Gewalt bei Wahlen in Afghanistan

Raketenangriff

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Gewalt bei Wahlen in Afghanistan

Die radikal-islamischen Taliban torpedieren die Parlamentswahl in Afghanistan mit Anschlägen und Angriffen:  Bei einem Angriff sind im Norden des Landes sieben einheimische Sicherheitskräfte getötet worden. Bei dem Anschlag in der Nähe eines Wahllokals in der Provinz Baghlan kamen ein Soldat und sechs Angehörige einer regierungstreuen Miliz ums Leben. Fünf weitere Menschen sind verletzt worden.

Bei einer weiteren Bombenexplosion in einem Wahllokal in einer Schule in Khost-Stadt wurden drei Menschen verletzt. Bei zwei der Verletzten handelt es sich nach Angaben der Provinzregierung um Wahlbeobachter. Einer davon schwebe in Lebensgefahr. In der Hauptstadt Kabul wurde ein Geheimdienstmitarbeiter verletzt, als ein Sprengsatz kurz vor Öffnung der Wahllokale am Samstag in der Früh detonierte. Wenige Stunden zuvor war eine Rakete in der Innenstadt nahe der US-Botschaft und des Hauptquartiers der internationalen NATO-Schutztruppe ISAF eingeschlagen. Dabei wurde niemand verletzt oder getötet.

Raketenangriffe
Auch in den Provinzen Herat, Ghazni und Badachstan kam es noch vor ihrer Öffnung zu Raketenangriffen auf Wahllokale. Die Polizei teilte mit, in der Nähe des Flughafens im nordafghanischen Kunduz seien drei Raketen eingeschlagen. In der Nachbarprovinz Takhar seien ebenfalls Raketen detoniert. In Kandahar-Stadt seien zwei Raketen eingeschlagen. In keinem der Fälle wurden Verletzte oder Tote gemeldet. Der Fernsehsender Tolo TV berichtete, auch in der ostafghanischen Stadt Jalalabad sei es zu einem Raketenangriff gekommen. In der östlichen Provinz Kunar seien Gefechte ausgebrochen.

Die Taliban hatten zu einem Boykott des Urnengangs aufgerufen und mit Gewalt gedroht. Bereits im Vorfeld der Wahlen haben die Aufständischen mehrere Kandidaten sowie deren Mitarbeiter ermordet oder entführt. Die ISAF teilte mit, bereits am Freitag seien vier Aufständische in der Provinz Kunduz getötet worden. In den vergangenen Tagen habe man bei Operationen in sieben Provinzen mehrere Aufständische gefangen genommen oder getötet, die die Wahl stören wollten.

Wichtiger Test
Die Abstimmung gilt als wichtiger Test für die Stabilität des Landes. Kurz nach der Öffnung der Wahllokale um 7.00 Uhr Ortszeit rief Präsident Hamid Karzai die Afghanen erneut zur Stimmabgabe auf, wie ein AFP-Reporter berichtete. "Wir hoffen auf eine große Beteiligung, die Menschen sollen sich ohne Druck für einen Kandidaten entscheiden, ganz gleich ob Mann oder Frau", sagte Karzai vor Reportern in einer Schule nahe des Präsidentenpalastes im Zentrum von Kabul, wo er begleitet von einem großen Sicherheitstross seine Stimme abgab. Der UNO-Sondergesandte in Afghanistan, Staffan de Mistura, sprach von einem "entscheidenden Tag". Er sagte, Sorgen bereiteten die Sicherheitslage und möglicher Wahlbetrug. Er hoffe, dass die Menschen ihren Mut zeigten und sich an der Parlamentswahl beteiligten.

Schutz
Rund 63.000 afghanische Soldaten und 52.000 einheimische Polizeibeamte sollten während des Wahlgangs für Sicherheit sorgen. Auch die fast 150.000 ausländischen Soldaten im Land standen für den Ernstfall bereit.Ein NATO-Soldat starb am Wahltag nach Angaben des Bündnisses bei einer Bombenexplosion im unruhigen Süden des Landes. Mindestens 1.019 der 6.835 Wahllokale bleiben aus Sicherheitsgründen geschlossen.

Ergebnisse erst im Oktober
Insgesamt waren mehr als 10,5 Millionen Afghanen aufgerufen, zum zweiten Mal seit dem Ende der Taliban-Herrschaft im Jahr 2001 die Zusammensetzung der Volksvertretung Wolesi Jirga (Haus des Volkes) neu zu bestimmen. 68 der 249 zu vergebenen Abgeordnetenmandate sind dabei für Frauen reserviert. Insgesamt treten mehr als 2.500 Kandidaten an. Die Wahllokale sollten bis 16.00 Uhr Ortszeit (13.30 Uhr MESZ) geöffnet haben. Mit ersten Ergebnissen wird nicht vor dem 8. Oktober gerechnet. Ein Endergebnis des Votums soll nach Angaben der Wahlkommission am 31. Oktober vorliegen.

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