab ich noch nicht nachgedacht. Jetzt werd ich mich mal zwei, drei Monate von all dem Stress erholen und gar nichts machen. Nachdenken. Neue Ziele überlegen. Und dann werde ich überlegen, ob ich etwas im Rahmen der EU in Brüssel mache. Angebote dafür hat es in der Vergangenheit genug gegeben - mal schauen, ob mich da was reizt. Lust, auf europäischer Ebene politisch aktiv zu werden, hätte ich schon.

ÖSTERREICH: Und aus der österreichischen Politik...

Faymann: ...aus der scheide ich völlig aus. In Wien wird es mich nicht mehr geben. Zumindest politisch.

ÖSTERREICH: Was bleibt als Resümee?

Faymann: Dass diese siebeneinhalb Jahre eine großartige Zeit waren, dass ich stolz bin, für Österreich in diesen schwierigen Zeiten so viel getan zu haben. Wir haben die Finanzkrise bewältigt - ohne Sparpaket, sogar mit einer Steuersenkung. Wir haben das wirklich sehr schwer bewältigbare Chaos rund um den Flüchtlingsstrom bewältigt, wir haben 95.000 Kriegsflüchtlingen eine neue Heimat gegeben, Menschlichkeit gezeigt und trotzdem vermieden, dass Österreich unter Millionen durchs Land ziehenden Asyl-Suchenden in eine schwere Krise gekommen wäre. Ich will mich bei den vielen, vielen Österreichern bedanken, die mir in den letzten Jahren so viel Zuspruch und so viel Kraft gegeben haben, für sie die Regierung zu führen - ich habe wirklich das Vertrauen, die Zuneigung und die Unterstützung der Menschen gespürt und bin dafür unendlich dankbar.

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