Strauss-Kahn in U-Haft

Top-Banker: So lief die Sex-Attacke

von
DSK
© EPA / Andrew Gombert
Der Top-Banker muss in U-Haft bleiben. Verhandlung am 20.Mai.
OE24 auf Google bevorzugen

Nach der Festnahme von IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn wegen des Verdachts auf versuchte Vergewaltigung drohen dem IWF-Banker 74 Jahre Knast.

IWF-Chef Strauss-Kahn vor Gericht


1 / 15

IWF-Chef Straus-Kahn vor Gericht

IWF-Chef Straus-Kahn vor Gericht

© Reuters

IWF-Chef Straus-Kahn vor Gericht

IWF-Chef Straus-Kahn vor Gericht

© EPA

IWF-Chef Straus-Kahn vor Gericht

IWF-Chef Straus-Kahn vor Gericht

© EPA

Strauss-Kahn bekommt eine Einzelzelle auf der New Yorker Gefängnisinsel Rikers Island, die für rund 17.000 Gefangene Platz bietet. Der IWF-Chef werde keinen Kontakt zu anderen Insassen haben, sagte der Sprecher der New Yorker Justizverwaltung. Dies bedeute aber nicht, dass er immer in seiner Zelle bleiben müsse.

Der Sex-Skandal ist perfekt

Die Staatsanwaltschaft präsentierte sechs Anklagepunkte. Der gravierendste: vorsätzliche sexuelle Misshandlung. Höchststrafe: 25 Jahre!

Es ist ein wahrer Sexkrimi vor Gericht in Lower Manhattan. Der Franzose, der für die Sozialisten nächstes Jahr Präsidenten Nicolas Sarkozy aus dem Élysée jagen hätte sollen, stand wegen des Vorwurfs einer brutalen Sexattacke an einem Zimmermädchen im Sofitel-Hotel vor dem U-Richter: „Zweimal hatte ... Kontakt zum Mund des Opfers“.

  • Die Aussagen des Opfers (32, Immigrantin aus Ghana, lebt mit ihrem Mann und einer Tochter (16) in der Bronx): Strauss-Kahn sei nackt aus der Dusche gekommen, hätte versucht, sie zu vergewaltigen. Noch heftiger als noch vor einem Tag klingen die weiteren Vorwürfe des Zimmermädchens: DSK, so sein Spitzname, zwang die Frau zum Oral- wie auch Analsex, berührte ihre Brüste, „drückte mit aller Kraft seinen Penis gegen ihren Mund“, so eine Passage. Zweimal sei es zu Kontakten mit dem Mund des Opfers gekommen. Kommentar des Anwalts Ben Brafmaan: „Es fehlen Beweise für Gewaltanwendung ...“
  • Die Kripo gab bekannt, dass es DNA-Spuren gäbe, konkret „körperliche Flüssigkeiten“. Nach langem Tauziehen willigte der Franzose ein, eigene DNA-Proben zur Verfügung zu stellen und sich einer Untersuchung im King’s County-Spital zu unterziehen.
  • Die junge Frau wurde von der Hotelführung als „verlässlich“ beschrieben. Seit drei Jahren putzte sie Zimmer in dem 30-Stock-Hotel. „Sie steht unter totalem Schock“, so eine Kollegin.
  • Bei einer Gegenüberstellung in einem Kommissariat in Ostharlem erkannte sie Strauss-Kahn eindeutig, sagte sofort: „Das ist er!

Strauss-Kahns Anwalts-Team, drunter Ben Brafman (der einst Michael Jackson im Kindersexprozess freiboxte), schritt zur Gegenoffensive: Angeblich habe Strauss-Kahn ein Alibi. Er soll zur fraglichen Zeit mit seiner Tochter beim Essen gesessen sein. Danach sei er direkt zum Airport gefahren. Doch die Richterin ignorierte die Version.

Strauss-Kahn, Spitzname „Der große Verführer“, musste sich bereits früher gegen Sex-Vorwürfe verteidigen: 2002 hätte er die Tochter einer Parteikollegin, Tristane Banon (31), vergewaltigen wollen, heißt es. Lamentiert hätte der für sein Luxusleben bekannte, suspendierte IWF-Chef (der vor Tagen noch eine Billion Dollar verwaltete) über den kargen Haftalltag, wo eine Mahlzeit nur 1,88 Dollar kostet. Nach „Diva-Allüren“ ärgerten sich Cops über den „französischen Idioten“.

Nach der 2,5 Stunden langen Verhandlung war Strauss-Kahn ein gebrochener Mann. Tiefe Augenringe, sein Blick verloren. Sein Fall ist ein tiefer: Jetzt sitzt er mit Straßendealern aus New York Zelle an Zelle .

Diskussion über Nachfolger
Unterdessen wird bereits über eine mögliche Nachfolge Strauss-Kahns beim Internationalen Währungsfonds (IWF) spekuliert. Nach Informationen der deutschen "Bild"-Zeitung werden in Berlin bereits die Namen des derzeitigen Chefs der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung in London, Thomas Mirow, sowie von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann für eine Nachfolge Strauss-Kahns genannt. Auch über eine Nachfolge des Franzosen durch Lagarde wurde bereits spekuliert.

Fekter fordert Rücktritt
Finanzministerin Maria Fekter (V) hat am Dienstag in Brüssel vor Beginn des Ecofin-Rates erklärt, sie kommentiere den Fall nicht: "Sie wissen, das ist ein Justizfall und Justizfälle kommentiere ich nicht." Gefragt, ob sie dessen Rücktritt erwarte, wurde Fekter etwas konkreter: "Im Hinblick auf die Situation, dass eine Kaution abgelehnt wurde, muss er sich selber überlegen, dass er ansonst der Institution Schaden zufügt."

Den Live-Ticker zum Nachlesen finden Sie auf Seite 2 >>

Tharman Shanmugaratnam, den südafrikanischen Ex-Finanzminister

Trevor Manuel oder

Kemal Dervis, der in der Türkei ebenfalls das Amt des Finanzministers innehatte.

Dominique Strauss-Kahn Gericht New York DSK
© Reuters / Sahnnon Stapleton

16:20 Uhr: Jackson-Anwalt vertritt Strauss-Kahn
Jetzt gehört auch IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn zu den prominenten Mandaten von Ben Brafman. Der Anwalt hatte unter anderem im Jahr 2004 den damals wegen Kindesmissbrauchs angeklagten Michael Jackson verteidigt. Auch gefürchtete Mafiabosse und Auftragskiller hat der 55-Jährige schon vor Gericht vertreten.

15:58 Uhr: Der Ablauf der Verhandlung:
Der Beschuldigte erscheint heute erstmals vor Gericht, wo die Vorwürfe formell vorgelesen werden. Dies geschieht üblicherweise binnen 24 Stunden nach einer Festnahme. Bei Strauss-Kahn wurde die Frist um einen Tag verlängert, um genug Zeit für gerichtsmedizinische Untersuchungen zu gewinnen. Der Beschuldigte bekennt sich bei dem Termin schuldig oder nicht schuldig. Strauss-Kahns Anwalt hat erklärt, der IWF-Chef werde auf nicht schuldig plädieren.

15:44 Uhr: Riesen-Medienrummel vor dem Gericht. Journalisten aus aller Welt beziehen Stellung:

15:23 Uhr: OeNB-Präsident Nowotny will schnell klare Verhältnisse
EZB-Ratsmitglied und Präsident der Österreichischen Nationalbank Ewald Nowotny verlangt eine baldige Entscheidung in der Führungsfrage. "Es ist im Interesse aller zu hoffen, dass es rasch eine klare Lösung gibt", sagte Nowotny in Wien.

15:19 Uhr: Strauss-Kahn ist wohl Job als IWF-Chef los:
Die Diskussion um die Nachfolge an der Spitze des Internationalen Währungsfond ist voll entbrannt: Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach sich wegen der Schuldenkrise für einen Europäer als Chef der mächtigen Finanzinstitution aus, sollte ein Führungswechsel notwendig werden.

15:00 Uhr: Die Anklage:
Strauss-Kahn werden versuchte Vergewaltigung, sexueller Missbrauch und Nötigung vorgeworfen. Er soll versucht haben, in einem New Yorker Hotel ein Zimmermädchen zum Oralsex zu zwingen und war am Samstag kurz vor Abflug seines Flugzeugs aus New York festgenommen worden.

14:59 Uhr: Anwälte wollen Alibi vorlegen
Strauss-Kahn ließ die Vorwürfe über seine Anwälte bestreiten. Der IWF-Chef verfügt nach Informationen des französischen Radiosenders RMC über ein Alibi für den Zeitpunkt des mutmaßlichen Vergewaltigungsversuchs. Strauss-Kahn habe das Hotel bereits gegen 12.00 Uhr Mittag, also eine Stunde vor dem Tatzeitpunkt, verlassen und sich mit seiner Tochter zum Essen getroffen, berichtete RMC am Montag unter Berufung auf seine Anwälte. Die Verteidigung habe Beweise und Zeugenaussagen für dieses Essen.

Strauss-Kahn in Handschellen vorgeführt


1 / 10

Strauss-Kahn in Handschellen vorgeführt

Strauss-Kahn in Handschellen vorgeführt

© EPA

Strauss-Kahn in Handschellen vorgeführt

Strauss-Kahn in Handschellen vorgeführt

© EPA

Strauss-Kahn in Handschellen vorgeführt

Strauss-Kahn in Handschellen vorgeführt

© EPA

14:50 Uhr: "Wir wussten von seiner Schwäche"
Die Chefin der rechtsextremen Front National, Marine Le Pen, zeigt sich über die Anklage gegen den Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) Dominique Strauss-Kahn wegen versuchter Vergewaltigung nicht überrascht. "Jeder wusste über die sexuelle Schwäche Strauss-Kahns, doch in politischen und journalistischen Kreisen herrschte eine Art von Schweigeverbot", sagte Le Pen.

14:30 Uhr: Ehefrau hält zu ihm
"Ich glaube keine Sekunde lang den Anschuldigungen, die gegen meinen Mann erhoben werden", erklärt Strauss-Kahns Ehefrau Anne Sinclar.

Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden