Mladic für Serben kein Kriegsverbrecher

Umfrage

Mladic für Serben kein Kriegsverbrecher

Nur knapp ein Fünftel der Serben, genau genommen 18,9 Prozent, halten den früheren Militärchef der bosnischen Serben, Ratko Mladic, für einen Kriegsverbrecher. Für doppelt so viele Bürger Serbiens, 37,9 Prozent, ist der vor dem Haager UNO-Tribunal für Ex-Jugoslawien (ICTY) als Kriegsverbrecher Angeklagte hingegen ein Patriot. Dies ergibt sich aus der umfassenden Umfrage von "Gallup Balkan Monitor".

Mladic für Srebrenica Massaker verantwortlich
Ratko Mladic wird sich vor dem UNO-Tribunal für das Massaker in Srebrenica und andere, von bosnisch-serbischen Truppen während des Bosnien-Krieges begangene Kriegsverbrechen zu verteidigen haben. Es sind gerade 15 Jahre her seit der Anklageerhebung wegen des Srebrenica-Massakers. Nach der Einnahme der ostbosnischen UNO-Schutzzone Srebrenica durch Truppen der bosnischen Serben wurden im Juli 1995 rund 8.000 bosniakische muslimische Einwohner vor den Augen der UNO-Soldaten aussortiert und danach getötet.

2001 tauchte Mladic unter
Nach dem Bosnien-Krieg lebte Mladic noch jahrelang unter dem Schutz des Regimes von Slobodan Milosevic in Belgrad, auch wenn sich Serbien durch das Dayton-Abkommen, mit dem Ende 1995 der Bosnien-Krieg beendet wurde, zur Zusammenarbeit mit dem UNO-Tribunal verpflichtet hatte. Erst nach der Festnahme Milosevics und dessen Überstellung an das Haager Strafgericht im Juni 2001 wurde auch Mladic der Boden unter den Füßen zu heiß. Er tauchte unter, hatte sich zuvor aber offenbar noch eine Zeitlang in jugoslawischen Militäranlagen versteckt. Laut dem derzeitigen Chef des serbischen Militärnachrichtendienstes, Svetko Kovac, gibt es seit Anfang Juli 2002 keine Indizien mehr, dass sich Mladic in Militäranlagen oder Militärwohnungen verstecke.

2006 hätte Mladic verhaftet werden können
Der serbische Sonderstaatsanwalt für Kriegsverbrechen, Vladimir Vukcevic, hatte kürzlich den früheren Chef des Nachrichtendienstes, Rade Bulatovic, beschuldigt, Anfang 2006 die Gelegenheit, Mladic festzunehmen, vereitelt zu haben. Seitdem wurden viele Fahndungen unternommen, keine hat zur Auffindung von Mladic geführt. Derzeit scheinen die Fahnder auf die mögliche Helfer von Mladic, der weiterhin in Serbien vermutet wird, konzentriert zu sein. Innenminister Ivica Dacic hat diese Woche Interpol um Mithilfe bei der Fahndung nach den noch flüchtigen Haager Angeklagten - neben Mladic auch noch dem früheren Chef der kroatischen Serben, Goran Hadzic - gebeten. Die serbische Regierung hatte zuvor das Kopfgeld für Mladic auf zehn Millionen Euro aufgestockt.

Zehn Prozent der Serben glaubt, dass Mladic in Serbien ist
Wie die Gallup-Umfrage an den Tag legte, sind mehr als ein Drittel der Serben überzeugt, dass die Behörden wissen, wo sich Mladic versteckt, ihn allerdings nicht festnehmen können. Nur gut zehn Prozent glauben, dass Mladic zwar in Serbien sei, von den Fahndern jedoch nicht ausfindig gemacht werden könne. Gut ein Viertel der Befragten glaubt, dass sich Mladic nicht in Serbien aufhält.

"Die wichtigste Hypothese unserer Ermittlung ist jene, dass sich die Lösung für die Festnahme von Ratko Mladic in Belgrad befindet", erklärte der UNO-Chefankläger Serge Brammertz bei seinem dieswöchigen Besuch in Belgrad. Die Aktionen der Fahnder würden sich aber nicht nur auf Serbien beschränken, unterstrich der Belgier Brammertz.

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