Häupl sucht Braut, die sich traut

SP-Poker

© Getty Images/Frank Rosenstein/Siri Stafford

Häupl sucht Braut, die sich traut

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Die Lieblingskoalition von Michael Häupl wäre Rot-Grün sicher nicht. Sein Sager, dass "Verwandte nicht heiraten sollen", geistert seit Jahrzehnten als Kalauer durch die SPÖ. Und dass er mit manchen Schwarzen wie seiner Präsidiumskollegin beim FK Austria Wien, Brigitte Jank, hervorragend kann, weiß nicht nur Raiffeisen-Chef Christian Konrad – mit dem Häupl schon EU-weit beachtete Mega-Projekte wie den Twin City Liner einfädelte, der als Raika-Wien-Kooperation nach Bratislava düst.

Häupl spielt auf Zeit – und für Koalition mit neuer VP
Trotzdem ist dem Wiener Bürgermeister – noch – keine klare Koalitionspräferenz zu entlocken: Bis zur Auszählung der allerletzten Stimme am kommenden Montag hofft er noch auf die absolute SP-Mandatsmehrheit – die Koalitionen unnötig machen würde. Das wäre Häupls Lieblingsmodell: "Denn Wien braucht Tempo."

Zumal er die Stadt und seine SPÖ jetzt zum Kampf mit der FPÖ herrichten will. Sollte er dafür einen Koalitionspartner brauchen, will er sich jetzt noch keinesfalls in die Karten schauen lassen: Er will die ÖVP mit Rot-Grün unter Druck setzen – je länger die ÖVP in internen Querelen verstrickt ist, desto häufiger werden SP-Politiker für eine farbliche Alternative zur ungeliebten Koalition im Bund vorpreschen.

Von den Stadträten Ulli Sima und Andreas Mailath-Pokorny, denen freilich bei Rot-Grün der Verlust ihres Stadtrat-Sessels droht, bis hin zur Parteijugend werden die Ratschläge für eine rot-grüne Alternative als Munition im Kampf gegen Strache kommen.

Und trotzdem: Häupl will letztlich die ÖVP zwingen, eine rot-schwarze Koalition zu seinen Bedingungen zu schließen. Mareks striktes Nein zur Schulreform etwa hat den SP-Stadtchef schwer erzürnt – es könnte das Aus für Marek bedeuten. Denn Wirtschaftskammer-Chefin Brigitte Jank vertritt genau die gegenteilige Position, die sich just mit Häupls wichtigstem Reformprojekt fast zu hundert Prozent deckt.
Und Jank könnte am Ende statt der kratzbürstigen Marek, die Häupl so gar nicht mag, jene schwarze Braut sein, mit der sich auch der Bürgermeister traut.

Krimi um 90.010 Briefwahl-Stimmen
Bis in die Nacht hinein hoffte die Wiener SPÖ noch auf ein Wunder: Exakt 90.010 Briefwahlstimmen wurden am Dienstag ausgezählt.

Womit die Wahlbeteiligung sprunghaft anstieg: Von 56,9 Prozent am Sonntag auf 65 Prozent – was im Vergleich zur Wahl 2005 ein Plus von 4,2 Prozent bei der Wahlbeteiligung bringen sollte.

Die Hoffnung der SPÖ: Sollte bei diesen Briefwahlstimmen, was Experten davor für durchaus wahrscheinlich hielten, ein Mandat von der FPÖ zur SPÖ wandern, hätte die SPÖ 50 der 100 Wiener Gemeinderatsmandate erobert – gegen sie könnte weder ein Landeshauptmann gewählt noch ein Gesetz beschlossen werden. Das käme in der Praxis sogar einer absoluten Mehrheit gleich.

Letzter Strohhalm für Gewinner und Verlierer sind schließlich noch 10.000 Wahlkarten, die erst am kommenden Montag ausgezählt werden.

Interviews mit Michael Häupl und Heinz-Christian Strache auf der nächsten Seite.

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