Haiti zittert vor der Regensaison

Nächstes Chaos droht

Haiti zittert vor der Regensaison

Das Welternährungsprogramm (WFP) der UNO hat mehr Hilfe für die Überlebenden des Erdbebens in Haiti eingemahnt. Die Menschen müssten viel länger versorgt werden als angenommen. Die Zahl der Todesopfer hat sich nach Angaben der Regierung des bitterarmen Karibikstaates auf 150.000 erhöht. Es wurde befürchtet, dass die tatsächliche Zahl der Toten um vieles höher liegt.

"Ursprünglich hatten wir mit zwei Millionen Menschen gerechnet, die wir sechs Monate versorgen müssen", sagte WFP-Chefin Josette Sheeran in New York. "Jetzt gehen wir von mindestens zwölf Monaten aus." Das Projekt Haiti sei eine der größten, wenn nicht die größte Herausforderung, vor der das Ernährungsprogramm in 40 Jahren gestanden sei. "Deshalb fordern wir alle Armeen dieser Welt auf, uns ihre irgendwie entbehrlichen Fertigmahlzeiten zur Verfügung zu stellen", sagte Sheeran.

Wiederaufbau selbst in die Hand nehmen
Haiti will die Führungsrolle beim Wiederaufbau selbst übernehmen. Dies erwarteten die Bürger, und dazu sei die Regierung in der Lage, so Ministerpräsident Jean-Max Bellerive am Montag (Ortszeit) bei einem Treffen der internationalen Gemeinschaft in Montreal. Die USA luden für März zu einer Geberkonferenz nach New York in das UNO-Hauptquartier ein.

An dem Treffen in Kanada nahmen Außenminister zahlreicher Staaten und Vertreter internationaler Organisationen teil. US-Außenministerin Hillary Clinton erklärte, es sei wichtig, den Haitianern nicht die Prioritäten beim Wiederaufbau zu diktieren. In einer Erklärung der teilnehmenden Staaten hieß es, dass ein zunächst zehnjähriges Engagement von entscheidender Bedeutung sei.

Drei Milliarden Dollar benötigt
Bellerive sagte, Haiti sei in erheblichem Maße auf die Hilfe von außen angewiesen. Der Exodus zahlreicher Menschen aus der Hauptstadt Port-au-Prince führe dazu, dass die Lage neu eingeschätzt werden müsse. 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts seien mit dem Beben verloren gegangen. Er räumte ein, dass es bisher nicht gelungen sei, alle Menschen mit Nahrung und Wasser zu versorgen. Die Regierung Haitis hatte den Bedarf an finanzieller Hilfe auf drei Milliarden Dollar (2,1 Milliarden Euro) beziffert.

Unterdessen wurden Pläne der Regierung bekannt, das zerstörte Zentrum von Port-au-Prince zeitweise abzuriegeln. Während dieser Zeit sollten Ruinen und Schutt beseitigt und Gebäude errichtet werden. "Wir müssen die Menschen dazu bewegen, in ihre Heimatprovinzen zu gehen, indem wir dort die Lebensbedingungen verbessern", sagte Jean Baleme Mathurin, Wirtschaftsberater von Bellerive. Nach seinen Worten haben bereits 400.000 der etwa drei Millionen Einwohner die Stadt verlassen.

Auch Scientology eingetroffen
Die Lage könnte sich in den kommenden Wochen noch verschärfen, wenn die Regensaison beginnt und die Flüchtlingslager in schlammige Elendsviertel verwandelt. Zelte und Plastikplanen seien jetzt nötig, sagte der Sprecher des Katholischen Rettungsdienstes CRS dem US-Nachrichtensender CNN. Brasilianische Soldaten begannen, am Stadtrand von Port-au-Prince eine riesige Zeltstadt aufzubauen. Sie planierten rund fünf Hektar Land nördlich der Stadt. Es soll die erste von rund einem halben Dutzend Zeltstädten werden, die vor Regen- und Hurrikansaison im Sommer fertig sein müssen.

Wie Tausende Landsleute wird der haitianische Präsident Rene Preval in einem Zelt leben müssen. Sein Haus wurde bei dem Erdbeben am 12. Jänner zerstört. Nach Schätzungen der UNO wurde rund eine Million Menschen obdachlos. Die meisten müssen unter Leintüchern, Kartons oder Plastikplanen Schutz suchen. Preval werde in ein Zelt im Garten des eingestürzten Nationalpalastes ziehen, sagte Tourismusminister Patrick Delatour, der auch für den Wiederaufbau verantwortlich ist.

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