26. März 2008 10:37
Die DDR soll für ostdeutsche Flüchtlinge, die an der bulgarischen Grenze
erschossen wurden, Kopfprämien von 8.000 DDR-Mark gezahlt haben. Das
berichtet die ostdeutsche Zeitschrift "Super Illu". Der Politologe Stefan
Appelius von der Universität Oldenburg beruft sich auf Aussagen ehemaliger
bulgarischer Botschaftsmitarbeiter, wonach die DDR-Botschaft in Sofia diese
Prämien gezahlt habe. Appelius leitet das Forschungsprojekt "Tod in
Bulgarien".
Vorwürfe gegen bulgarische Regierung
Die bulgarische
Regierung halte bis heute Unterlagen zurück, sagte der
Politikwissenschafter. Es gebe dort kein Interesse, die Staatsverbrechen des
kommunistischen Regimes aufzuklären. Ein früherer bulgarischer Minister habe
jedoch 1992 berichtet, dass bulgarische Grenzsoldaten 36 Ausländer
erschossen hätten. "Das waren überwiegend DDR-Bürger."
Appelius sagte, er schätze, dass etwa 100 Menschen an der Grenze im
DDR-"Bruderland" Bulgarien getötet wurden. Mindestens 4.800 Ostdeutsche
hätten während der DDR-Zeit versucht, von Bulgarien aus in die Türkei oder
nach Griechenland zu fliehen. Zwischen drei und dreieinhalb Prozent dieser
Fluchten seien geglückt.
Keine Bestätigung durch deutsche Behörden
In der
deutschen Bundesbehörde für die Unterlagen der Staatssicherheit (Stasi) hieß
es, die Flucht von DDR-Bürgern werde zwar seit längerem erforscht. Von der
Zahlung von Prämien für erschossene DDR-Flüchtlinge in Bulgarien wüssten die
Forscher aber nichts, sagte Sprecher Andreas Schulze.
Eine Mark der DDR entsprach nach offiziellem Wechselkurs einer westdeutschen
D-Mark (0,51 Euro). Der reale, auf dem Schwarzmarkt gezahlte Wert lag jedoch
erheblich tiefer.