01. Dezember 2009 08:39
US-Präsident Barack Obama will nach einem Zeitungsbericht 34.000 zusätzliche
Soldaten nach Afghanistan schicken. Das sei das Kernstück seiner neuen
Afghanistan-Strategie, die Obama am Dienstagabend (Ortszeit) zur besten
Sendezeit in einer Rede an die Nation vorstellen wolle, berichtete die
"Washington Post" unter Berufung auf Regierungskreise. Zudem werde der
Präsident die NATO und anderen Alliierte um die Entsendung von weiteren
5.000 Mann bitten. Außerdem werde er erste Teile einer Abzugsstrategie
skizzieren. Nach Angaben eines Sprechers der afghanischen Regierung
informierte Obama bereits Präsident Hamid Karzai in einer einstündigen
Videokonferenz über die neue Strategie.
100.000 GIs am Hindukusch
Die Zahl der zusätzlichen
US-Soldaten und die von Obama erbetenen 5.000 Mann der Alliierten
entsprechen in etwa den 40.000 Soldaten, die der US-Oberbefehlshaber in
Afghanistan, General Stanley McChrystal, von Washington ursprünglich
gefordert hatte. Mit den neuen Truppen würde die Zahl der US-Soldaten am
Hindukusch auf mehr als 100.000 steigen.
Der britische Premier Gordon Brown hatte zuvor angekündigt, dass London 500
weitere Soldaten an den Hindukusch schickt. Damit erhöhe sich die Zahl der
Briten dort - inklusive Sondereinheiten - auf mehr als 10.000, sagte Brown
vor dem Unterhaus in London.
Von Frankreich verlangen die USA nach Informationen der Zeitung "Le Monde"
die Entsendung von 1.500 zusätzlichen Soldaten. Derzeit sind 3.400 Franzosen
im Afghanistan-Einsatz. Die Frage eines stärkeren Engagements der Alliierten
betrifft auch Deutschland. Die USA wollen laut "Le Monde" von Berlin 2.000
Soldaten zusätzlich. Deutschland hat derzeit 4.500 Soldaten am Hindukusch
stationiert. Bundeskanzlerin Angela Merkel bekräftigte aber am Dienstag,
dass Deutschland zunächst keine zusätzlichen Truppen bereitstellen wird. Sie
werde die Vorstellungen der USA zur Kenntnis nehmen, sagte Merkel nach einem
Treffen mit dem pakistanischen Ministerpräsidenten Yousuf Raza Gilani in
Berlin. "Wir werden uns aber in diesen Tagen nicht entscheiden."
Konferenz in London
Die Franzosen wollten die Bitte um mehr
Soldaten nicht kategorisch ablehnen, hieß es in dem Bericht. "Wir werden
gegenüber Obama nicht Nein sagen", zitierte die Zeitung das Umfeld von
Präsident Nicolas Sarkozy. Frankreich wolle aber wie Deutschland die
Afghanistan-Konferenz am 28. Jänner in London abwarten.
Nach Angaben der "Washington Post" soll im Jänner schrittweise damit
begonnen werden, zusätzliche US-Truppen nach Afghanistan zu schicken.
Abgesehen von Marineinfanteristen, die als erste nach Afghanistan verlegt
werden, sei noch nicht festgelegt, welche Einheiten folgen sollen.
Obama wird in seiner Rede vor Kadetten der traditionsreichen
Militärakademie West Point laut "Washington Post" überdies einen Plan
darlegen, der einer Abzugsstrategie sehr nahe komme. Im Zentrum stünden
dabei Maßnahmen, die Regierung in Kabul zu stärken, so dass die afghanischen
Sicherheitskräfte schrittweise die Kontrolle über ihr eigenes Land
übernehmen können. Es sei zu erwarten, dass der Präsident auch spezifische
Zielmarken nenne, die er politisch wie auch militärisch erreicht sehen
wolle, so das Blatt weiter.