Das sagt Österreich

Wolfgang Fellner

Das sagt Österreich

Als fairer Journalist muss man registrieren: Eine überraschend hohe Zahl von Österreichern ist für die Beibehaltung der Wehrpflicht – keine Rede von einem Erdrutsch-Sieg für das Profi-Heer bei der Volksbefragung. Im Gegenteil: In den Umfragen steht es 46 % : 46 %.

Dabei muss schon die Frage erlaubt sein, welchen Sinn die Wehrpflicht in Zeiten wie diesen noch hat. Wer die heute von ÖSTERREICH veröffentlichte Tages-Statistik des Verteidigungsministeriums liest, der erhält den Eindruck, unser Bundesheer sei eine Operetten-Armee, die sich primär selbst beschäftigt.

Bei genauer Lektüre des Artikels stellt man fest: Nur jeder Fünfte in unserem Bundesheer hat was Sinnvolles zu tun: 1.600 Soldaten überwachen unseren Luftraum – okay. 1.600 Soldaten sind im Auslandseinsatz – bestens. Nur 370 Soldaten sind in Wahrheit im Tagesschnitt im Katastropheneinsatz – und das soll die Wehrpflicht rechtfertigen?

Warum erledigen 16.000 Berufs-soldaten den Job nicht selbst?
In Wahrheit ist unser Heer in höchstem Maß absurd: 16.000 Berufssoldaten sind damit beschäftigt, nur noch 10.000 Grundwehrdienern jenen „Dienst“ beizubringen, den die meist nicht wollen.

Warum bitte können diese 16.000 Berufssoldaten das bisserl, was zu tun ist – Panzer warten, Haflinger füttern, Militärhunde pflegen, aber auch sinnvoll bei Katastrophen helfen – nicht selbst erledigen? Warum muss man dafür insgesamt 20.000 jungen Österreichern jedes Jahr sechs Monate ihres Lebens stehlen?

Es hat schon einen Grund, warum die gesamte EU ihre Armeen derzeit auf Profi-Heere umstellt: Die wirklich wichtigen Aufgaben – Auslandseinsätze, Luftraumüberwachung, Katastrophenschutz – können nur Profis ausüben. All die anderen Aufgaben aber sind wirklich operettenhaft und unnötig.

Natürlich hat jeder Leser, der für die Beibehaltung der Wehrpflicht eintritt, gute Argumente, die ernst zu nehmen sind. Aber eine sachliche Analyse zeigt: Die 10.326 Wehrpflichtigen im Heer sind derzeit überwiegend zum Krenreiben da.

Schicken Sie Ihre Meinung an: wolfgangfellner@oe24.at

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