Das sagt ÖSTERRECH

Wird das noch was mit Babler?

Andreas Babler zieht die SPÖ nach unten. Das ist nicht nur seine Schuld - aber er hat als Chef halt die Hauptverantwortung.

Es ist paradox: Gemeinhin erholen sich Parteien, die ihre Führungsdebatten beilegen können. Bei der SPÖ ist es genau umgekehrt. Kaum hat Ex-Kanzler Christian Kern seine Ambitionen aufgegeben und damit Bablers roten Chefsessel gerettet, fällt die SPÖ auf ihren schlechtesten Umfragewert aller Zeiten. Und wer immer noch glaubt, das habe nichts mit dem Parteichef zu tun, der sehe sich dessen Werte bei der aktuellen oe24-Kanzlerfrage an: Dass ein SPÖ-Vorsitzender hinter die Chefinnen von NEOS und Grünen zurückfällt - auch das gab's noch nie.

Doch warum ist das so? Jetzt kann man schon sagen, dass die SPÖ seit 2008, als Werner Faymann den seinerzeitigen Kanzler Alfred Gusenbauer demontierte, in zwei bis vier Teile gespalten ist. Und dass Babler es mit durchwegs männlichen Gegnern in den Ländern zu tun hat, die mit einem großen Ego, aber mit kleinen Wahlerfolgen gesegnet sind. Ausgenommen vielleicht Hans Peter Doskozil, der wenigstens Wahlen gewinnt. Und Michael Ludwig, der stets loyal zur Bundesparteiführung ist. Einer, der den zerstrittenen Haufen einigen kann, ist also nicht in Sicht.

Babler jedenfalls kann es nicht, und - man muss es so offen sagen - er ist auch in der Position des Vizekanzlers überfordert. Zumindest vermittelt er diesen Eindruck. Souveränität schaut eben anders aus. Gut, das Regierungsprogramm trägt eine rote Handschrift und auch die rote Ministerliste war okay. Aber ansonsten wirkt die Babler'sche Amtsführung eher als Learning by Doing - und das ohne sichtbare Fortschritte bei ersterem.

Das ist schlimm für Babler, der beim Parteitag am 7. März bestenfalls mit einem blauen Auge wegkommen wird, sich eher wohl eine Parteitagswatsche abholen darf. Aber eben nicht nur. Es könnte uns allen wurscht sein, doch eine derart devastierte SPÖ zieht auch die Ampelkoalition runter. Und Herbert Kickl braucht sich - wenn das so weitergeht - so überhaupt nicht anstrengen, um ins Kanzleramt einzuziehen.

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