03. Juni 2008 08:09
Mit einem Eklat hat am Donnerstag im US-Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba
das Militärverfahren gegen die mutmaßlichen Drahtzieher der Terroranschläge
vom 11. September 2001 begonnen. Der Hauptverdächtige Khalid Sheikh Mohammed
entließ seine Verteidiger und forderte die Militärrichter auf, ihn zum Tod
zu verurteilen. "Ich will ein Märtyrer werden, das ist seit langer Zeit
mein Wunsch", sagte Mohammed.
Auch der Mitangeklagte Walid bin Attash forderte, "durch die Hand" von
US-Vertretern zu sterben. Unter den fünf Angeklagten ist auch Ramzi
Binalshibh, der als Cheflogistiker der Hamburger Zelle um den
Flugzeugattentäter Mohammed Atta gilt. Die Anklage fordert für alle fünf die
Todesstrafe.
"Gott reicht mir"
Der aus Pakistan stammende Kuwaiter
Mohammed gilt als Drahtzieher der Flugzeuganschläge in New York und
Washington. Bereits in früheren Verhören hat er sich selbst der Taten
bezichtigt. Bei seinem Auftritt vor Militärrichter Thomas Kohlmann sagte er
jetzt: "Ich brauche keinen Anwalt, ich werde mich selbst vertreten."
Er fügte hinzu: "Gott allein reicht mir." Seine Ausführungen
unterbrach er für Rezitationen aus dem Koran.
Sichtlich gealtert
Es war das erste Mal seit Jahren, dass
Mohammed in der Öffentlichkeit zu sehen war. Anders als auf Fotos von seiner
Festnahme trug er einen langen Bart, er war sichtbar gealtert. Mohammed und
die vier Mitangeklagten nahmen auf der Anklagebank Platz ohne
Gewaltanwendung durch das Sicherheitspersonal. Sie trugen keine
Handschellen. Ihre Aussagen wurden mit 20-sekündiger Verzögerung in den Saal
der Journalisten übertragen. Dadurch sollte dem Richter die Möglichkeit
gegeben werden, die Übertragung zu unterbrechen, sobald als Staatgeheimnis
gewertete Informationen zur Sprache kamen.
Aussagen falsch übersetzt?
Alle Angeklagten gaben vor dem
Richter an, Englisch zu sprechen und zu verstehen, aber dennoch einen
Übersetzer zu wünschen. Mohammed beklagte, seine Aussagen aus früheren
Verhören seien verdreht worden: "Sie haben meine Worte falsch
übersetzt, und sie haben mir viele Worte in den Mund gelegt." Die
Verdächtigen waren in den Jahren 2002 und 3 von US-Ermittlern im Mittleren
Osten aufgespürt und festgenommen worden. Zuerst wurden sie in
Geheimgefängnissen des US-Geheimdiensts CIA festgehalten, 2006 wurden sie
nach Guantanamo gebracht.
Kein ordentliches US-Gericht
Für die militärrechtliche
Aburteilung der Terrorverdächtigen wurden dort eigens so genannte
Militärkommissionen, Sondertribunale der Armee, eingerichtet. Die Anklage
lautet u.a. auf Terrorismus, Verschwörung, Mord und Sachbeschädigung. Die
Rechtmäßigkeit der Militärkommissionen ist in den USA juristisch umstritten:
Vor ihnen besitzen Angeklagte und Verteidigung weniger Rechte als vor
ordentlichen US-Gerichten.
Angeklagte wurden gefoltert
Mehrere Angeklagte hatten zudem
berichtet, sie seien in US-Gewahrsam gefoltert worden. Der US-Geheimdienst
hatte zugegeben, bei Mohammed eine umstrittene Verhörtechnik namens "Waterboarding"
angewendet zu haben. Menschenrechtler stufen diese als illegale Folter ein.
DIE FÜNF ANGEKLAGTEN
KHALID SHEIKH MOHAMMED: Der aus Pakistan stammende Kuwaiter
bezeichnete sich laut Pentagon selbst als Planer der Anschläge vom 11.
September 2001, bei denen fast 3.000 Menschen ums Leben kamen. Die
US-Regierung nennt ihn einen "der niederträchtigsten Terroristen der
Geschichte". Er wurde 2003 in Pakistan festgenommen.
RAMZI BINALSHIBH: Er war der Mitbewohner von Mohammed Atta, dem
Anführer der Attentäter vom 11. September, in Hamburg. Die US-Behörden
beschreiben ihn als einen Schatzmeister von Al Kaida. Der im Jemen geborene
Terrorist soll maßgeblich an den Anschlägen vom 11. September beteiligt
gewesen sein, erhielt aber laut Anklage kein Visum für die USA. Er wurde
2002 im pakistanischen Karachi gefasst.
MUSTAFA AHMAD AL-HAWSAWI: Der Saudi-Araber soll von Khalid Scheikh
Mohammed beauftragt gewesen sein, Geld für die Terroranschläge vom 11.
September zu sammeln. So soll er den Piloten der entführten Flugzeuge das
Geld geschickt haben, mit dem sie ihre Unterkunft und ihre Flugstunden
bezahlten.
ALI ABD AL-AZIZ ALI: Ein Neffe von Khalid Scheikh Mohammed aus
Pakistan, der an der logistischen Organisation der Anschläge beteiligt
gewesen sein soll. Zudem soll er der Verbindungsmann zum "Schuhbomber"
Richard Reid gewesen sein.
WALID BIN ATTASH alias KHALLAD: Der Al-Kaida-Mann aus dem Jemen soll
zweien der Flugzeugentführern geholfen haben, die Attentate vorzubereiten.
Bei seiner Festnahme 2003 soll er einen Anschlag auf das US-Konsulat in
Karachi geplant haben. Die US-Regierung verdächtigt ihn, hinter dem Anschlag
auf den Zerstörer "USS Cole" im Golf von Aden zu stecken, bei
dem im Oktober 2000 17 US-Soldaten getötet wurden.