Bayern: Schwule Priester dürfen zusammenleben

Evangelische Kirche

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Bayern: Schwule Priester dürfen zusammenleben

Homosexuelle Pfarrer dürfen in Bayern in evangelischen Pfarrhäusern zusammenleben. Die Landessynode der evangelischen Kirche stellte sich am Donnerstag mit großer Mehrheit hinter einen entsprechenden Beschluss des Landeskirchenrates. "Die Landessynode nimmt die darin enthaltene Regelung zur Kenntnis", hieß es zum Abschluss der viertägigen Herbsttagung des Kirchenparlamentes. "Vom Ergebnis her ist es das, was ich mir gewünscht habe", sagte Landesbischof Johannes Friedrich.

Nur fünf Gegenstimmen
Von den 108 Mitgliedern des Kirchenparlamentes stimmten nur fünf dagegen, weitere fünf enthielten sich, wie Friedrich mitteilte. Schwule Pfarrern und lesbische Pfarrerinnen können nun mit ihren Partnern in ein Pfarrhaus ziehen. Voraussetzung dafür ist, dass sie in einer eingetragene Lebenspartnerschaft leben und mit ihrem Einzug "die Einheit der Gemeinde und die Glaubwürdigkeit des pfarramtlichen Dienstes" nicht beeinträchtigt wird.

Ehe und Familie als "Leitbild des Zusammenlebens"
Außerdem müssen der Kirchenvorstand, der Landeskirchenrat, der zuständige Dekan und der Regionalbischof einverstanden sein. "Ehe und Familie sind das Leitbild des Zusammenlebens. Dieses Leitbild muss vertreten werden, auch wenn die eigene Lebensform sich davon unterscheidet", hieß es in dem Beschluss der Landessynode.

Neigung verantwortlich leben
Die Regelung beruht inhaltlich auf der "Fürther Erklärung" von November 1993. Darin positionierte sich die evangelische Kirche in Bayern erstmals öffentlich zum Thema Homosexualität. Sie ermutigte schwule und lesbische Menschen, ihre Neigung verantwortlich zu leben.

Gespräch mit Andersdenkenden
"Es geht nicht nur um die Pfarrhaus-Frage. Wir sollten generell diskutieren, wie wir mit dem Thema Homosexualität umgehen", sagte Friedrich am Donnerstag. Er forderte die Gläubigen dazu auf, weiter das Gespräch mit Andersdenkenden zu suchen. "Wir werden in der evangelischen Kirche zu vielen Themen unterschiedliche Meinungen haben", betonte er. Ein Kirchenaustritt, wie es einige Kirchenmitglieder angedroht hatten, sei "eine unangemessene Form", auf die Debatte zu reagieren.

Gegner in den Gemeinden
Bisher leben in Bayern noch keine gleichgeschlechtlichen Paare in Dienstwohnungen der Kirche zusammen. Fünf Paare hätten sich jedoch bereits bei der Landeskirche gemeldet, sagte Friedrich. Er geht davon aus, dass sich mit der neuen Regelungen noch weitere Pfarrer zu ihrer Homosexualität bekennen und sich um den Einzug in ein Pfarrhaus bemühen werden - auch wenn es Gegner in den Gemeinden gibt. Den Dringlichkeitsantrag eines solchen Gegners lehnten die Synodalen am Donnerstag ab.

Auch bei der nächsten Herbsttagung der Landessynode wird die Frage nach einer Regelung für homosexuelle Pfarrer wieder Thema sein. Denn dann soll das neue Pfarrdienstgesetz der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) übernommen und ein bayerisches Ergänzungsgesetz beschlossen werden. Dazu schlug die Landessynode heuer einen gemischten Ausschuss vor, der auch die "dienstrechtlichen Fragen im Zusammenhang mit Ehe, Familie und Partnerschaft" behandeln soll.

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