Schweizer Priester missbrauchte seinen Neffen

Geständnis

 

Schweizer Priester missbrauchte seinen Neffen

Der Fall eines Schweizer Priesters unter dem Verdacht der Pädophilie zieht weite Kreise. Nachdem die katholische Kirche am Wochenende eine Mitschuld eingestanden hat, überprüft nun die Schweizerische Bischofskonferenz (SBK) ihre internen Richtlinien im Umgang mit pädophilen Priestern. Der heute 67-jährige Kapuziner ist geständig, im Jahr 1992 seinen damals zwölfjährigen Neffen missbraucht zu haben.

Fall unübersichtlich
Der Fall des Priesters sei noch unübersichtlich, sagte SBK-Sprecher Walter Müller am Montag gegenüber dem Schweizer Radio DRS. Die Bischofskonferenz werde aber auf jeden Fall ihre 2002 erlassenen Richtlinien überprüfen und eventuell anpassen.

Am Wochenende hatten hohe katholische Repräsentanten in der Schweiz eingestehen müssen, dass die katholische Kirche eine Mitschuld trage. Dem Bistum von Lausanne, Genf und Freiburg war nämlich bekannt, dass der Priester mindestens ein Kind sexuell missbraucht hatte. Der Offizial (Kirchengerichtsvorsteher) des Bistums, Nicolas Betticher, sprach in einem Interview mit der Westschweizer Zeitung "Le Matin dimanche" von "geheimem Einverständnis". Die zivilen Gerichte seien nie informiert worden. Stattdessen sei der heute 67-Jährige nach Frankreich versetzt worden. Dort habe er sich jedoch erneut an einem Kind vergangen, sagte Betticher.

Orden trifft Mitschuld
Auch der Verantwortliche der Schweizer Kapuziner, Ephrem Bücher, gab eine Mitschuld seines Ordens zu. "Wir sind als Kapuziner dafür verantwortlich, was geschehen ist", sagte er gegenüber dem Radio Suisse Romande. "Wir haben damals nicht so reagiert, wie wir hätten sollen."

Richtlinien im Umgang mit pädophile Priester in der Schweiz sehen vor, dass der Bischof Opfer anhört. Für Schadenersatz ist zuerst der verdächtige Priester zuständig. Geht das nicht, wird auch der Bischof reagieren.

Der heute im Kloster Montcroix in Delsberg lebende Priester war auf Ersuchen der französischen Behörden von eine Staatsanwalt verhört worden. Ihm werden von Frankreich sexuelle Handlungen mit Minderjährigen vorgeworfen. Der Priester sagte, in Frankreich sei es lediglich ein Mal zu Zärtlichkeiten mit einem Buben gekommen. Verhaftet wurde er bisher nicht. Parallel dazu untersuchen die Behörden im Kanton Jura, ob der Priester in der Schweiz Übergriffe begangen hat, die noch nicht verjährt sind.

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