Proteste von Tunis bis Bagdad

 

"Tag des Zorns" in der arabischen Welt

"Tag des Zorns" in der arabischen Welt: Von Tunis bis Bagdad gingen am Freitag Zehntausende Menschen auf die Straße, um gegen Korruption und Armut sowie für demokratische Veränderungen zu demonstrieren. In Tunesien, wo die Welle der Volkserhebungen im Jänner ihren Ausgang genommen hatte, bekundeten die Demonstranten auch ihre Solidarität mit den libyschen Nachbarn und deren Kampf gegen den langjährigen Herrscher Muammar al-Gaddafi. "Gaddafi raus", riefen protestierende Tunesier, die zugleich die Entlassung von Parteigängern des gestürzten Präsidenten Zine el-Abidine Ben Ali aus der Übergangsregierung forderten.

Erneute Kundgebung am Tahrir-Platz
Die Umbildung der Übergangsregierung forderten auch die Demonstranten, die sich in Kairo auf dem Tahrir-Platz versammelten. Die Opposition ist besorgt, dass die Schlüsselressorts Verteidigung, Inneres, Justiz und Auswärtiges noch immer mit Gefolgsleuten des vor zwei Wochen zurückgetretenen Präsidenten Hosni Mubarak besetzt sind. Am Vorabend der Demonstration versicherte das herrschende Militär, eine Rückkehr zur Ära Mubarak werde es nicht geben. Die Streitkräfte haben unter anderem Wahlen binnen sechs Monaten zugesagt.

"Mubarak, wir wollen unser Geld" und "Das Volk will einen Prozess gegen den Präsidenten", riefen die Demonstranten in Kairo. Der Ex-Präsident, der sich am 11. Februar in den Badeort Sharm el-Sheikh abgesetzt hatte, müsse vor Gericht gestellt werden. Das Vermögen Mubaraks und seiner Familie müsse vom Staat konfisziert werden, ebenso der Besitz führender Mitglieder der Nationaldemokratischen Partei (NDP).

Die neuerliche Demonstration habe auch den Zweck, die Militärführung dazu zu bringen, einen verbindlichen Zeitplan für die nächsten Schritte für eine Reform des Systems festzulegen, sagte ein Vertreter der Jugendbewegung, die mit an der Spitze der Demokratiebewegung gestanden war.

Juristen-Komitee soll Verfassung vorlegen
An diesem Samstag soll ein vom Militär eingesetztes Komitee von Juristen eine geänderte Verfassung vorlegen. Nach ägyptischen Medienberichten sollen künftig auch Parteilose für das Amt des Präsidenten kandidieren dürfen. Die Amtszeit soll von sechs auf vier oder fünf Jahre reduziert werden. Außerdem darf der Präsident - wie in den USA - demnach nur einmal wiedergewählt werden. Alle Wahlen sollen von Justizbeamten überwacht werden.

Zusammenstöße im Jemen
In der jemenitischen Hauptstadt Sanaa wurden unterdessen die Sicherheitsvorkehrungen verschärft, um Zusammenstöße zwischen Anhängern und Gegnern von Präsident Ali Abdullah Saleh zu verhindern. "Das Volk fordert das Ende des Regimes", riefen die Opponenten Salehs, der das ärmste arabische Land seit 32 Jahren mit eiserner Hand regiert. In vier Kilometern Entfernung bekundeten ihm seine Verehrer ihre Solidarität. Sie riefen, "Ja zur Stabilität", "Nein zum Chaos".

Bei Zusammenstößen in der jemenitischen Hafenstadt Aden wurden mindestens neun Menschen verletzt. Augenzeugen berichteten, die Polizei habe auch auf Demonstranten geschossen, um die Proteste zu beenden. Tausende seien nach dem Freitagsgebet auf die Straßen gegangen und hätten den Rücktritt von Präsident Saleh gefordert.

Tote Demonstranten im Irak
Auch im Irak eskalierten Proteste. Bei landesweiten Demonstrationen gegen Korruption und Arbeitslosigkeit wurden mindestens neun Menschen getötet. In mehreren Städten hätten Wachmannschaften auf Demonstranten geschossen, die Regierungsgebäude stürmen wollten, verlautete aus Sicherheitskreisen. In der nördlichen Stadt Mosul wurden dabei fünf Demonstranten getötet. In der Stadt Falluja setzten aufgebrachte Menschen ein Behördengebäude in Brand.

Tausende Menschen demonstrierten in der südlichen Stadt Basra gegen den Gouverneur Shaltagh Abboud, der nach einigen Stunden seinen Rücktritt erklären musste, wie die Agentur Al-Sumaria News berichtete. Die Demonstranten hatten ihm Korruption vorgeworfen. Auf dem Tahrir-Platz im Zentrum von Bagdad demonstrierten am Freitag mehrere tausend Menschen. Sie forderten soziale Reformen und mehr Arbeitsplätze.

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