Erbärmliche Bedingungen für Flutopfer in Indien

Mega-Überschwemmung

Erbärmliche Bedingungen für Flutopfer in Indien

Heftige Überschwemmungen haben im ostindischen Bundesstaat Bihar mindestens 3,5 Millionen Menschen in die Flucht getrieben. Bisher fielen den Fluten am Fluss Kosi bisher etwa 60 Menschen zum Opfer. Die Zahl der Toten könne jedoch noch weiter steigen. Nach einem Besuch im Überschwemmungsgebiet sprach Indiens Premierminister Manmohan Singh von einer "nationalen Katastrophe".

Schmutzwasser
Zweieinhalb Wochen nach Beginn der Hochwasserkatastrophe wird für die Überlebenden in der Überschwemmungsregion die Zeit knapp. Rettungskräfte erreichten erst nach und nach die am schwersten zugänglichen Gebiete im Bundesstaat Bihar. Viele Menschen haben schon seit fünf Tagen nichts gegessen und nur unabgekochtes Schmutzwasser trinken können, berichtete die Überlebende Murti Shah. Sie hatte zwei Wochen auf dem Dach der Schule in ihrem Dorf ausgeharrt, bis sie am Donnerstag gerettet wurde.

Der Abwurf von Hilfslieferungen wurde verstärkt. Große Teile von Bihar sind überschwemmt, seit der Fluss Kosi vor zwei Wochen stromaufwärts in Nepal über die Deiche trat und seinen Lauf änderte. Nach Behördenangaben wurden bisher 600.000 Menschen aus den Überschwemmungsgebieten in Sicherheit gebracht. 350.000 Menschen sind auf ihren Hausdächern oder Bahn- oder Straßendämmen gestrandet und warten noch immer auf Hilfe.

Eine Million Menschen obdachlos
Nach UN-Schätzungen wurden mindestens eine Million Menschen durch die Hochwasserkatastrophe obdachlos. Die Hilfsorganisation Save the Children geht sogar von mindestens fünfmal so vielen Menschen aus, die durch die Fluten ihr Zu Hause verloren haben. Etwa 200.000 Flutopfer wurden in Notaufnahmelager gebracht, wo sich nun Seuchen wie Cholera und Hirnhautentzündung auszubreiten drohen.

Auch im benachbarten Nepal sind 40.000 Menschen in Notunterkünfte geflüchtet. Zahlreiche Flüchtlinge litten dort bereits an Durchfall, Fieber und Atemwegserkrankungen, berichteten Medien. In Vietnam sind durch Erdrutsche nach heftigen Monsun-Regenfällen mindestens elf Menschen ums Leben gekommen.

Soforthilfe
Indiens Premier kündigte ein Soforthilfepaket in Höhe von zehn Milliarden Rupien (155 Mio. Euro) an. Nach Medienberichten sind jedoch noch immer mehr als eine Million Menschen von jeglicher Hilfe abgeschnitten. Zehntausende kämpften ums Überleben. Den Angaben zufolge fehlt es vor allem an Booten für Hilfsorganisationen und die Armee. In den Auffanglagern mangle es zudem an Nahrungsmitteln, Trinkwasser und Medikamenten.

Nach Angaben des Innenministeriums in Neu Delhi hat ein Dammbruch in Nepal, wo der Kosi entspringt, die Katastrophe ausgelöst. Dadurch habe der Strom seine Fließrichtung um etwa 120 Kilometer Richtung Osten verändert und riesige Gebiete in Nepal und Bihar überflutet. Verstärkt werden die Überflutungen durch heftige Monsun-Regenfälle, die in den kommenden Tagen anhalten sollen.

169 Tote durch Wetterkapriolen
Das Unwetter in Vietnam ging über einer Region gut 200 Kilometer nördlich der Hauptstadt Hanoi nieder. In mindestens drei Distrikten lösten sich Erdmassen und stürzten Hänge hinab, teilte der örtliche Katastrophenschutz am Freitag mit. Überschwemmungen und Erdrutsche haben in diesem Jahr bereits mindestens 169 Menschen in Vietnam das Leben gekostet.

Der Monsun in Südasien beginnt in der Regel im Juni und dauert bis Ende September. Nach offiziellen Angaben kamen in Indien bei den Überschwemmungen in diesem Jahr landesweit bereits mehr als 1.600 Menschen ums Leben. Im vergangenen Jahr starben etwa 3.000 Menschen. Im Bundesstaat Bihar an der Grenze zu Nepal waren damals insgesamt 20 Millionen Menschen von der Flut betroffen. Auch in den Nachbarländern richten Überschwemmungen zur Regenzeit schwere Schäden an.

EU hilft
Die EU-Kommission hat mehr als zwei Millionen Euro als Hilfe für Flutopfer in Indien und Nepal bereitgestellt. Nachdem bereits vergangene Woche eine Million Euro für die betroffenen Gemeinden in Nepal bewilligt worden seien, werde die Hilfe nun um mehr als eine Million für die Opfer in Indien aufgestockt, teilte die Kommission am Freitag in Brüssel mit.

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