Modellregion

Wien plant Verlängerung der Volksschulzeit

Wien will das Schulsystem umkrempeln: Die Volksschule soll künftig sechs Jahre dauern. Bildungsstadträtin Bettina Emmerling (NEOS) plant ein Pilotprojekt. Für die Kindergärten sieht sie auch Reformen vor.

Wien. Am Montag starteten die Wiener NEOS eine Kampagne für die geplante Kindergarten-Reform. Parallel dazu will Bildungsstadträtin Bettina Emmerling Wien zur Modellregion für eine sechsjährige Volksschule machen. "Wir halten die Trennung von zehnjährigen Kindern in gute und schlechte Schüler nicht für förderlich", betonte Emmerling gegenüber ORF-"Wien heute". Im März soll zudem die Reform des Fördersystems für Kindergärten folgen.

Kampf gegen frühen Leistungsdruck

Bildungswissenschafterin Susanne Schwab von der Universität Wien unterstützt den Plan als "wünschenswerten Schritt". Eine längere Volksschulzeit reduziere den Leistungsdruck und lasse Kindern mehr Zeit sich zu entwickeln. "Wir selektieren zu früh und damit zementieren wir Bildungslaufbahnen einfach bereits nach vier Jahren", sagt Schwab gegenüber ORF-"Wien heute".

Im Regierungsprogramm der Wiener Stadtregierung ist ein Pilotprojekt verankert. Noch ist unklar, ob und wann das Projekt umgesetzt wird.

Kampagne für Kindergarten-Reform gestartet

Die neue Initiative unter dem Motto "Das, was wirklich zählt" nimmt den Kindergarten in den Fokus. Dieser soll künftig den Berufseinstieg für Quereinsteiger und Logopäden oder Ergotherapeutinnen erleichtern. Mit dem Reformprozess will die Stadt Wien die Rahmenbedingungen für Kindergartenpädagoginnen und Kinder verbessern und mehr Zeit für individuelle Betreuung sowie Sprachförderung gewinnen.

Heftiger Widerstand der Opposition

Die Opposition aus FPÖ, Grünen und ÖVP übt scharfe Kritik an der Kampagne. Sie werfen der Stadtregierung "Untätigkeit" und "Selbstbeweihräucherung" vor. Laut Maximilian Krauss, Bildungssprecher und Klubobmann der Wiener FPÖ ersetze eine Kampagne keine echten Reformen gegen den Personalmangel oder für bessere Sprachkenntnisse. Harald Zierfuß, Klubobmann der Wiener ÖVP, kritisierte, dass die Kampagne kein Ersatz für Deutschförderung, personelle Aufstockung oder funktionierende Fördermittelkontrolle sei. Die Bildungssprecherin und der Bildungssprecher der Wiener Grünen, Julia Malle und Felix Stadler, bemängelten laut ORF-Bericht, dass es fahrlässig sei, dass sich die NEOS "lieber mit schönen Schlagworten" beschäftigen, anstatt sich "gravierenden Problemen" zu widmen.

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